„Am besten bis vor die Haustür“

Landkreis stellt den Nahverkehr in der Region komplett neu auf

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Das Nahverkehrsnetz in der Region braucht dringend mal eine Modernisierung. Ab August 2019 soll der neue Nahverkehrsplan gelten.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Verbindungen sollen besser werden. Sichere, pünktliche und komfortablere Busverbindungen im Schülerverkehr in erster Linie, zudem ein Ausbau in der Grundversorgung auch für den Berufs- und Freizeitverkehr.

Der Landkreis lässt einen neuen Nahverkehrsplan aufstellen. Ab August 2019 soll dieser gelten. Dass es noch viele Baustellen auf dem Weg dorthin gibt, wurde am Mittwochnachmittag bei der Vorstellung des aktualisierten Werks im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Kreistags deutlich. 188 Anregungen hatte es von Kommunen, Aufgabenträgern und Verkehrsbetrieben im Beteiligungsverfahren von Mai bis Juli noch einmal gegeben. Die haben die Planer der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen (VNO) be- und eingearbeitet in das nunmehr 260 Seiten starke Werk. 

Detailliert sind dort auch schon Fahrpläne zu sehen, bis zur Kreistagssitzung am 20. Dezember folgen aber noch Ergänzungen. Zentrales Anliegen des Landkreises, der wie in so vielen Bereichen auf die klassische Teilung des Kreisgebiets setzt und entsprechend drei Teilnetze hat aufstellen lassen: „Wir wollen überörtlichen und örtlichen Verkehr sinnvoll verknüpfen“, so Erster Kreisrat Torsten Lühring. Der bisherige Flickenteppich mit vielen Anbietern in einem immer weiter ergänzten Netz soll besser strukturiert werden – weniger Leerfahrten und doch mehr Mobilität. Und es sollen mit der gesteuerten Vergabe an die Busunternehmen massive Probleme mit der Schülerbeförderung wie im Landkreis Verden mit der Bahn-Tochter Weser-Ems-Bus ausgeschlossen werden.

Mittel in Höhe von 1,4 Millionen Euro

Der stark ländlich geprägte Landkreis mit seinen weiten Entfernungen führt natürlich zu einem zentralen Knackpunkt: dem lieben Geld. Lühring: „Unser Hauptproblem ist, dass es so billig ist, das eigene Auto zu nutzen.“ So seien viele Verbindungen zwar grundsätzlich notwendig, aber eben wenig frequentiert. Das soll im neuen Verkehrsplan besser werden. Für die Kreisfinanzen verspricht das auch mehr Übersichtlichkeit. Bislang summieren sich Beiträge für Verkehrsverbände, Tarifausgleiche, Bürgerbus- und Linienzuschüsse auf mehrere Hunderttausend Euro jährlich, der größte Batzen ist aber alles rund um die Schülerbeförderung. Laut Lühring fließen in dieses System, das bis zu Taxi-Einzelfahrten für Förderschüler nach Hannover führt, rund neun Millionen Euro. Vom Land erhält der Landkreis seit Anfang 2017 aufgestockte Mittel in einer Gesamthöhe von rund 1,4 Millionen Euro. Und die wollen investiert sein – auch, um die Gemeinden zu entlasten, wie Lühring verspricht.

Rund 3. 000 Gäste nutzen Verbindung täglich

Selbst wenn durch die geänderten Linien nicht alle profitierten, so betont Lühring doch die Verbesserungen. Endlich gebe es zum Beispiel die durchgehende Verbindung Bremervörde-Zeven-Rotenburg, und auch die meistfrequentierte Strecke der Region, Zeven-Bremen, werde aufgewertet. Die rund 75-minütige Fahrt zwischen den Bahnhöfen als „landesbedeutsame Buslinie“ könnte in ein Förderprogramm rutschen, das zu einer deutlich erhöhten Frequenz und einer besseren Ausstattung der Busse führt. Den Landkreis würde das eine Zuschusssumme von 114. 000 Euro jährlich kosten. Lühring: „Überschaubare Beträge, die man sich leisten könnte.“ Rund 3. 000 Fahrgäste nutzen die Verbindung heute schon täglich.

Im Kleinen könnte der Nahverkehr zum Beispiel durch Anrufsammeltaxis aufgewertet werden. Ein erster Pilotprojekt wird zwischen der Samtgemeinde Bothel und Rotenburg starten. Für knapp ein Drittel des regulären Taxitarifs lasse sich dann von Haltestellen „möglichst direkt bis vor die Haustür“ fahren, so Lühring. 16 500 Euro kostet so ein System dem Landkreis und der Samtgemeinde jährlich. Dass man damit aber noch ganz am Anfang steht, beweist die Modellrechnung: Die sieht nur maximal zwei Fahrgäste für diese Verbindung auf Abruf pro Tag vor.

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