„Besorgniserregend“

Bürgermeister fordern Konsequenzen nach Giftstoff-Funden an Erdgas-Förderplätzen

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Auch dort, wo die Untersuchungen begonnen haben, sind Giftstoffe im Boden gefunden worden: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe an der Förderstation Hemsbünde Z 2. 

Rotenburg/Bothel - Von Michael Krüger. Nachdem das Landesbergamt (LBEG) an fünf von 36 untersuchten Erdgasförderplätzen im Landkreis Rotenburg schädliche Bodenverunreinigungen nachgewiesen hat, wird aus den betroffenen Kommunen der Ruf nach Konsequenzen lauter. Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD): „Das ist die Bestätigung unserer Befürchtungen.“

Landesweit untersucht die Behörde noch bis Ende des Jahres 200 der 455 Förderplätze. Für den Landkreis Rotenburg liegen die ersten gebündelten Ergebnisse vor: An den Dea-Erdgasförderplätzen Hemsbünde Z 1 und Z 2 in der Samtgemeinde Bothel, an den Exxon-Förderplätzen Sottrum Z 1 und Bötersen Z 1 in der Samtgemeinde Sottrum sowie auf Rotenburger Stadtgebiet beim Dea-Platz Hemsbünde Z 4 wurden auffällige Konzentrationen von Quecksilber oder Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden.

Für Rotenburgs Bürgermeister Weber ist insbesondere der PAK-Fund im Entwässerungsgraben der im Wasserschutzgebiet liegenden Bohrung Hemsbünde Z 4 „besorgniserregend“. Maßnahmen wie eine Auskofferung reichten nicht aus, um sicher zu gehen. Weber: „Offensichtlich sind die Dinge, die von den Förderunternehmen bestritten werden, doch richtig.“ Fracking müsse insbesondere in Wasserschutzgebieten konsequent verboten werden. Wie seine Kollegen in Bothel und Sottrum war Weber nicht über die weitergehenden Analysen nach den ersten Befunden informiert worden. Sottrums Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag: „Ich kenne weder die Ergebnisse der Untersuchung noch das Ausmaß der Verunreinigungen an den Bohrstellen. Das Landesbergamt hat es für nicht so wichtig erachtet, den betroffenen Gemeinden das bisherige Untersuchungsergebnis direkt zukommen zu lassen.“ Deswegen könne er auch nichts zu einer möglichen Gefährdung für Mensch und Umwelt sagen.

Unternehmen bestreiten mögliche Gefährdung

Sein Botheler Kollege Dirk Eberle wird da konkreter. „Die Gefahr für Bürger ist vorhanden und bleibt“, sagt er, auch wenn viele der Verunreinigungen vermutlich schon vor langer Zeit entstanden seien. Ihn habe das Problem „nicht besonders überrascht“ – war die bundesweite Diskussion um einen Zusammenhang zwischen den erhöhten Krebszahlen und der Erdgasförderung doch in seiner Samtgemeinde vor zwei Jahren entbrannt.

Die für die Bodenverunreinigungen als Verursacher in der Haftung stehenden Unternehmen bestreiten eine mögliche Gefährdung der Menschen durch die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse. „Es besteht keine akute Gefährdung für Mensch und Umwelt bei diesen Plätzen“, so „ExxonMobil“-Sprecher Klaus Torp. Sein Pendant bei Dea, Derek Mösche: „Von den drei in der orientierenden Studie genannten Förderplätzen der Dea geht keine Gefährdung für die Bürger in der Region und für die Umwelt aus.“ Der Quecksilber-Wert am Erdgasförderplatz Hemsbünde Z1 entstamme zum Beispiel einer Probe aus dem Herbst 2015, eine anschließende Detailuntersuchung „hat den Verdacht einer Verunreinigung ausgeräumt“. Und die PAK-Konzentrationen hätten „sehr wahrscheinlich nichts mit der Gasförderung zu tun, da diese Stoffe weder bei der Erdgasförderung noch bei der Aufbereitung des Gases anfallen“. Die Fundorte dieser Stoffe deuten laut Dea auf eine Quelle hin, die mit dem Straßenverkehr oder dem Straßenmaterial in Verbindung steht. Sowohl Exxon als auch Dea sichern jedoch eine Zusammenarbeit mit den Behörden zu, bei Sanierungsbedarf werde man die Verunreinigungen beseitigen.

Bürgerinitiativen zweifeln Analyseverfahren an 

Die Bürgermeister fordern nun, sämtliche Erdgasförderplätze der Region untersuchen zu lassen. Ob das mit dem aktuellen Analyseverfahren aber aussagekräftig ist, zweifeln Bürgerinitiativen an. Schon zu Beginn der Kampagne im Juli 2015 hatten sie darauf hingewiesen, dass Bodenverunreinigungen nicht das größte Problem seien. Vielmehr müsste es Luftuntersuchungen geben, hieß es – die viel wahrscheinlichere Belastung durch Einatmung bleibe sonst weitgehend unberücksichtigt. Auch die Auswahl nicht einmal der Hälfte aller Bohrplätze für die Studie sei unverständlich. Und schließlich seien die Grenzwerte der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung viel zu gering.

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