Besondere Begabungen im Blick

Rotenburger Kooperationsverbund der Schulen hat seine Arbeit aufgenommen

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Susanne Enders (v.l.), Iris Rehder und Ronny Wieland freuen sich, im Kooperationsverbund zur Förderung besonderer Begabungen jetzt eine verbindliche und auch nachhaltige Zusammenarbeit der Schulen umsetzen zu können. 

Rotenburg - Von Guido Menker. Die drei Rotenburger Grundschulen, die Integrierte Gesamtschule (IGS) und das Ratsgymnasium machen gemeinsame Sache: Sie haben einen Kooperationsverbund zur Förderung besonderer Begabungen gebildet.

Das Niedersächsische Kultusministerium hat die Zusammenarbeit genehmigt und fördert sie. „Ab sofort können wir unsere gemeinsamen Pläne gezielt umsetzen“, heißt es in der Einladung für den 9. November. Dann soll in der Rotenburger Stadtschule die Kooperation bei einem ersten offiziellen Termin besiegelt werden. Es ist nach Sottrum / Scheeßel, Tarmstedt und Zeven der vierte Kooperationsverbund dieser Art im Landkreis Rotenburg.

„Es ist ja nicht so, dass wir bislang gar nicht miteinander gesprochen haben“, sagt Iris Rehder, die Leiterin des Ratsgymnasiums. Jährliche Treffen der Schulleiter habe es schon lange gegeben, und auch das Thema Begabtenförderung sei in Niedersachsen nicht neu, ergänzt Susanne Enders, die Leiterin der Stadtschule. Den Kollegen sei es wichtig, einen Kooperationsverbund räumlich möglichst klein zu halten, damit am Ende nicht die Wege zu lang werden. Susanne Enders: „Das Kooperieren muss auch möglich sein.“ Genau das sei mit der Zusammenarbeit der städtischen Grundschulen – Kantor-Helmke-Schule, Stadtschule und Schule am Grafel –, mit der IGS und dem Ratsgymnasium jetzt der Fall.

Gestaltung des Übergangs in den 5. Jahrgang ein Thema

Wenn sich die Schulleiter einmal im Jahr trafen, ging es in erster Linie um die Frage, wie sich der Übergang für die Schüler vom Jahrgang 4 in den Jahrgang 5 möglichst „soft“ gestalten lässt. Der Austausch wird nun intensiver, denn mit der Förderung besonderer Begabungen sind immer wieder Gespräche und Planungen erforderlich – auch zwischen den Fachlehrern.

Die Zahl der Schüler mit besonderen (Teil-)Begabungen lässt sich nicht so genau beziffern. Bei in etwa zehn Prozent der Mädchen und Jungen lasse sie sich erkennen, sagt Ronny Wieland von der IGS Rotenburg. Mal mehr, mal weniger. Viel wichtiger ist die Frage, wie die Lehrer in der Grundschule mit auffällig begabten Kindern umgehen. „Natürlich differenzieren wir, aber dabei stoßen wir auch an Grenzen“, schildert Susanne Enders das Problem. Die Lösung fasst ihre Kollegin Iris Rehder so zusammen: „Es geht um Erfahrungsangebote, um damit Begabungspotenzial zu fördern.“

Was sich etwas sperrig anhört, ist eigentlich ganz einfach. Beispiel: Ein Grundschüler der dritten Klasse ragt in Mathematik besonders heraus. Er ist seinen Altersgenossen voraus. Im Rahmen der Kooperation nimmt er einmal in der Woche an einer offenen Arbeitsgemeinschaft Mathematik am Ratsgymnasium teil. Es geht um mathematische Knobeleien, bei denen er mit Schülern von der dritten bis zur sechsten Klasse an einem Tisch sitzt. „Am nächsten Tag kommt er stolz in die Schule“, berichtet Susanne Enders. Das wiederum sorge für neue Lernanreize. Ähnliche, schulübergreifende Arbeitsgemeinschaften gibt es auch im Fach Deutsch mit dem Schwerpunkt „Kreatives Schreiben“ und der Produktion einer Schülerzeitung. Darüber hinaus fällt am 9. November – das ist der erste offizielle Termin im Rahmen der Kooperation – der Startschuss für die Mini-Phänomenta. Oberstufenschüler des Ratsgymnasiums haben im Seminarfach zehn Stationen gebaut, die für zwei Wochen in der Stadtschule nicht nur zum Staunen, sondern auch zur Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen einladen. 

Bestimmt Begabungen sichtbar machen  

Diesen Einstieg in die Naturwissenschaften können im Anschluss auch die Kinder in den anderen beiden Grundschulen wagen. Auf die Lösungen der jeweiligen Stationen müssen die Kinder selbst kommen. Die Oberstufenschüler des Seminarfachs werden bei diesem Startschuss mit von der Partie sein – sie sind zwar deutlich älter als ihre Zielgruppe, aber auch für sie sei es etwas ganz Besonderes, wenn ihre Arbeit in dieser Form eine Anwendung findet, betont Iris Rehder. Die Idee der Mini-Phänomenta stammt übrigens aus der Uni Flensburg. Staunen, forschen und bauen – dieses Angebot richtet sich nicht speziell an als begabt eingestufte Kinder, sondern an alle in der Schule. Denn damit lassen sich an bestimmte Interessen gekoppelte Begabungen durchaus auch sichtbar machen. „Das findet so im Sachunterricht nicht statt“, schildert Susanne Enders. Auch musikalische Angebote und eine Schach-AG zählen zum Programm der Kooperation. Ein weiteres sportliches Model lässt sich zurzeit noch nicht umsetzen – wird aber folgen, heißt es.

Im August war die Genehmigung für den Verbund aus Hannover an der Wümme eingetroffen. Bereits im Vorfeld hatten die Schulen viel mit den Vorbereitungen zu tun, jetzt geht es um die Umsetzung. Nach dem ersten Jahr soll es dafür eine Unterstützung in Form von Lehrerstunden geben. Die Rotenburger hoffen, dass es 20 Stunden werden, mit denen sie die Zusammenarbeit bestücken können. Zurzeit packen sie die Zeit zusätzlich oben drauf. Aber sie machen es gerne, denn es sei ihnen wichtig, die Zahl der Brüche innerhalb einer Lernbiografie so gering wie möglich zu halten.

Eltern bringen sich ein 

Die Eltern sind nicht nur über die gemeinsamen Vorhaben informiert, sondern sie bringen sich selbst mit ein. Eine Mutter zum Beispiel fährt die Schüler mit dem Auto zu den AG-Stunden im Ratsgymnasium, ein Vater bastelt zurzeit an dem Unterbau für die naturwissenschaftlichen Stationen der Mini-Phänomenta. Und auch bei den Schülern, die sich in der Begabtenförderung befinden, zeige sich eine große Zufriedenheit, sagen Rehder, Enders und Wieland. Durch die gemeinsamen AG-Gruppen stellten sie fest: „Ich bin gar nicht anders als die anderen.“ Die Zufriedenheit speise sich darüber hinaus aus der Erfahrung, unter Gleichgesinnten zu sein, mit ihnen zusammen zu tüfteln und zu entdecken. Und damit landeten die Kinder am Ende eben auch nicht in der Langeweile.

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