Berufungsprozess: 29-Jähriger im Juni wegen Widerstand mit Körperverletzung verurteilt

Gericht setzt Haft zur Bewährung aus

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Rotenburg/Verden - Rund drei Wochen nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, musste sich am Donnerstag ein 29 Jahre alter Angeklagter aus Stuckenborstel vor dem Landgericht Verden verantworten. Der zahlreich vorbestrafte Mann hatte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Rotenburg eingelegt. Dort war er im Juni zu sechs Monaten Haft wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit zweifacher Körperverletzung verurteilt worden.

Der Angeklagte hatte sich am 27. Januar in diesem Jahr der Festnahme widersetzt, als zwei Haftbefehle vollstreckt werden sollten. Trotz Ladung zum Haftantritt war der Angeklagte nicht in der Justizvollzugsanstalt erschienen. Als er auf das Klingeln der Beamten hin nicht öffnete, sollen diese sich mit einem Zweitschlüssel Zutritt zu der Wohnung verschafft haben. Der Angeklagte versteckte sich hinter der Tür.

Gegen die Festnahme wehrte er sich. Einem der Beamten brach er mit einem Tritt zwei Rippen. Trotzdem ließen die Polizisten den Angeklagten nach Anlegen der Handfesseln noch eine Zigarette rauchen. Dabei befreite er sich mit einer Hand und verpasste dem zweiten Polizisten einen Schlag gegen die Halswirbel. Dessen Verletzungen beschränkten sich auf Prellungen und Schürfwunden. „Jetzt hast du Angst. Ich mach dich platt“, habe der 29-Jährige den Schlag kommentiert. Die Beamten setzten schließlich Pfefferspray ein und dann ging es ab ins Gefängnis.

Als der Fall am Amtsgericht Rotenburg verhandelt wurde, saß der Angeklagte noch in Haft. Die in erster Instanz noch völlig fehlende Einsicht war am Donnerstag gegeben. Die Berufung wurde schon im Vorfeld auf den Rechtsfolgenausspruch, also das Strafmaß, beschränkt. Das Tatgeschehen wurde damit eingeräumt und Zeugen mussten nicht gehört werden.

Stattdessen ging es um die Vorstrafen des Angeklagten, seine Zeit in der Entziehungsanstalt und seine Bemühungen, endlich sein Leben in den Griff zu kommen. Alkoholkonsum war dabei offenbar sein größter Feind. Drei Jahre verbrachte er in freiheitsentziehenden Einrichtungen. „Ich dachte vor der Sitzung, was soll das überhaupt“, so Oberstaatsanwalt Lüder Müller-Wolfsen. Doch am Ende fand er, dass man es mit einer Aussetzung der sechs Monate zur Bewährung unter strengen Auflagen versuchen könnte. Eine Bewährungsstrafe fand auch Verteidiger Michael Helwig angemessen.

Dem folgte die 12. Kleine Strafkammer. „Wir haben den Eindruck, dass bei Ihnen eine Nachreifung eingesetzt hat“, so der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert. Der Angeklagte muss an Therapie- oder einer Selbsthilfegruppe teilnehmen, sonst droht ein Bewährungswiderruf.

wb

Mehr zum Thema:

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Meistgelesene Artikel

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

„Nicht akzeptabel“

„Nicht akzeptabel“

Babyboom: Stadt braucht mehr Betreuungsplätze

Babyboom: Stadt braucht mehr Betreuungsplätze

Kommentare