Berufsbildende Schulen in Rotenburg bieten jungen Flüchtlingen Basis für die berufliche Zukunft

„Ich möchte später Häuser bauen“

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Tirhas Afewerki (l.) aus Eritrea baut sich in den BBS eine Zukunft auf. Auch Lehrer Hüseyin Sarigül bildet aus.

Rotenburg - Tirhas Afewerki aus Eritrea und Abdifitah Mahmud aus Somalia sind zwei von 21 Schülern, die an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg die speziell für Flüchtlinge konzipierte Fachschule besuchen. „Hier lernen die jungen Menschen nicht nur die deutsche Sprache, sondern erhalten auch Mathematikunterricht und werden in der Praxis auf hauswirtschaftliche und handwerkliche Berufe vorbereitet“, erklärt der Schulleiter Wolf Hertz-Kleptow. „Wir wollen so schnell wie möglich durch den Schulbesuch auf dem deutschen Arbeitsmarkt integriert werden“, sagt Mahmud.

„Aufgrund der aktuellen Situation haben wir uns entschlossen, eine alte Schulform wieder aufleben zu lassen, die vorrangig Sprache vermittelt, aber auf der anderen Seite auch durch Module Einblicke in unterschiedliche Berufe gibt“, so Hertz-Kleptow. Er sieht darin eine Möglichkeit der sinnvollen Integration, bei der auch die Intentionen der Flüchtlinge berücksichtigt werden. Die Schüler in den Klassen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt, und alle seien voller Begeisterung im Unterricht dabei, erklären die Pädagogen Hermann Miesner und Hüseyin Sarigül. Der für die Fachschule für Flüchtlinge reaktivierte Studienrat Miesner hat festgestellt, dass einige Analphabeten durch Alphabetisierung an die Sprache herangeführt werden müssen. Anhand eines für diesen Zweck konzipierten Lehrbuches werden die Schüler mit dem ABC vertraut gemacht, so Miesner.

Um die Berufspraxis kümmert sich Hüseyin Sarigül, der selbst einmal vor dem Problem stand, ohne Vorkenntnisse die deutsche Sprache lernen zu müssen. Seine Karriere ermutige die jungen Menschen, ihm nachzueifern. „Die Schüler begreifen schnell und sind durch die Bank handwerklich sehr begabt“, freut sich der Berufschullehrer über die Erfolge im Unterricht.

Tirhas Afewerki hat bereits ein festes Ziel vor Augen: „Ich will in Deutschland erst einmal die Sprache lernen.“ Aber sie habe auch in den Bereichen Mathematik und Politik bereits einiges vermittelt bekommen. Ihr größter Wunsch sei es, eines Tages im Kindergarten als Erzieherin arbeiten zu können.

Der Somalier Mahmud möchte, wenn er die deutsche Sprache besser beherrscht, gerne das Maurerhandwerk erlernen und später einmal Häuser bauen. Dafür sei ihm keine Anstrengung zu groß. Nun büffeln die Schüler aus Rotenburg, Scheeßel, Lauenbrück, Sottrum, Söhlingen und Bothel in Theorie und Praxis (duales System) rund 22 Stunden in der Woche an den BBS in Rotenburg, um nach der Schulausbildung dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

Einige Flüchtlinge haben es ihnen bereits vorgemacht und eine Ausbildung bei hiesigen Betrieben gefunden, freut sich Hertz-Kleptow.

go

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