Mit der Entwicklung ist er zufrieden

Bernhard Franz gibt Vorsitz im Bürgerbus-Verein vorzeitig ab

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Bernhard Franz hat zwar nie am Steuer des Bürgerbusses gesessen, aber über viele Jahre lenkte er die Geschicke des Rotenburger Bürgerbus-Vereins. Jetzt zieht er sich zurück.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Bürgerbus rollt seit dem 10. Dezember 2011 durch Rotenburg. Bernhard Franz hat zwar nie am Steuer von „Robby“ Platz genommen, aber seit seiner Gründung ein Jahr zuvor lenkt der heute 66-jährige Unterstedter die Geschicke des Vereins, der dieses Angebot in der Kreisstadt überhaupt erst möglich gemacht hat. Sechs Jahre lang auf dem Chefsessel im Vorstand – eine Zeit, die sein Leben bereichert habe, sagt Franz. Dennoch zieht er sich Ende dieses Monats zurück – aus gesundheitlichen Gründen. Das erklärt er in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Am 26. September wählen die Mitglieder einen neuen Vorsitzenden.

Bernhard Franz sitzt am Schreibtisch im Büro des Bürgerbus-Vereins an der Wallbergstraße. Er freut sich, im Zuge der Rathaussanierung einige in der Verwaltung ausrangierte Möbel für den Verein ergattert zu haben. Zwei Schreibtische sind es, auf denen es nach viel Arbeit aussieht. „Das war ein Halbtagsjob“, erinnert sich Franz. Und wenn er erst einmal in Fahrt kommt, sprudelt es nur so aus ihm heraus. 

Franz ist stolz, einen gesunden Verein zu übergeben

Fakten und Daten auch aus der Zeit, als die ersten Überlegungen angestellt wurden, einen Bürgerbus auf Rotenburgs Straßen zu bringen, kommen wie aus der Pistole geschossen. Der Bürgerbus ist ihm ans Herz gewachsen, mit entsprechendem Elan, Einsatz und Zuverlässigkeit hat sich Franz der Aufgabe gewidmet und auch der Verantwortung gestellt. „Aber in dieser Form kann ich das nicht mehr“, sagt der Mann, der auch einmal für die CDU im Rat der Stadt Rotenburg einen Platz hatte, diesen schließlich aber wegen der vielen Arbeit im Bürgerbusverein abgegeben hat – „obwohl ich für meine Ratstätigkeit sogar noch eine Aufwandsentschädigung bekommen habe“, erklärt er schmunzelnd.

Bernhard Franz ist stolz auf das, was der Verein bislang erreicht hat. Ihn in diesem Zustand an seinen Nachfolger zu übergeben, freue ihn. „Und wenn es erforderlich ist, stehe ich ihm natürlich mit gutem Rat zur Seite“, fügt er hinzu.

Als einst die Idee aufkam, einen Bürgerbus über Rotenburgs Straßen rollen zu lassen, war Franz gleich Feuer und Flamme. Er gehörte zu einer neunköpfigen Gruppe, die von 2010 an an der Realisierung dieses Vorhabens beteiligt war. „Und irgendwann stand die Frage im Raum, wer den Vorsitz im Bürgerbusverein übernehmen könnte“, erinnert sich der 66-Jährige. Zwei Monate vor der Vereinsgründung hatte er sich entschieden, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Es fehlen immer noch mehrere Fahrer

Doch damit allein war es nicht getan, der Verein an sich bildete zunächst nur die Grundlage für alles Weitere, was noch folgen sollte, ehe der Bürgerbus schließlich angeschaffte werden und dann am 10. Dezember 2012 zum ersten Mal starten konnte. Bis Ende August dieses Jahres haben die ehrenamtlichen Fahrer inzwischen 73 455 Fahrgäste durch die Stadt und auch durch Unterstedt gefahren. Seit fast zwei Jahren bedient der Verein mit zwei Bussen die beiden Linien 802 und 803. Jeder Bus legt dabei am Tag rund 140 Kilometer zurück. Franz selbst weiß, was es bedeutet, lange hinter dem Steuer zu sitzen: In seiner beruflichen zeit beim Überlandwerk Nord Hannover (ÜNH) sowie später bei der EWE hatte er es mit seinem Skoda in den letzten acht Jahren vor seiner passiven Altersteilzeit auf mehr als 500 000 Kilometer gebracht. Dass er sich danach nicht auch im „Robby“ ans Steuer setzte, hatte gesundheitliche Gründe. „Außerdem hatte ich als Vorsitzender auch so schon sehr viel zu tun.“ Und so habe sich der Verein zu seiner Zufriedenheit entwickelt.

Zurzeit sind es 33 Fahrerinnen und Fahrer, die die beiden Linien bedienen. „Eigentlich brauchen wir 40 Fahrer, um auf der sicheren Seite zu sein“, wird Franz auch jetzt nicht müde, für diesen ehrenamtlichen Job die Werbetrommel zu rühren. Ja, er wirbt dafür, weil die Arbeit, dieses Sicheinsetzen für die Allgemeinheit, eben auch sein Leben bereichert habe. „Ich bereue dieses Zeit nicht – bis heute“, sagt er.

Allein 60 Prozent des Fahrgeldes werden für Sprit benötigt

Zahlen, Daten und Fakten: Bernhard Franz hat sie parat – ohne dafür auch nur ein einziges Mal in die Unterlagen des Vereins schauen zu müssen. 60 Prozent des Fahrgeldes reiche für den Sprit. Aber die Kosten insgesamt gingen deutlich darüber hinaus. Reparaturen und Reifen sind nur zwei Beispiele. Ohne Hilfe geht es nicht. Geld kommt von der Stadt, vom Landkreis und aus der Werbung, mit der die Busse durch die Stadt kurven. Großen Wert legt der Noch-Vorsitzende aber darauf, den Fahrern und den anderen aktiven Mitgliedern zumindest ein paar Mal im Jahr eine kleine „Entschädigung“ zu bieten. Eine Kohlfahrt, ein Grillfest und auch die Weihnachtsfeier müssen drin sein.

Und ganz sicher wird Bernhard Franz auch künftig dazu eingeladen, selbst wenn er sich jetzt zurückzieht und sich auf seine Familie konzentriert. „Wir leben mit unserer Tochter, ihrem Mann und den zwei Enkelkindern unter einem Dach“, berichtet Franz. Ein Mehrgenerationenhaus also, auf das er richtig stolz ist.

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