Jürgen Meyer aus Rotenburg bezwingt seit Jahren mehrere „Sechstausender“ in der ganzen Welt

Bergsteiger aus Leidenschaft

Jürgen Meyer genießt 1993 den Ausblick vom Gipfel des Aconcagua (6962 Meter) in Argentinien.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Jürgen Meyer wird in Rotenburg bei den Bürgern wegen seines großen Engagements für das stadtnahe Gewässer „Mister Bullensee“ genannt. Auch sein Engagement für die dortige Wachstation des Ortsvereins der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist bekannt. Aber dass noch viel mehr im schlanken, sehnigen Körper des Mannes aus dem flachen Rotenburger Land steckt, wissen nur wenige Eingeweihte: Meyer ist bis heute mit Leib und Seele Bergsteiger und hat im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten sogenannte sechstausender Berge in der ganzen Welt bestiegen.

„Eigentlich war ich in meiner Jugend eher ein unsportlicher Typ“, erzählt Meyer den Weg vom trägen Mann vom platten Land zum sportlichen Bergsteiger. Bei der Bundeswehr sei das Sportabzeichen eine Grundvoraussetzung gewesen, um Feldwebel zu werden. „Das Training war damals der Auslöser, dass ich als 25-Jähriger plötzlich Spaß an der sportlichen Betätigung, besonders dem Ausdauersport, bekommen habe.“

Während seiner soldatischen Ausbildung war der heute 67-Jährige in Feldafing in Bayern stationiert gewesen und hat zunächst das Bergwandern, auch wenn es zunächst sehr anstrengend gewesen sei, für sich entdeckt. „Es hat mich plötzlich gepackt. Ganz allein bin ich oft auf Bergtouren gewesen.“ 1983 bis 1985 sei er einmal pro Jahr über unterschiedliche Strecken von Deutschland nach Italien gewandert. Zudem hat er viele Bergtouren in Österreich, unter anderem auf dem Zentralalpenweg, unternommen. Aus dem Wandern ist 1987 das Faible für das Bersteigen entstanden. Er hat sich die nötige Kleidung und Ausrüstung für das neue Hobby angeschafft. „Ich bin dann 1987 nach Afrika geflogen und habe in Tansania den Kilimanjaro (5 895 Meter) bestiegen.“ 1989 und ein Jahr darauf folgten in Ecuador der vergletscherte Cotopaxi (5 897 Meter) sowie der Chimborazo (6 263 Meter). Dabei hat er bei den Teilstrecken noch in Hütten übernachtet. Erstmals – mit Übernachtungen im Zelt – habe er 1992 den Mount Everest in Nepal bis zur Basisstation (5 500 Meter) geschafft. „Danach ist der Aufstieg nur noch den Profis zumutbar“, so Meyer. Es folgte 1993 in Argentinien der Aconvagua (6 962 Meter) – der höchste Berg des amerikanischen Kontinents. Den Klotz schaffte er in mehreren Etappen bis zum Gipfel. „Bei der Besteigung war ein Freund dabei, der mich in zwei Tagen über das Basislager bis zum ersten Hochlager begleitete“, erinnert sich Meyer. Leider hatte sich der Freund beim zweitägigen Aufstieg eine Grippe eingefangen.

„Für mich gab es nur eine Möglichkeit, den Berg zu schaffen. Ich musste in einem Gang hochschalten und das zweite Zwischenlager auslassen.“ Es war gefährlich, und dennoch habe ihn die Herausforderung gereizt. „Ich startete um 8 Uhr und war um 21.30 Uhr erschöpft, aber glücklich zurück.“ Die Höhenanpassung mit der dünnen Luft musste zudem berücksichtigt werden, „sonst gibt es wahnsinnige Kopfschmerzen“. Der Blick von oben auf die Bergwelt ist beruhigend gewesen. „Ein unglaublich zufriedenes, erhabenes Gefühl hat sich in mir ausgebreitet“, beschreibt er den Moment, als er den Gipfel erreichte. Sein Gepäck habe er beim Abstieg auf der zweiten Station zurückgelassen, denn die Kraft ging ihm langsam aus. Am nächsten Tag musste er noch einmal hoch, um das Gepäck zu holen.

Es folgten weitere Besteigungen von Fünftausendern in Europa und dem Ausland. In den vergangenen acht Jahren beschränkte Meyer sich mehr auf Vulkan-, Berg- und Höhlenwanderungen in Mexiko, Vanuatu, Thailand, Indien, Kamerun, Jordanien, Südafrika, Island und Vietnam. „Damit ist noch lange nicht Schluss.“

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