Ponte, Mompou und Bach auf der Gitarre

Belgierin Raphaella Smits eröffnet die Rotenburger Gitarrenwoche

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Die Belgierin Raphaella Smits eröffnete mit ihrem Konzert in der Aula der Theodor-Heuss-Schule die Rotenburger Gitarrenwoche. 

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Es ist warm, sehr warm beim Auftakt der 36. Rotenburger Gitarrenwoche in der Aula der Theodor-Heuss-Schule in Rotenburg. Hans-Wilhelm Kaufmann, Mitbegründer dieser internationalen Konzert-Reihe, zeigt Nerven und legt bei dieser Hitze seinen Künstler-Schal um. 

In seiner Begrüßung dankt er wie immer Sponsoren und Unterstützern der langjährigen Veranstaltungsreihe. Diesmal lobt er besonders die Rotenburger Stadtverwaltung – dem anwesenden Bürgermeister wird es wie Öl herunter gegangen sein –, die am zurückliegenden Freitagnachmittag tatkräftig mit anpackte, weil doch tatsächlich die Beleuchtungsanlage noch nicht installiert war. Das gibt schon mal Applaus.

Dann betritt vor knapp 50 Zuhörern Raphaella Smits aus Belgien die Bühne. Und nun erlebt Rotenburgs Musikszene das wohl stillste Konzert weit und breit. Das interessierte Publikum – es setzt sich größtenteils aus Teilnehmern der diesjährigen Gitarren-Woche zusammen – lauscht den ganzen Abend andächtig und konzentriert. Es ist so still, dass man sich kaum zu bewegen traut.

Smits eröffnet ihr Programm mit Manuel Maria Pontes Hommage an Silvius Leopold Weiss, einem aus Schlesien stammende Komponisten der Lauten-Literatur. Weil Ponte bis 1948 gelebt hat, hätte man mit schrägeren Tönen rechnen können. Aber sehr sanglich und romantisch stellt sich diese viersätzige Suite dar. Besonders die Sarabande zieht alle Hörer in ihren Bann, man wagt kaum zu atmen. Danach verlässt die Gitarristin plötzlich die Bühne. Was ist los? In Anbetracht der Hitze im Saal geht sie sich tatsächlich die Hände waschen. So ein Konzert spielt sich eben nicht wie von Schweiß geschmiert. Man hat Verständnis.

Eine Chaconne von Bach ist dran. Mit tiefer Ernsthaftigkeit nimmt sie ihren Anfang und entfaltet dann eine unglaubliche Fülle an Variationen, die Bachs Begabung, Themen auszuschlachten, offenlegt. Dabei gerät er nie ins Belanglose, überrascht sogar mit dem Wechsel in die Dur-Tonart. Die Gitarristin legt phänomenale Freiheit in Rhythmus und Ausdruck in ihr Spiel und setzt dem Ganzen einen energischen Schlusspunkt des Anfang-Motivs.

Im Anschluss Georg Philipp Telemann, ein Vielschreiber, der einst Hamburgs Opern- und Kirchenmusik-Welt bereicherte. Seine Sonate sei, so Raphaella Smits, „a beautiful fantasy“ – eine schöne Fantasie. Mag sein, aber nach einem Johann Sebastian Bach erscheint diese Musik eher gefällig und oberflächlich. Fast hat man den Eindruck, Bach habe mit seinem Werk andere Sphären erreicht. In der Pause bestätigt ein Stammgast der Gitarrenwochen in gewisser Weise die Theorie: „Telemann ist aus meiner Sicht ein städtischer Komponist“, sagt er. Und warum besucht der Professor aus Berlin seit Jahrzehnten die Rotenburger Gitarren-Konzerte? „Ich mag das Konzentrierte“, sagt er. „Das Reduzieren der Klänge ist in Anbetracht des Lärms in unserem Alltag doch ratsam.“ Und was sagt der Bürgermeister? „Ich wollte früher selber Gitarre spielen, hat nicht geklappt. In meiner Zeit darf diese Konzertreihe nicht sterben.“ Das ist mal eine Zusage, denn Publikumsmassen zieht die Gitarre nun mal nicht. Eben klein, aber fein und vor allem international.

Die zweite Konzerthälfte: Federico Mompou hat 1962 die Suite Compostelan geschrieben, eine Musik, die den Bogen von sperrig-modern bis melodiös spannt. Danach heißt es für die Gitarristin wieder Hände waschen. Der Argentinier Ariel Ramirez schreibt volkstümlich und melancholisch, als komme seine Musik direkt von den Anden herunter spaziert. Ein Lied ohne Worte, das zart im Flageolett endet, dass man kaum klatschen mag. Das kommt im Publikum gut an und geht zu Herzen.

Nach Augustin Barrios Mangrove ist offiziell Schluss. Man gönnt sich noch eine verschwitzte und schmissige Zugabe. Das Publikum ist begeistert und freut sich auf die folgenden internationalen Sommerkonzerte, am 1., 3. und 4. August in Ahausen und Rotenburg.

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