Ein Beitrag für die Allgemeinheit 

Landkreis verleiht die Grüne Hausnummer an 35 Hausbesitzer

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35 Hausbesitzer haben eine Grüne Hausnummer bekommen, weil sie energieeffizient saniert oder gebaut haben.

Rotenburg - Von Farina Witte. Ein kräftiges hellgrün, darauf eine dunkelgrüne Zahl: 35 Hausbesitzer haben ihre Grüne Hausnummer im großen Sitzungssaal des Landkreises Rotenburg entgegen genommen. Sie werden dafür ausgezeichnet, dass sie ihre eigenen vier Wände besonders energieeffizient saniert oder gebaut haben.

„Sie haben damit nicht nur etwas Gutes für sich selbst, sondern auch für die Allgemeinheit getan“, meint der Erste Kreisrat Torsten Lühring während der Verleihung. Für den Landkreis ist diese Aktion auch ein Schritt hin zu der Erfüllung des eigenen Klimakonzepts, erklärt die Klimaschutzbeauftragte Meike Düspohl. Darin ist vorgesehen, bis 2030 zehn Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Kreis einzusparen. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll wiederum um 30 Prozent gesteigert, und der Anteil der Sanierungen des Gebäudebestands soll ein Prozent betragen.

Die Grüne Hausnummer würdigt all jene, die diesen Schritt schon getan haben, oder bei ihren Neubau klimafreundlich vorgegangenen sind. Bei einem Neubau ist die Mindestanforderung der Effizienzstandard 55 gemäß der KfW-Bank. Bestehende Bauten müssen zu einem KfW-Effizienzhaus saniert, oder es müssen mindestens drei Einzelmaßnahmen umgesetzt werden, damit die Auszeichnung an den Eigentümer vergeben werden kann.

„Ihre Immobilie ist dadurch nachhaltig“, richtet Gerhard Krenz das Wort an die Eigentümer. Krenz ist Architekt und arbeitet bei der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), die die Kampagne der „Grünen Hausnummer“ 2015 ins Leben gerufen hat. Bereits in vielen Landkreisen sei die Agentur Kampagne umgesetzt worden, sagt Krenz. Nun sei mit dem Landkreis Rotenburg ein weiterer weißer Fleck auf der Landkarte verschwunden. Er betont, dass dies ein wichtiges Zeichen für den Klimaschutz ist. Die anwesenden Bauherren und Bauherrinnen hätten mehr als das Minimum an ihren Häusern umgesetzt. Das sei auch richtig, denn „wenn nur das Mindestmaß gemacht wird, ist es nicht lange zeitgemäß.“ Eine Sanierungsrate von einem Prozent reicht seiner Ansicht nach nicht aus, um die Klimaziele, die die Bundesrepublik formuliert hat, zu erreichen, brauche es wenigstens zwei Prozent. Gleichwohl weiß er als Architekt, was für ein Aufwand hinter einem klimaeffizienten Bau oder einer Sanierung steckt. „Hier in Rotenburg waren sogar Fachwerkhäuser dabei und Neubauten, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen“, hebt Krenz hervor.

Armin Ortlam hat sein Haus mittlerweile so ausgestattet, dass er mehr Energie produziert als verbraucht.

Ein solches Haus hat Armin Ortlieb aus Rotenburg. Er sei durch Zufall auf die Grüne Hausnummer gestoßen. Mit klimafreundlichem Leben beschäftige er sich schon jahrelang. „Ich habe das Haus 2005 gebaut, damals gab es nur den 60er Standard“, berichtet Ortlam. Im Laufe der Zeit ist mehr Fotovoltaik dazu gekommen und in diesem Jahr hat er die Wärmepumpe erneuert. Auch mit einem Energiespeicher ist das Haus ausgestattet. Ausgezeichnet wird es nach all den Maßnahmen nun mit einer KfW-Effizienzklasse „60 spezial“. Das Besondere: das Gebäude erzeugt mehr Energie, als verbraucht wird. „Produziert werden 10 500 Kilowatt“, erklärt der Hausbesitzer. Dem gegenüber steht ein Verbrauch von 7 700 Kilowatt.

Architekt Enno Precht, Hausbesitzer Olaf Precht und Sohn Mikko mit ihrer Grünen Hausnummer.

Eine ähnlich gute Bilanz weist das Haus der Familie Precht vor. Olaf Precht hat das 1959 erbaute Haus mit seiner Lebensgefährtin Angela Seelig 2008 erworben. Gemeinsam mit seinem Bruder und Architekten Enno Precht hat Olaf Precht das Gebäude saniert und es zu einem Effizenzhaus 100 gemacht. Besonders die Dämmung habe zur Klimafreundlichkeit beigetragen. Neben Zellulose seien auch Holzfasern dafür verwendet worden. Natürliche Materialien verwenden sei ein wichtiger Bestandteil eines Bauvorhabens, sagte auch Kerstin Oesterling von der Architektenkammer Niedersachsen.

Das sanierte Haus der Familie Precht hat durch die Maßnahmen einen Energieverbrauch von 13.500 Kilowatt mit vier Personen. Vorher verbrauchte eine Person allein 35.000 Kilowatt.

Die Kampagne

Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) vergibt die Grüne Hausnummer seit 2015. In privaten Haushalten werden rund 85 Prozent des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser benötigt. Das Einsparpotenzial durch Sanierung der Gebäudehülle und -technik sei laut der KEAN groß. Die Agentur kooperiert dabei mit den Landkreisen. 2019 könnten die im Landkreis ausgezeichneten Häuser noch weiter prämiert werden, denn die Agentur wählt landesweit vier herausragende Neubau- und Sanierungsprojekte aus.

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