Ärzte diskutieren mit Ministerpräsident Stephan Weil über Krebszahlen in der Region

Beim Fracking-Verbot scheiden sich die Geister

+
An Ostern hatten Bürger in Rotenburg zuletzt ein Fracking-Verbot gefordert.

Rotenburg/Hannover - Von Inken Quebe. Es ist fast zwei Jahre her, dass eine Auswertung des Niedersächsischen Krebsregisters im Sommer 2014 ergab: Die Krebsneuerkrankungen bei Männern in der Samtgemeinde Bothel sowie in der Stadt Rotenburg sind erhöht.

Am Donnerstag hat eine Delegation der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW) der Forderung nach Aufklärung bei einem Treffen mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) in der Staatskanzlei in Hannover Nachdruck verliehen. Damit folgten sie einer Einladung des Ministerpräsidenten. Die „berechtigten Sorgen von Ärzten, Bürgerinnen und Bürgern“ aus dem Landkreis Rotenburg, hieß es von einem Sprecher der Niedersächsischen Landesregierung, habe Stephan Weil so kommentiert: „Wir wollen dazu beitragen, dass diese Besorgnis durch Klarheit abgelöst wird.“ Darauf hoffen auch mehr als 200 Ärzte, die einen vom Rotenburger IPPNW-Ableger initiierten offenen Brief an Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) im vergangenen Oktober unterzeichnet hatten. Darin hatten sie gefordert: „Handeln Sie jetzt, damit die Ursachen gefunden und behoben werden können!“ Anfang Februar war Rundt aus diesem Grund schon zu Gesprächen mit Ärzten, Politikern und Vertretern von Bürgerinitiativen nach Rotenburg gekommen.

Die Forderungen, die die Ärzte am Donnerstag an Weil gerichtet haben, gingen aber offenbar noch über den offenen Brief hinaus, wie Dr. Matthias Bantz, Facharzt für Innere Medizin und Umweltmedizin, mitteilte. Denn im Verdacht, der Auslöser der erhöhten Zahl der Leukämie- und Lymphomerkrankungen zu sein, steht noch immer die Erdgasförderung. Die Auswertung einer Befragung der Einwohner Bothels und Rotenburgs, die das Gesundheitsamt des Landkreises durchgeführt hat, steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Gegenüber dem Vorschlag einer intensiveren Kontrolle der Industrie, so Bantz, habe sich Weil aber aufgeschlossen gezeigt. Es habe zudem den Vorschlag gegeben, Behörden, Ärzte und den auch im Landkreis tätigen Erdgas- und Erdölproduzenten „ExxonMobil“ zu vernetzen.

Bantz zeigte sich mit dem gesamten Gesprächsverlauf „ganz zufrieden“. Als positives Fazit nehme man die Zusicherung von Weil mit, „dass die weiteren notwendigen Untersuchungsschritte nicht an Zuständigkeitsgerangel oder finanziellen Mitteln scheitern werden“. Und weiter: „Herr Ministerpräsident, wir nehmen Sie beim Wort!“

Doch es habe in der einstündigen Diskussion an einer Stelle keine Übereinstimmung gegeben. Die Ärzte hätten sich „unter den Gesichtspunkten des Vorsorgeprinzips“ für ein Fracking-Verbot ausgesprochen. „An dieser Stelle besteht kein Konsens mit Herrn Weil, der davon ausgeht, dass die geplante Frackinggesetzgebung für ausreichende Regulierung sorgen wird“, so Bantz.

Das Land will seine Aufgaben voll erfüllen

Von Seiten der Pressestelle der Landesregierung wird Weil so zitiert: „Das Land Niedersachsen wird sich so gut wie möglich einbringen. Was notwendig ist, müssen die Experten vor Ort entscheiden. Die Federführung hat der Landkreis Rotenburg, aber das Land wird seine Aufgaben voll erfüllen.“

Auch die Scheeßeler Landtagsabgeordnete Elke Twesten (Bündnis 90/Die Grünen) zeigte sich in einer Pressemitteilung erfreut: „Dieses endlich positive Signal ist vor dem Hintergrund der seit bereits eineinhalb Jahren bekannten Gefährdungslage ein deutliches Bekenntnis, dass die Landesreigerung jetzt aktiv werden will.“ Sie sprach sich außerdem erneut für ein Fracking-Verbot aus, weil „die Risiken schon jetzt zu groß sind“. Ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit dürfe nicht als Entschuldigung dafür herhalten, untätig zu bleiben. Der Bundesregierung warf Twesten vor, die Entscheidung über die Fracking-Gesetzgebung seit Monaten zu verschleppen.

Unklar bleibt weiterhin, welche 212 Ärzte das Schreiben unterzeichnet haben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, dem die Unterschriftenliste vorliegt, teilte mit, dass diese aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben werden dürfe. Es bleibt also offen, welche Ärzte sich der Forderung angeschlossen haben – und welche nicht. Den Initiatoren der Rotenburger IPPNW-Gruppe liege die Liste nicht mehr vor, so Bantz, der außerdem mitteilt: „Bisher haben wir keinen Anlass gesehen, die Liste zu veröffentlichen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Meistgelesene Artikel

22. Beeke-Festival begeistert Folklore-Fans in Scheeßel

22. Beeke-Festival begeistert Folklore-Fans in Scheeßel

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Die Post braucht noch einen Standort

Die Post braucht noch einen Standort

Kommentare