Beginn der Brunftzeit: Jägerschaft und Polizei mahnen Fahrer zur Vorsicht

Jeder dritte Unfall passiert aufgrund von Wildwechsel

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Die Brunftzeit des heimischen Damwildes hat begonnen. Sie dauert bis etwa Mitte November.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Wenn die warmen Sommertage kühlen, nasskalten und nebeligen Herbsttagen weichen, dann beginnt auch die Brunftzeit – die Paarungszeit des heimischen Damwildes. Paarungswillige Hirsche kreuzen die Straßen auf ihrer Suche nach dem passenden Brunftplatz, und stellen damit oftmals eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar.

„Wir registrieren jedes Jahr wieder eine deutliche Zunahme an Unfällen, die mit Wildwechsel zu tun haben“, bestätigt Rüdiger Radtke, stellvertretender Pressesprecher der Polizeiinspektion Rotenburg, mit Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres. So sei in etwa 30 Prozent der 1588 gemeldeten Verkehrsunfälle im Jahr 2014 Damwild involviert gewesen. „Das ist im Prinzip jeder dritte Unfall.“ In den meisten Fällen habe es sich lediglich um Sachschaden gehandelt, bei 17 Unfällen seien Menschen verletzt worden, drei davon schwer.

Radtke mahnt Verkehrsteilnehmer in diesen Wochen zur besonderen Vorsicht: „Fahrer sollten stets aufmerksam sein.“ Gerade in Waldgebieten müsse zu jeder Tageszeit damit gerechnet werden, dass Wild die Straßen kreuze. Zwar warnen Verkehrsschilder an vielen Stellen vor der Gefahr, doch letztlich helfe laut Radtke nur eins: „Geschwindigkeit drosseln.“ Und im Ernstfall: „Bremsen, nicht ausweichen.“ Denn wer den Lenker herumreiße und womögliche mit dem nächsten Baum kollidiere, könne bei seiner Versicherung keinen Unfall aufgrund von Wildwechsel geltend machen.

Der Landkreis Rotenburg gilt in Niedersachsen als Damwildhochburg, erklärt Kuno Kumpins, Schriftführer der Jägerschaft Rotenburg. „Das liegt an unseren parkähnlichen Landschaften mit ausgedehnten Wäldern und naturbelassenen Mooren.“ Kerngebiete, in denen sich das Wild besonders heimisch fühle, seien Riekenbostel, Kirchwalsede und der Bullensee. „Leider lässt sich der Bestand nicht zählen, denn das Wild zieht umher.“ Den Hirsch können aufmerksame Bürger in diesen Tagen hören, sagt Kumpins. Er stößt seine röhrenden Schreie aus, vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden, und er schlägt Kuhlen. Dort hinterlässt er seine Duftmarke und wartet auf brünftige weibliche Tiere (Kahlwild).

Die Jägerschaft setzt nicht nur auf erhöhte Wachsamkeit der Verkehrsteilnehmer, sondern auch auf gezielte Abschreckung des Wildes. Blaue Warnreflektoren zieren die Leitpfähle an besonders gefährlichen Stellen. Kumpins: „Blau kommt in der Natur nicht vor und ist somit eine Warnfarbe.“ Das Scheinwerferlicht der fahrenden Autos wird mittels der Reflektoren in den Wald hinein geworfen und schreckt somit die Tiere ab.

Wild, das dennoch die Straße überquert, ist in vielen Fällen nicht allein unterwegs, warnt Kumpins zu guter Letzt. Verkehrsteilnehmer sollten sich des Rudelverhaltens stets bewusst sein. Kreuzt ein Tier den Asphalt, kommt oftmals ein weiteres hinterher.

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