SPD nominiert Bundestagstagskandidaten

Lichthupen und 100 Prozent für Klingbeil

Lars Klingbeil im Autokino.
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So geht Wahlkampf in Coronazeiten: Lars Klingbeil im Autokino.

Wahlkampf in Coronazeiten ist anders. Keine vollen Hallen, keine Parteiveranstaltungen im Gasthof. Stattdessen: Autokino. Lars Klingbeil weiß sich aber auch hier zu inszenieren. Der SPD-Generalsekretär will das 2017 erstmals erworbene Direktmandat im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ im September verteidigen. Die Genossen haben da keine Einwände: Sie machen ihn mit voller Zustimmung zu ihrem Kandidaten.

  • SPD-General will Direktmandat im Herbst verteidigen.
  • Volle Zustimmung bei Nominierungstreffen.
  • Klingbeil hofft auf neue Regierungsmehrheit in Berlin.

Rotenburg/Walsrode – Ein coronabedingt mehr oder minder geschlossenes Hotel Forellenhof, ein großer Parkplatz und direkt nebenan eine Wiese mit Kühen – das ist der Ort, an dem SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (43) mit exakt 100 Prozent der Stimmen zum SPD-Bundestagsdirektkandidaten im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ gewählt wird.

„Wie heißt denn der Film, den wir uns heute ansehen?“, fragt Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke (39) von der Bühne aus. Er strahlt, und es bleibt nicht bei diesem einen Strahlen. Keine Frage, die Stimmung ist gut und die Idee, die Wahlkreiskonferenz als Autokinoveranstaltung durchzuführen, kommt sichtbar gut an. 83 wahlberechtigte Mitglieder sind gekommen, und 83 wahlberechtigte Mitglieder sagen Ja. Ja zu Lars, Ja zur SPD, Ja zu einem möglichen Wechsel im kommenden Wahl-Herbst.

„Ich bin überglücklich“, wieder ein großes Strahlen, Klingbeil ist nach der Wahl, die von einem Hupkonzert und einer kleinen Lichthupen-Orgie begleitet wird, sichtbar zufrieden. „Wir konnten seit einem Jahr kaum Veranstaltungen machen, zudem bin ich viel in Berlin. Diesen Rückenwind heute und hier zu bekommen, das geht mir richtig ans Herz“, gibt er zu. Seit zwölf Jahren und einem kurzen Gastspiel 2005 sei er Abgeordneter, und nun habe er zum ersten Mal bei einer Wahl 100 Prozent Zustimmung erlebt, fügt er an. Schon vor der Wahl hatte er berichtet, dass er am liebsten alle persönlich begrüßen würde – doch genau dies wird bewusst vermieden. Schließlich gilt es nach wie vor, Abstand zu wahren und eine mögliche Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Eines jedoch gelingt: eine ansteckend gute Laune zu verbreiten.

Ein Selfie fürs soziale Netzwerk nach dem Auszählen der Stimmen: Lars Klingbeil (v.l.) mit den Kreisvorständen Sebastian Zinke, Aynur Colpan, Ina Helwig und Nils Bassen.

„Das war doch mal eine interessante und gelungene Veranstaltung“, freut sich im Nachhinein beispielsweise Rolf Klammer, Rotenburger Ratsmitglied. „Wir sind sehr zufrieden, mit einem solchen Kandidaten kann man auch nur zufrieden sein“, fügt er an. Lothar Cordts, Vorsitzender des Visselhöveder Ortsverein, war vor Ort im Zählteam aktiv: „Ich habe durch die Bank nur positive Stimmung verspürt“, beschreibt er sein Empfinden. Die Grußworte, die unter anderem von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Altkanzler Gerhard Schröder übermittelt werden, hätten zur guten Stimmung beigetragen. Die Idee mit dem Autokino sei gut, die Organisation habe toll geklappt, „das junge Team hat das hervorragend über die Bühne gebracht“, so Cordts. Da könne man absehbar und mit einem guten Gefühl Verantwortung übergeben. Auch andere äußern sich zufrieden, der Tag verläuft reibungslos und entspannt. Das benannte junge Team auf der Bühne besteht neben Zinke aus Aynur Colpan (30), die sich mit ihm den Kreisvorsitz teilt, sowie Ina Helwig (38) und Nils Bassen (28), der frisch gewählten Rotenburger Doppelspitze. Sie begrüßen die wahlberechtigten Mitglieder, anschließend folgen Grußworte. Damit alle Teilnehmer in ihren Autos sitzend alles gut hören können, wird die ganze Veranstaltung über eine Radiofrequenz übertragen. Abgestimmt, etwa über die Tagesordnung, wird per Stimmkarte, die dann aus dem Fenster heraus hochgehalten wird. Das Prozedere ist einfach und praktisch, die Umsetzung der Konferenz zumindest nach außen hin ein Kinderspiel.

Diesen Rückenwind heute und hier zu bekommen, das geht mir richtig ans Herz.

Lars Klingbeil

Nachdem die Formalien abgearbeitet sind, redet Lars Klingbeil. Er hat einiges zu sagen. Er betont, dass er weiter seine Heimat stark machen will und was in den letzten Jahren schon alles funktioniert hat. Etwa die Fördergelder für die Krankenhäuser und der Breitbandausbau. „All das habe ich nicht alleine gemacht, das haben wir als Region erreicht“, so der Politiker. Er verstehe sich als Abgeordneter der Region, unabhängig von der Parteizugehörigkeit. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit haben sich ganz viele Leute an mich gewandt, da höre ich zu, das ist meine Aufgabe“, so Klingbeil.

Dann kommt er auf den CDU-Maskenskandal zu sprechen, „das ist ein ganz schäbiges Verhalten, das schockiert mich“. Weiter geht es mit dem immer noch nicht ausreichend vorliegenden Impfstoffen. „99 Prozent der Menschen halten sich an die Maßnahmen, aber Jens Spahn kann nicht genug Impfstoff organisieren“, kritisiert er. Klingbeil berichtet von der Visselhöveder Initiative, die das dezentrale Impfen im Wittorfer Dorfgemeinschaftshaus ermöglicht hat. „Alle wollen helfen, alle wollen anpacken“, betont er und auch, dass Spahn nun endlich einmal alle an einen Tisch holen müsse. „Das muss absolute Priorität haben“, so der Generalsekretär, der im Herbst bislang zwei offizielle Gegenkandidaten um das Mandat hat: Carsten Büttinghaus (CDU) und Michael Kopatz (Grüne). 2009 und 2013 war Klingbeil über die Landesliste der SPD in den Bundestag eingerückt, er hatte da jeweils gegen Reinhard Grindel (CDU) im direkten Duell den Kürzeren gezogen. 2005 war er als Nachrücker rund zehn Monate Mitglied des Deutschen Bundestags. Klingbeil stammt aus Soltau und startete 2001 als Wahlkreismitarbeiter von Gerhard Schröder. Seit 2017 ist er Generalsekretär der Partei.

So wird abgestimmt: 100 Prozent für Klingbeil.

Corona werde die Gesellschaft verändern – aber es gebe noch weitere Herausforderungen. Klingbeil nennt an erster Stelle nach Corona den Klimawandel. „Digitalisierung, Transformation, wir müssen da viel aktiver werden“, führt er aus. Nicht Rotenburg, nicht Bad Fallingbostel, nicht Walsrode, nein, die Region müsse gemeinsam vorankommen, fügt er an und auch, dass er alles dafür tun werde, die Region in der Champions League spielen zu lassen.

Gegen Ende der Rede wirft Klingbeil einen Blick zurück auf die Wahl vor vier Jahren: Er selber habe damals den Wahlkreis gewonnen, die SPD sei aber mit 20,5 Prozent am Boden gewesen. Er habe damals gesagt, er wolle mehr Verantwortung und die Partei voranbringen. Nun sei er überzeugt, mit Blick auf die Bundestagswahl sei eine Riesenchance da: „Olaf Scholz weiß, wie man Politik macht und er hat eine klare Idee für die nächsten zehn Jahre“.

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