Befürworter schöpfen neue Hoffnung / Gegner wollen beharrlich bleiben

Kontroverse um Küstenautobahn

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Bringt sie vor allem Belastungen oder wirtschaftlichen Aufschwung? Die Weiterführung der A20 über Elbe und Weser bis zum Autobahnnetz bei Oldenburg ist umstritten.

Bremervörde - Von Stephan Oertel. Unterschiedlicher könnten die Erwartungen kaum sein: Während die Befürworter der Küstenautobahn A20 zuversichtlich sind, dass der Baubeginn näher rückt, hoffen die Gegner nicht weniger optimistisch, dass es genau dazu nicht kommen wird. Von einer für Wirtschaft und Menschen dringend notwendigen Maßnahme sprechen die einen, von Träumereien und Fehlplanungen die anderen.

Schon als die geplante Küstenautobahn noch unter der Bezeichnung A22 lief, gab es auch im Landkreis Rotenburg neben Zustimmung Proteste gegen das Projekt. Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Widerstandsgruppen vernetzt und den „Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A20“ ins Leben gerufen haben. Der kündigt in einem Presseschreiben an, mit Elan in ein neues Jahrzehnt gehen und weiter mit Sachverstand und nicht nachlassender Beharrlichkeit für eine zukunftsfähige und umweltfreundliche Verkehrspolitik in Nord-Niedersachsen streiten zu wollen.

Der Koordinationskreis unterstützt Bürger bei Einwendungen in den Genehmigungsverfahren und finanziert nach eigenen Angaben über den 2008 gegründeten Schutz- und Klagefonds rechtsanwaltliche Beratung und die Erstellung von Gutachten. Auch hat er bereits mehrere Studien über die A20 in Auftrag gegeben. Das bisherige Fazit: „Die Argumente der Autobahngegner haben sich vielfach bestätigt. Die Kosten haben sich schon fast verdoppelt, die Betroffenheit von Natur und Landwirtschaft ist weitaus größer als angenommen und inzwischen hat sich gezeigt, dass die A20 für die Hinterlandanbindung der Seehäfen nahezu nutzlos ist.“

Die Anbindung der Häfen wird in der Tat seit einiger Zeit nur noch selten bemüht, um den Bau der Küstenautobahn zu begründen, die nach Querung der Elbe bei Drochtersen an Bremervörde und Bremerhaven vorbei durch den Wesertunnel bis Westerstede führen soll. Stattdessen argumentieren die Befürworter mit der Erschließung einer derzeit kaum an das überregionale Verkehrsnetz angebundenen Region. Die Wege zur Autobahn sind weit.

Um nicht weiter abgehängt zu sein, ist die Küstenautobahn dringend notwendig, findet etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann. Erreichbarkeit sei ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor sowohl mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben als auch hinsichtlich der Gewinnung von Fachkräften.

„Die Unternehmen drängen nicht ohne Grund seit Jahrzehnten auf eine Einbindung in das internationale Autobahnnetz“, pflichtet der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Heinrich Ehlen bei. Entsprechend fordert zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Küstenautobahn, politisch ist unter anderem auch die SPD dafür. Und nachdem kürzlich die rot-grüne Landesregierung in Schleswig-Holstein mit ihrem Planfeststellungsbeschluss den Weg für die Elbquerung frei gemacht hat, schöpfen die Autobahnbefürworter neue Hoffnung.

Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, rechnet damit, dass der Tunnel etwa 2025 unter der Elbe verläuft, Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hält einen Termin 2028 für realistischer. So soll noch ein privater Investor für den Tunnel gefunden werden, müssen die Aufträge europaweit ausgeschrieben werden, sind detaillierte Planungen erforderlich. Gerade letzteres dürfte allerlei Klagen nach sich ziehen, was das Projekt verzögern könnte. Und noch eine Hürde gilt es zu nehmen, denn im Bundesverkehrswegeplan ist die Küstenautobahn nach wie vor nicht als vordringlicher Bedarf eingestuft.

Aus Sicht der Gegner soll das auch so bleiben. Sie glauben nicht den Verheißungen, wonach die A20 ähnlich wie an der A1 bei Sittensen und Gyhum viele Betriebe anzieht. Sie setzen auf Alternativen auch im Bereich der Schiene und haben diesbezüglich nach eigenen Angaben auch schon einiges erreicht. Die Ertüchtigung der EVB-Bahnstrecke zwischen Bremerhaven und Rotenburg für mehr Güterverkehr etwa.

zz

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