Agaplesion Diakonieklinikum zahlt Mitarbeitern bis zu 2000 Euro für die Vermittlung von Fachpersonal

„Der Bedarf wird weiter wachsen“

Der Bedarf an gutem Fachpersonal wird auch im Agaplesion Diakonieklinikum weiter steigen. - Foto: imago

Rotenburg - Von Guido Menker. Nicht schlecht: Man hat in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis jemanden, der eine neue Arbeitsstelle sucht, empfiehlt diesen seinem Chef – und kassiert dafür eine Prämie. So läuft das im Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg. Wir haben dazu Pflegedirektor Olaf Abraham sowie Antje Cohrs, Personalleiterin im Diako, ein paar Fragen gestellt.

Seit wann erhalten Mitarbeiter des Diako eine Prämie für die Vermittlung einer neuen Fachkraft?

Antje Cohrs: Seit 2015 zahlen wir die Prämie. Wir haben seitdem rund 25 Sondervergütungen an Mitarbeiter überwiesen.

Wie hoch ist die Prämie?

Cohrs: 1000 Euro werden bei Vertragsunterschrift gezahlt und weitere 1000 Euro nach der Probezeit.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, eine solche Prämie ins Leben zu rufen?

Olaf Abraham

Olaf Abraham: Der Bedarf an Pflegepersonal wird grundsätzlich in den kommenden Jahren in unserem Klinikum wachsen. Das liegt einerseits an der demografischen Entwicklung: Unsere Patienten werden immer älter und leiden oft an mehreren Erkrankungen. Das fordert mehr Einsatz seitens der Pflegfachkräfte. Gleichzeitig wächst andererseits auch unser Klinikum in vielen Bereichen. Durch den Ausbau zum Beispiel unserer Intensivmedizin, Geriatrie, Epileptologie und Psychosomatik haben wir allein schon in den letzten zwei Jahren den Stellenplan erheblich aufstocken müssen.

Alle sprechen seit Jahren vom Fachkräftemangel. Wie ernst ist die Lage wirklich?

Antje Cohrs

Cohrs: Die Lage ist in einigen Regionen von Deutschland schon sehr ernst. Es gibt Kliniken, die aus Pflegepersonalmangel nicht die volle Kapazität erreichen. Bei uns ist diese Situation so extrem noch nicht eingetreten. Dies liegt an der günstigen Situation, dass eine eigene Schule für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger mit 180 Ausbildungsplätzen an unser Klinikum angeschlossen ist. Durch die Übernahme unserer Auszubildenden in ein festes unbefristetes Arbeitsverhältnis konnten wir die Aufstockungen des Personals bisher kompensieren. Im Oktober haben wir 23 Auszubildende mit Festverträgen übernommen, und die Vorstellungsgespräche für eine geplante Übernahme im April sind terminiert.

Das Diako nimmt für sich in Anspruch, ein guter Arbeitgeber zu sein. Warum gelingt es trotzdem nicht, ausreichend Fachpersonal für das Krankenhaus zu gewinnen?

Abraham: Die Attraktivität des Pflegeberufes ist bedingt durch die veränderten Rahmenbedingungen in der Gesundheitswirtschaft und der damit verbundenen Arbeitsverdichtung in den letzten Jahren deutschlandweit in die Diskussion geraten. Diese Entwicklung geht auch an Rotenburg nicht vorbei. Dazu kommt, dass es viele Bewerber zunächst in eine Großstadt zieht. Dabei beschäftigen wir viele sehr zufriedene Mitarbeiter, die nicht aus Rotenburg sind und hier gerade das Ländliche und das Gemeinschaftsgefühl schätzen. Nicht wenige Auszubildende, die sich für eine Arbeitsstelle in einer Metropole entscheiden, kommen gern wieder nach Rotenburg zurück.

Am besten ist der Weg über die Ausbildung. Aber will denn niemand mehr Krankenschwester werden?

Abraham: Wir bekommen unsere Kurse zurzeit noch mit Bewerbern gefüllt, aber wir merken einen klaren Rückgang der Bewerberzahlen. Dabei ist dieser Beruf so abwechslungsreich wie sinnstiftend und verhilft zu einer Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten, die wir am Diakonieklinikum Rotenburg auch entsprechend fördern.

Wie ist die Ausbildungssituation – auch mit Blick auf die Entwicklung?

Abraham: Wir haben insgesamt weniger Interessenten, aber die Kurse an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege wie auch für die Kinderkrankenpflege sind noch voll besetzt.

Geht es bei der Prämie denn eigentlich nur um den Pflegebereich?

Cohrs: Nein, die Regelung gilt auch für die Anwerbung von Ärzten. Einerseits ist es nicht ganz einfach, die Ärzte für einen Standort abseits der Großstadt zu begeistern, andererseits gilt auch hier, dass aus der positiven Entwicklung und aus dem Wachstum der Klinik ein Mehrbedarf an Ärzten besteht.

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