BBS-Schüler überraschen Flüchtlinge in Rotenburger Notunterkunft

Für jeden ein Geschenk

+
Die Freude über die Geschenke ist in der Jugendherberge groß – übrigens nicht nur bei den Kindern. Auch jeder Erwachsene erhielt ein Präsent.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Weihnachten ist noch ein paar Wochen hin, und Geburtstag hatte auch nur ein Bewohner der Notunterkunft des Landkreises in der Rotenburger Jugendherberge – trotzdem gab es für alle 124 Menschen dort am Montag Geschenke. Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) wollten die Menschen aus Syrien, die der Landkreis dort seit einer Woche untergebracht hat, willkommen heißen. Eine Aktion, die allen Beteiligten Freude machte – und für einige Tränen den Glücks sorgte.

Zunächst herrscht etwas Skepsis, aber dann überwiegt die Neugierde. Erwartungsvoll drängen sich die Kleinsten an die Glastür, sie schauen und staunen – so viele bunte Präsente! Es ist eine kleine Freude für Klein und Groß nach Wochen und Monaten der Ungewissheit, und es ist ein Zeichen: Die BBS begrüßt die neuen Nachbarn. „Die Idee kam von den Schülern selbst“, erzählen Sylvia Schröder und Jennifer Hillmann, Lehrerinnen der Fachschule Sozialpädagogik und des Beruflichen Gymnasiums. In ihren Klassen sei die Idee entstanden, „Weihnachten im Schuhkarton“ etwas umzuwandeln und so die Flüchtlinge in Rotenburg zu beschenken. Und zwar nicht nur die Kinder, sondern alle Menschen in der Notunterkunft. Sofort seien viele Schüler bereit gewesen, sich zu engagieren. Kosmetik, Spielsachen, Kleidung, Süßigkeiten oder Selbstgemachtes und Gebasteltes – einen ungefähren Gegenwert von zehn Euro sollten die Pakete haben, so die Vorgabe. Die Hilfsbereitschaft und der Wille, damit ein kleines Zeichen für ein Miteinander zu setzen, seien groß gewesen. Am Ende musste sogar gelost werden, wer ein Paket packen darf.

Der Landkreis hat in der Jugendherberge ausschließlich syrische Familien und Paare mit schwangeren Frauen untergebracht. Fast die Hälfte der Bewohner sind Kinder. Und es werden mehr – am Mittwoch ist ein kleiner Junge geboren worden, auf dem Weg ins Diako im Krankenwagen.

Für Herbergsleiterin Rita Toll sind die neuen Gäste in der Jugendherberge keine allzu große Besonderheit. „Wir hatten auch vorher schon muslimische Gruppen hier“, sagt Toll – entsprechend wüsste man, was zum Beispiel in der Küche berücksichtigt werden müsste. „Es hat sich schnell eine Struktur gefunden“, sagt sie. Tatsächlich ist es für die Organisatoren von Landkreis, Herbergsleitung und dem Roten Kreuz in Rotenburg einfacher als in der großen Notunterkunft in der Kaserne Visselhövede. Was dort ein großes Problem ist, finde hier kaum statt – es gibt keine große Fluktuation bei den Flüchtlingen. Diejenigen, die der Landkreis in der Jugendherberge im Rahmen der drei laufenden Amtshilfeersuchen einquartiert hat, bleiben auch. Für Silke Hinze ein Vorteil: „Wir sind sehr zufrieden. Die Leute haben sich gut eingefunden“, sagt die Landkreis-Koordinatorin der Notunterkunft. Sie kann auch aus ihren Erfahrungen aus Visselhövede zehren, wo sie vorher stellvertretende Stabsleiterin war.

Bis Ende Februar wird der Landkreis die Jugendherberge nutzen können. Der Gebäudetrakt, in dem die Flüchtlinge nun wohnen, sollte eigentlich renoviert werden. Doch das ist nun auf den nächsten Winter verschoben. Verschieben ließen sich allerdings nicht die weiteren Verpflichtungen des Hauses, sagt Toll – die Räume werden ab März wieder für den regulären Betrieb benötigt. Toll: „Schon im Oktober hatten Stadt und Landkreis angefragt, ob wir Flüchtlinge aufnehmen können. Das kam alles nicht überraschend. Natürlich haben wir zugesagt – wir wollten schließlich Zeltstädte im Winter verhindern.“

Egal, welche Schicksale die Menschen zur Flucht getrieben haben – am Montag fanden viele nach langer Zeit mal wieder ein unbeschwertes Lächeln. Und in einem Fall gab es noch ein zweites Geschenk dazu – den „Happy-Birthday-Chor“ der BBS-Schülerinnen.

Mehr zum Thema:

Onigiri: die japanische Pausenstulle für unterwegs

Onigiri: die japanische Pausenstulle für unterwegs

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Meistgelesene Artikel

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Dachbrand in Waffensen schnell gelöscht

Dachbrand in Waffensen schnell gelöscht

Kommentare