BBS-Schüler bauen Satelliten / Bundesweiter Wettbewerb in Bremen und Rotenburg

1000 Meter im Fall

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Das „Sky Project“-Team mit seinen Leitern Leonard Elsbroek (r.) und Simon Schneider (2.v.r.).

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Auf den Spuren der Raumfahrer sind derzeit 15 Schüler des 13. Jahrgangs der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg. Für den bundesweiten „CanSat“-Wettbewerb des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben sie einen kleinen Satelliten gebaut, der im Fall Wetterdaten aber auch gefährliche Gase misst.

Der Satellit muss ganz schön was aushalten, wenn am kommenden Mittwoch die Messungen durchgeführt werden. In 1000 Metern Höhe wird ihn eine Rakete fallen lassen. Ein Heimspiel für das „Sky Project“, wie die Schüler ihr Unternehmen genannt haben. Denn: Die Präsentationen und die Siegerehrung finden zwar in Bremen statt, die Messungen gehen jedoch auf dem Flugplatz Rotenburg über die Bühne.

Und das schon zum zweiten Mal: „Wir haben im vergangenen Jahr von diesem Wettbewerb gehört und da wir eh ein Projekt machen müssen, lag das nahe“, sagt Leonard Elsbroek, der zusammen mit Simon Schneider die Leitung übernommen hat. Jetzt, kurz vor der Entscheidung, müssen sie und ihr Team den Satelliten nur noch ein wenig feinjustieren. So ist das Konstrukt noch etwas zu schwer. 350 Gramm müssen es genau sein. Schneider: „Nicht mehr und nicht weniger.“

Zwei Missionen haben die insgesamt zehn Teams aus ganz Deutschland zu erfüllen. Bei allen soll der Satellit im Fall den Luftdruck und die Temperatur messen und daran seine eigene Geschwindigkeit berechnen können. Die muss mit Fallschirm bei 15 Metern pro Sekunde, 54 km/h, liegen.

Die zweite Aufgabe durften sich Elsbroek, Schneider und Co. selbst stellen – ein wichtiges Kriterium bei der Bewerbung. Angesichts der überdurchschnittlich hohen Zahl an Krebserkrankungen in der Region, wollen die Schüler die Konzentration der krebserregenden Stoffe Methan, Isobutan, und Ammoniak messen. Eine Idee, die bei der Jury gut ankam.

Seit Februar sind die Schüler der Informationstechnik-Klasse des beruflichen Gymnasiums mit Basteln beschäftigt. Ist ihr Satellit der beste, winkt das europäische Finale in Paris. Dafür hat sich das „Sky Project“ ihren Stärken entsprechend in fünf Teams aufgeteilt. Unter der Federführung von Elsbroek und Schneider haben sie so den Satelliten im Getränkedosen-Format entworfen, gebaut, die Software dafür entwickelt, Öffentlichkeitsarbeit betrieben und ihre Fortschritte dokumentiert.

Die jungen Konstrukteure gehen selbst nicht davon aus, dass der Satellit bei der Landung tatsächlich heile bleibt. Dafür haben sie ihn aber mit ausreichend Möglichkeiten zur Datensicherung ausgestattet. So sendet er seine Daten noch auf dem Weg zur Erde zu einem Empfänger am Boden. Sollte die Verbindung unterbrochen sein, schickt ein Speicherchip die Daten bei nächster Gelegenheit nach.

Beim „Sky Project“ möchte niemand eine Prognose über das Ergebnis abgeben. Andere Teams, hat Schneider beobachtet, hätten viel bessere Voraussetzungen gehabt, konnten den Fall mithilfe einer Drohne testen. Für die Rotenburger blieben lediglich der dritte Stock der BBS und lange Spaziergänge zum Ausprobieren der Funktechnik.

Schneider hofft, dass die Jury honoriert, dass sein Team alles in Eigenleistung gemacht hat. Klassenlehrer Sigurt Stahl hat sich nur in dringenden Fragen eingebracht. Und der findet die Leistung seiner Schüler jetzt schon „klasse“.

Wettbewerb und Teilnehmer

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) richtet den „CanSat“-Wettbewerb in der kommenden Woche in Bremen aus. Die Satellitenstarts finden am Mittwoch, 7. Oktober, auf dem Rotenburger Flugplatz statt. Beim Rotenburger „Sky Project“ sind neben Simon Schneider und Leonard Elsbroek noch Julius Berndt, Lukas Bock, Felix Burgert, Jannik Cordes, Niko Cordes, Eric Gatzemann, Finn Glink, Janek Meyer, Lennard Peschko, Chantale Recht, Arne Rost, Hendrik Schmedt, Simon Schneider sowie Julian Witte mit dabei. Weitere Informationen gibt es online.

www.sky-project.org

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