Rotenburgs Bauhofmitarbeiter sind in Bereitschaft

Einsatz bei Wind und Wetter

Bauhof-Mitarbeiter Jens Leszkowski im Kehrwagen
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Das Streugut liegt in einer Halle auf dem Bauhof bereit, Jens Leszkowski und seine Kollegen sind in Bereitschaft, wenn Schnee und Eis ihren Einsatz erfordern.

Rotenburg – Früh morgens um 4 Uhr beginnt derzeit der Arbeitstag von Jens Leszkowski. Der Rotenburger ist aktuell als Auslöser des städtischen Bauhofs in Winterdienst-Bereitschaft. Dann zieht er seine leuchtend-gelbe Arbeitskleidung an und macht sich auf den Weg zu prägnanten Punkten, an denen man gut die Wetterlage beurteilen kann – und wie viele Kollegen er an diesem Morgen im Einsatz braucht.

„Man kann nicht nur auf das Thermometer gucken, sondern muss wirklich losfahren“, sagt er. Wichtige Orte sind dann zum Beispiel Brücken, die auch bei Plusgraden glatt sein können. Seit zwölf Jahren ist Jens Leszkowski beim Rotenburger Bauhof angestellt. Eigentlich als Kehrmaschinenfahrer, aber jahreszeitlich bedingt ist der jetzt hauptsächlich im Winterdienst unterwegs. Zwei wechselnde Teams mit jeweils elf Mitarbeitern sind in Bereitschaft, gemeinsam befreien sie die Straßen von Schnee und Eis, damit die Menschen möglichst sicher von A nach B kommen. Bei Wetterverhältnissen wie am vergangenen Wochenende oder auch den für dieses Wochenende angesagten ist Leszkowski besonders aufmerksam – denn er ist dafür verantwortlich, seine Kollegen rechtzeitig auf die Straßen zu bringen.

Aufmerksamkeit ist immer gefordert, weiß er, das Wetter kann jederzeit umschlagen: „Man muss immer am Ball bleiben.“ Mal geht es alleine, dann wieder braucht er ein paar Kollegen zur Unterstützung. Die ruft er direkt an. Herrscht größeres Winterchaos, alarmiert der Auslöser über die Leitstelle in Zeven die Meldeempfänger aller Kollegen in Bereitschaft. „Für uns ist es gut, wenn es abends schon schneit, dann weiß man gleich, dass man morgens losmuss.“ An Wochenenden wie dem vergangenen ist dann gleich das gesamte Bereitschaftsteam im Einsatz. Dass das Familienleben da manchmal zu kurz kommt, verhehlt der Rotenburger nicht. „Da muss man schon mal zurückstecken“, erzählt er. Gerade im Winterdienst heißt nach Hause kommen nicht Abschalten.

„Wenn die einen überholen, darf man keinen falschen Schritt machen“, sagt Jens Leszkowski.

Bis 8 Uhr sollte der vorrangige Teil der Prioritätenliste abgearbeitet sein – sprich, die Hauptverkehrswege für Arbeitnehmer und die Wege zu den Schulen. Das kann je nach Wetterlage auch länger dauern. Nachts ist der Winterdienst selten unterwegs, weil das Verkehrsaufkommen in Rotenburg da nicht so hoch ist. Schneit es aber abends noch, sind sie auch bis 20 Uhr oder länger unterwegs. Streugut ist für den Fall der Fälle genug vorhanden, sagt Bauhofleiter Heiko Hesse – dabei ist aber vorausschauende Planung gefragt. Bereits im Sommer ordert er an Vorräten, was die Kapazitäten zulassen.

Doppelte Arbeit hat der Bauhof, wenn Grundstückseigentümer ihren Schnee nicht ordnungsgemäß räumen. Der ein oder andere schiebt den in die Gosse – „dann müssen wir die Gullys freibuddeln“, sagt Hesse. Beim Laubkehren im Herbst sei das ähnlich. Denn wenn es taut und Schnee – oder im Herbst zu viele Blätter – die Einläufe verstopfen, kann das Wasser nicht abfließen. „Der Großteil ist aber sehr bemüht“, sagt Hesse.

Und auch sie bemühen sich, „alles zu tun, was geht“. Dazu gehört Rück- und in manchen Fällen Vorsicht: Wohngebiete werden mit der Kehrmaschine nicht vor 7 Uhr befahren. An Schulen fegen sie ungern morgens zu Beginn – das Potenzial für Unfälle steige, wenn Schüler beispielsweise kein Licht am Fahrrad haben. „Sicherheit ist vorrangig“, so Hesse.

Sonst kümmert sich Leszkowski vor allem darum, dass die Straßen sauber sind. Auch Verkehrsinseln und die Säuberung der Straßeneinläufe fallen in seinen Bereich. Dabei würden sich die Bauhofmitarbeiter mehr Rücksicht wünschen, wenn sie auf der Straße sind. Bei einigen Aufgaben verlassen sie das Fahrzeug, was nicht ungefährlich ist. Manche Fahrer überholen unvorsichtig und teils sehr knapp. Ihnen selbst ist bisher nichts passiert, manchmal ist es aber an der Grenze, sagt Leszkowski. Der ein oder andere Spiegel hat schon gelitten. „Wenn die einen überholen, darf man keinen falschen Schritt machen.“ Nicht nachlässig sein, volle Konzentration gilt – auch, wenn sie selber unterwegs sind. Generell muss man immer „hoch konzentriert sein, oft über Stunden“, so Leszkowski.

Auch ihr Alltag hat sich in Coronazeiten verändert. Die Pausen finden meist an der frischen Luft statt, im Pausenraum darf nur eine begrenzte Zahl von Leuten mit Abstand sein. Das findet Leszkowski schade, auch wenn es richtig ist – aber das gute Miteinander unter den Kollegen ist gerade das, was für ihn einiges an dem Beruf ausmache. Die Fahrzeuge werden mit maximal zwei Mitarbeitern bestückt. Nur auf größeren Baustellen lasse es sich manchmal nicht verhindern, dass der Abstand geringer ist.

Winterdienst mit Einschränkungen

Die Meteorologen rechnen mit viel Wind, Frost und Schnee. Da sind Winterdienste stark gefordert. Der Rotenburger Bauhof in der Stadt, für die Kreisstraßen ist der Landkreis verantwortlich. Vorrangig sind immer die Straßen, auf denen Berufs- und Schulbusverkehre unterwegs sind – auch wenn Letztere erst wieder ab Montag unterwegs sind. Aber: Eine gesetzliche Pflicht zum Räumen und Streuen bei Glätte von Straßen und Wegen außerhalb geschlossener Ortschaften gibt es nicht. „Aus dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherungspflicht kann sich jedoch eine Streupflicht bei Glatteis auch außerhalb, jedoch nur an besonders gefährlichen Stellen, ergeben“, so Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier. Das wären zum Beispiel Brücken oder scharfe Kurven. Unabhängig davon würde aber der Landkreis den Winterdienst bestmöglich leisten. Die Mitarbeiter arbeiten nach einem „ausgeklügelten Prioritätenplan nach der Devise: So wenig Streumitteleinsatz wie möglich, aber immer so viel wie nötig“. Dennoch weist Huchzermeier darauf hin, dass sämtliche Verkehrsteilnehmer bei widrigen Wetterverhältnissen angehalten sind, angepasst zu fahren. Denn: „Auf Radwegen an Kreisstraßen kann kein Winterdienst sichergestellt werden. Es wird versucht, wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen, allerdings nachrangig“, erklärt Huchzermeier, da zuletzt Beschwerden laut geworden sind, dass insbesondere die Radfahrer an mancher Stelle scheinbar vergessen werden, besonders außerorts. Autofahrer sollten bei dem Winterwetter also doppelt umsichtig fahren, denn sind Radwege nicht gestreut oder geräumt, dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen.

Auch die Straßenmeisterei Rotenburg, die von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden aus für den Einsatz auf Bundes- und Landstraßen im südlichen Gebiet des Landkreises zuständig ist, ist im Einsatz. Grundsätzlich ab etwa 2 Uhr nachts, bei „Extremwetterlagen, wie im Moment vorherrschend, schichtübergreifend, somit rund um die Uhr“, teilt Werner Niedfeld aus Verden mit. Hier gibt es ebenfalls einen Prioritätenplan, nach dem vorrangig erst die Fahrbahnen, hierbei die Bedarfsumleitungen der Autobahnen sowie die Straßen mit Schulbusverkehr, geräumt werden. Auch Radwege würden „nach besten Kräften geräumt und gestreut“ – aber erst danach. Da beim Räumen der Straße der Schnee in den Seitenraum geschoben wird, bleibe es nicht aus, dass die Radwege erneut dicht sind und wieder geräumt werden müssen. „Auch wird durch vorbeifahrende Großfahrzeuge immer wieder Schnee und Schneematsch auf den Radweg geschleudert“, schreibt Niedfeld. Fußgänger und Radfahrer würden das dann verdichten, sodass „kaum eine Möglichkeit besteht, den Radweg in Gänze vom festgefroren Schnee oder Eis zu befreien.“

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