Nachtragshaushalt wegen schleppender Grundstücksverkäufe

Bauherren sind skeptisch

Die Bodenbeschaffenheit war auch im ersten Bauabschnitt an der Brockeler Straße ein großes Thema. Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das leichte Plus im 43 Millionen Euro schweren Haushalt der Stadt Rotenburg für das laufende Jahr ist nicht mehr zu halten. Insbesondere die stockenden Grundstücksverkäufe im Bereich des Neubaugebiets Brockeler Straße II sorgen dafür, dass ein Minus entsteht. „Nicht schlimm“, sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und verweist darauf, dass die Einnahmen nun im kommenden Jahr zu erwarten sind. Interessenten gebe es genug. Trotzdem muss die Stadt mit einer Kreditermächtigung von 1,4 Millionen Euro für die Stadtkasse nachbessern. Der Finanzausschuss des Stadtrats hat dafür grünes Licht gegeben.

Die potenziellen Bauherren sind vorsichtiger geworden. Die Debatte um den moorigen Untergrund im Rotenburger Westen mit Torf-linsen hat viele Interessenten nicht unbedingt verschreckt, wohl aber wollen sie jetzt auf Nummer sicher gehen. Das Prinzip „Gekauft wie gesehen“ will die Stadt nicht durchdrücken und hat daher zunächst selbst Bodengutachten in Auftrag gegeben. An rund 30 Stellen wurden Proben entnommen, „alles ohne Auffälligkeiten“, wie Bauamtsleiter Clemens Bumann klarstellt. Wohl aber verlassen sich diejenigen, die Grundstücke kaufen wollen, nicht nur darauf. Sie haben eigene Bodengutachten in Auftrag gegeben und zögern deshalb noch mit der Unterschrift. Auch einige Finanzierungsvereinbarungen mit Banken zögen sich länger hin als angenommen. Alles zusammen habe im Laufe des Jahres dazu geführt, dass bislang statt der erhofften 60 lediglich 15 Grundstücke verkauft worden sind. Bürgermeister Weber hält bis Ende des Jahres 30 für möglich. Das Millionen-Loch in den kalkulierten Einnahmen 2019 bleibt aber. Das werde mit Einsparungen an anderer Stelle und den möglichen Krediten zunächst ausgeglichen – bis der Verkauf dann 2020 tatsächlich erfolgt.

60 Einfamilienhäuser, 24 Bungalows im Wohnbereich „55plus“, vier Geschosswohnungsbauten und der neue Kindergarten finden auf dem gesamten Neubaugebiet Platz. Es rückt nah an den Schießstand der Kreisjägerschaft am Ahlsdorfer Forst heran, wo bereits notwendige Schallschutzmaßnahmen ergriffen worden sind. 200 000 Euro hat das die Stadt gekostet.

Auch um die Probleme der Bauherren mit moorigen Untergründen kümmert sich die Stadt in finanzieller Hinsicht. Dort, wo eine Versickerung auf nassen Grundstücken nicht möglich ist, soll eine Einleitung des Regenwassers ins Kanalnetz ermöglicht werden. Zudem gibt es wie im ersten Neubaugebiet an der Brockeler Straße eine Fördervereinbarung für Gründungsarbeiten. Bei vier Grundstücken sei das dort notwendig gewesen, jetzt rechnet die Stadt sogar noch mit weniger. Stadt und Eigentümer teilen sich dabei die Kosten, auf maximal 30 000 Euro – je nach Grundstücksgröße und Aufwand – beziffert das Bauamt mögliche Kosten für die Stadtkasse. Bumann: „Wir haben im zweiten Bauabschnitt aber nicht diese Extremsituationen.“ Rund 130 Namen stünden derzeit auf der Interessensliste für Grundstücke. Diese würden entsprechende Angebote erhalten. Wer im Bereich „55plus“ bauen möchte, könne umgehend mit einer Zusage rechnen.

Über die Situation der Grundstücke hinaus sind im Nachtragshaushalt auch gut 500 000 Euro mehr für das Rathauspersonal verankert. Bürgermeister Weber bezeichnet diese Aufwertung als „positiv“, weil damit der Anreiz für das begehrte Fachpersonal, zu bleiben, größer werde. Die Mitarbeiterzahl in der Verwaltung hat sich binnen zehn Jahren um rund 50 erhöht, zudem gab es laut Weber „zum Teil erhebliche Tarifsteigerungen“. Die Personalkosten stiegen im Haushalt entsprechend von 8,6 Millionen Euro 2010 auf aktuell mehr als 13 Millionen.

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