Landvolk betont Nutzen

Kommunen setzen kein Glyphosat mehr ein

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Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird in der Region weiterhin in der Landwirtschaft eingesetzt. Allerdings nicht von den Kommunen. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Umgang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist auch in der Region ein Thema. Während Landwirte den Einsatz des als möglicherweise krebserregend geltenden Unkrautvernichters als weiterhin notwendig bezeichnen, haben die Kommunen im Altkreis längst reagiert. Die Bauhöfe setzen Glyphosat nicht mehr ein – und auch für verpachtete Flächen gibt es in einigen Bereichen klare Vorgaben.

Als Vorreiter in Sachen Naturschutz zeigt sich diesbezüglich gerne die Stadt Rotenburg. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) lobt die Arbeit seines Vorgängers im Rathaus: „Die Stadt hat mit einer Dienstanweisung schon 2004 reagiert und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat auf allen städtischen Flächen verboten, auch wenn dort Pachtverträge existieren. Das gilt sowohl für externe Dienstleister, die städtische Flächen bearbeiten, als auch auf städtischen landwirtschaftlich genutzten Flächen.“ Die Dienstanweisung umfasse alle Pestizide, da „wir als wildbienenfreundliche Kommune darauf verzichten, weil die schädlichen Wirkungen mit den Breitband-Pestiziden nicht nur die Menschen, sondern vor allem die Klein- und Kleinstlebewesen abtöten und damit insbesondere die Artenvielfalt entscheidend reduziert wird“, so Weber. Ganz ähnlich klingt es im Kreishaus. Denn auch die Straßenmeistereien des Landkreises benutzen seit Jahren kein Glyphosat mehr. Mit einer Ausnahme: „Lediglich zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus im Straßenseitenraum wird in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde gezielt und punktuell im konkreten Einzelfall ein spezielles Mittel eingesetzt.“ Auf den verpachteten kreiseigenen Naturschutzflächen sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vertraglich verboten.

Verzicht auf hochtoxische Mittel

Ebenso die Mitarbeiter der Bauhöfe von Visselhövede, Sottrum, Scheeßel und Fintel müssen auf hochtoxische Mittel verzichten, wenn sie gegen Unkraut vorgehen. Vielmehr ist Handarbeit angesagt: Geräte mit Heißwasserdampf, Unkraut- und Drahtbürsten oder auch mal biologisch abbaubare Helfer werden bevorzugt eingesetzt. In Sottrum zum Beispiel hat ein Ratsbeschluss im August 2016 dieses Umdenken besiegelt. Gemeindedirektor Holger Bahrenburg betont, dass auch nach Jahren intensiver Forschung die Frage des Gefahrenpotenzials von Glyphosat noch unterschiedlich beantwortet wird. Und deswegen gelte für ihn: „Aufgrund der noch vielen Unklarheiten zu den Gefahren und Risiken von Glyphosat bin ich der Auffassung, dass von diesem Produkt eine gewisse Gefahr ausgehen kann. Nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere wie zum Beispiel Insekten, die für unseren Lebenskreis notwendig sind.“ In sämtlichen Pachtverträgen mit der Gemeinde sei deswegen auch ausdrücklich festgehalten: „Der Einsatz von Spritzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat auf der Pachtfläche ist untersagt. Bei Zuwiderhandlung kann der Pachtvertrag seitens der Gemeinde Sottrum außerordentlich gekündigt oder nicht verlängert werden.“

Glyphosat ist ein Total-Herbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr – auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden. In der EU ist Glyphosat für fünf weitere Jahre zugelassen worden. Nach einer Analyse aller verfügbaren Daten über Glyphosat sei man zu dem Schluss gekommen, dass es keine Verbindung zwischen der Chemikalie und Krebserkrankungen bei Menschen geben, erklärte die EU-Kommission Mitte Dezember.

Auch Vorteile

Dass die Landwirte auf Glyphosat noch nicht verzichten können, weiß auch die Kreisnaturschutzbeauftragte Christiane Looks: „Unbestritten ist, dass ohne den Unkrautvernichter gravierende Anpassungen in der heute praktizierten Landwirtschaft erforderlich sein werden, die ein erhebliches Maß an Innovationen erfordern, um Ertragsverluste auszugleichen.“ Ob sich die von ihr kritisierte und durch Breitbandherbizide beschleunigte „Entwicklung zu uniformen Einheitsäckern“ mit alternativer Unkrautbekämpfung bremsen lässt? „Wir Landwirte sollten für unseren Bereich sorgfältig abwägen, ob ein jeweiliger Einsatz unbedingt nötig ist“, sagt Jörn Ehlers, der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden. Aber glyphosathaltige Herbizide hätten auch schlichtweg Vorteile für den Boden. Nach einer mechanischen Bodenbearbeitung, also Pflügen, gebe es auf dem Acker genauso wenig Pflanzen wie nach der Behandlung mit Glyphosat. Darüber hinaus gingen Nährstoff- und Wasserspeicherkapazität verloren. Ehlers: „Zwischenfrüchte und Untersaaten dienen dem Wasserschutz und vermeiden die Auswaschung von Nährstoffen, müssen jedoch im Frühjahr wieder entfernt werden. Dies gelingt in vielen Fällen am besten durch Glyphosat. Bei einer verregneten Getreideernte wie in diesem Jahr, können einige Flächen nur geerntet werden, wenn Unkraut oder Durchwuchs vorher chemisch beseitigt sind.“ Die Entscheidung der EU, Glyphosat zunächst weiter zuzulassen, sei richtig. Die Gefahr sei längst widerlegt: „Laut der Studien müsste ein Mensch utopische Mengen aufnehmen, um einer Krebsgefahr zu unterliegen.“

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