Auch in Rotenburg

Weg vom Bargeld - Trend zum kontaktlosen Bezahlen

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Wer das „kontaktlos“-Symbol in einem Laden sieht, kann mit seiner Karte dort auf diese Weise bezahlen – sofern die Karte das Wellensymbol ebenfalls aufweist.

Das Bargeld ist noch lange nicht abgeschafft, der Trend geht aber eindeutig in Richtung bargeldloses und kontaktloses Bezahlen. Das funktioniert unter anderem per Fingerabdruck und Gesichtsscan. Dennoch sind diese Zahlungsmethoden in Deutschland noch nicht gänzlich angekommen, auch in der Stadt Rotenburg nicht.

Rotenburg – In anderen Ländern ist es gang und gäbe, doch wer sich in den Rotenburger Geschäften umschaut, sieht nur wenige Menschen, die ihre Rechnung zum Beispiel mit dem Smartphone begleichen. Mehr als 50 Prozent der Umsätze werden hier bargeldlos bezahlt, das Mittel der Wahl ist in den meisten Fällen aber noch die EC-Karte. Viele Kunden machen dies von der Rechnungshöhe abhängig – ein Relikt aus Zeiten, in denen es einen Mindestwert zur Kartennutzung gab. So werden größere Beträge eher mit Karte bezahlt, der Einkauf beim Bäcker oder Metzger lieber bar. Ganz anders sieht es beispielsweise beim Nachbarn Schweden aus: Dort wird schon jetzt der Großteil aller Transaktionen bargeldlos abgewickelt.

In Rotenburg gibt es mehr als 100 Geschäfte, in jedem ist bargeldloses Zahlen möglich, mobile und kontaktlose Varianten ebenso wie am Terminal mit Kartenzahlung. Partner stellen letztere bereit, so Vorstandssprecher Mathias Schröder von der Sparkasse Rotenburg-Osterholz. „Der Kunde muss seine Karte nur noch an die Schnittstelle halten.“ Ob diese das kann, ist erkennbar am Wellensymbol. Das Bezahlen mit dem Smartphone und der Android-App werde verstärkt genutzt, als Exot gilt die Variante Apple Pay, die im vergangenen Jahr hinzugekommen ist – vier Jahre nach dem Start in den USA und noch nicht überall möglich. „Das ist bei uns in Rotenburg kaum ein Thema“, weiß auch Cornelia Gewiehs von der IG CityMarketing.

Das wichtigste Zahlungsmittel ist nach wie vor die EC-Karte, aber in vielen Geschäften ist eine Bezahlung per NFC, beispielsweise per Smartphone, möglich. Dies sei laut einer Umfrage unter den Rotenburger Gewerbetreibenden stark im Kommen, da es den Bezahlvorgang gerade bei kleineren Beträgen beschleunige. Überall beliebt und akzeptiert sei der Rotenburger Zehner.

Das bargeldlose Bezahlen wird immer mehr zum Standard, auch für kleinere Unternehmen. Ein Faktor, der hierzulande eine Rolle spielen könnte, was das noch nicht alltägliche Nutzen anderer Zahlungsmittel angeht, ist das Vorhalten einer guten Infrastruktur an Geldautomaten. „So ist der Druck auszuweichen, möglicherweise nicht ganz so ausgeprägt wie in skandinavischen Ländern“, gibt Schröder zu bedenken. Dennoch ist er sich sicher: „Dem Bezahlen mit Smartphone und anderen Geräten gehört die Zukunft.“ Es sei alles eine Frage der Zeit, denn bisher seien die Kunden an die Karte gewöhnt. „Auch das EC-Cash – heute girocard – hat für seinen ,Durchbruch‘ viele Jahre benötigt“, so Schröder. Hinzu komme, dass nicht alle Karten vom Handel akzeptiert werden. „Das mag daran liegen, dass in der Vergangenheit für Kreditkartenzahlung höhere Kosten angefallen sind. Aber die Kosten sind deutlich gesunken, und damit ist die Akzeptanz gestiegen“, ergänzt der Sprecher. Das sieht in der Realität allerdings noch anders aus: Eine Kreditkarte nimmt nicht jeder an, was die Geschäftsleute eben mit hohen Gebühren begründen. „Dort, wo Kreditkarten akzeptiert werden, gilt das vor allem für ausländische Kunden oder Gäste aus Nicht-EU-Ländern“, erklärt Gewiehs.

Das Bezahlen mit Bargeld nimmt ab, künftig stehen neue Zahlungsmethoden im Vordergrund.

Auf Kundenseite ist es oft Unwissenheit, die hinzukomme. Viele Kunden wissen nicht, was ihre Karte kann, meint Verkäuferin Jenny Schröder. „Die Kunden sind oft erschrocken und verunsichert, wenn ich ihre Karte nur über das Gerät halte, und fragen, ob sie nicht noch einen PIN eingeben müssten“, erklärt sie auf Nachfrage der Kreiszeitung. Das Wellensymbol ist vielen unbekannt. Dass ihre Karte dafür bereits aktiviert ist, ebenfalls. „Bei uns herrscht noch keine große Zeitersparnis, da ich das Gerät erst aus der Schublade holen muss. Aber gerade im Supermarkt geht es wesentlich schneller“, berichtet sie aus eigener Erfahrung – vor allem bei Kleinstbeträgen. Im Bereich Mode liege der Anteil bargeldloser Zahlungen in Rotenburg zu Spitzenzeiten bei mehr als 90 Prozent.

Doch die Entwicklungen werden nicht überall positiv beobachtet, gerade ältere Menschen wissen mit den neuen Zahlungsmitteln mitunter nichts anzufangen. Der „gläserne Mensch“ wird in diesem Zusammenhang oft erwähnt. Noch wesentlich „analoger“ geht es denn auch im „Eine-Welt-Laden“ an der Großen Straße zu. Die EC-Kartenzahlung ist seit zweieinhalb Jahren kein Problem, weil die Nachfrage besteht, doch der Großteil laufe nach wie vor per Barzahlung, erklären die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen gegenüber der Kreiszeitung. Bei einem Juwelier in der Innenstadt gibt es sogar eine Besonderheit, berichtet Gewiehs: Dort kann mit Altgold bezahlt werden, der Materialwert wird verrechnet. Bei Reisebüros indes sei Bargeld oft nicht möglich, da die Vorgaben von den Reiseveranstaltern bekommen, wie die Zahlung abgewickelt weden soll. Es gibt kleinere Ausnahmen wie Bus- oder Fährtickets, doch im Großen und Ganzen zahlen die Reisenden ihre Buchung per Lastschrift oder Kreditkarte.

Bargeldloses Bezahlen in Schweden

In Schweden hat sich ein neues Wort durchgesetzt: Wer mit dem Handy bezahlt, der „swisht“. Swish ist ein mobiles Zahlungssystem und längst in den Alltag integriert. Viele Geschäfte akzeptieren kein Bargeld, mitunter sogar Bankfilialen. Vorteil: Da in den Geschäften kaum noch Bargeld ist, sinkt die Zahl der Einbrüche. Selbst in öffentlichen Toiletten, Bussen, auf Flohmärkten und für Parkscheine braucht der Schwede keine Münzen und Scheine mehr. Während die meisten Bürger diesen Schritt befürworten, gibt es auch jene, vor allem Senioren, die gegen die Abschaffung des Bargeldes protestieren. Sie könnten unterliegen: Eine Prognose ergab, dass es bereits in fünf Jahren in Schweden kein Bargeld mehr geben könnte.

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