Filialen schließen wegen Corona / Sicherheit für Mitarbeiter

Banken gehen auf Distanz

Sicher gegen das Virus: Kundenberaterin Liesa Beckmann (r.) geht wie ihre Kollegen in der Hauptfiliale der Sparkasse Scheeßel hinter einer Plexiglasscheibe auf Distanz zu den Kunden. Foto: Warnecke

Rotenburg – Wer viel mit Kunden zu tun hat, muss umdenken. In Zeiten des Coronavirus ist Distanz geboten – und kreative Lösungen sind gefragt, um diese aufrecht zu erhalten oder überhaupt erst einzuführen. Das wissen die drei maßgeblichen Bank in der Region nur zu gut. Täglich kommen bei der Sparkasse Rotenburg Osterholz, der Volksbank Wümme-Wieste und der Sparkasse Scheeßel Krisenstäbe zusammen, es werden Pläne entworfen, mit den übergeordneten Gesellschaften Absprachen getroffen. Und das hat Folgen: Als erstes Haus hat die Sparkasse Rotenburg Osterholz nun Filialen geschlossen. Betroffen sind davon im Altkreis Rotenburg Sottrum und die beiden Nebenstellen an der Harburger und Verdener Straße in der Kreisstadt.

„In unseren Filialen sind viele Mitarbeiter tätig, die durch die Schließung von Schulen und Kitas vor der Aufgabe stehen, die Betreuung ihrer Kinder abzudecken und neu zu regeln. Wir begleiten diese Bemühungen durch flexible Arbeitszeitlösungen, stoßen damit aber an Grenzen, Öffnungs- und Beratungszeiten in unseren Geschäftsstellen in der gewohnten Art und Weise flächendeckend aufrecht zu halten“ teilt Rotenburgs Unternehmenssprecher Mathias Schröder mit. Eine Möglichkeit, dieser Problematik zu begegnen, sei die vorübergehende Schließung einzelner Standorte, um an den verbleibenden durch ein „Mehr“ an Mitarbeitern flexibler agieren zu können. In der Fläche sei man weiterhin vertreten, nur an weniger Standorten.

Ganz so weit gehen die Volksbank Wümme-Wieste mit ihren acht und die Sparkasse Scheeßel mit ihren vier mit Personal besetzten Geschäftsstellen noch nicht. „Per heutigem Stand haben wir noch keine Filialschließungen beschlossen“, teilt Sottrums Vorstand Matthias Dittrich mit. Er ergänzt aber umgehend: „Die Situation kann sich stündlich ändern.“ Einschränkungen bei der Abwicklung der täglichen Bankgeschäfte gebe es bisher nicht. Auch Jürgen Lange als Chef der Scheeßeler Sparkasse bleibt vorsichtig. Man müsse die Mitarbeiter eben so gut es geht schützen. Diesen Weg verfolge man damit, an die Kunden zu appellieren, Onlinebanking zu nutzen oder zum Telefon zu greifen. Nicht notwendige Besuche in den Filialen selbst sollten so möglichst ausbleiben. Scheeßel hat schon vergangene Woche vorausblickend auf die zu erwartenden Einschnitte sein Team der Onlineberatung personell aufgestockt und auf zwei Standorte verteilt, um nicht komplett auszufallen, sobald es auch innerhalb der Belegschaft zu Coronafällen kommt.

Wichtig ist allen drei Banken, dass man sich weiter intensiv um die spezifischen Probleme der Zeit kümmern könne. Schröder nennt „beispielsweise Firmenkunden wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen und Privatkunden mit Blick auf die aktuelle Börsensituation“. Den erhöhten Beratungsbedarf spüre die Sparkasse bei ihren Kunden deutlich. „Wir werden auch in der Corona-Krise die kreditwirtschaftliche Infrastruktur, die Bargeldversorgung und die Zahlungsverkehrsinfrastruktur sicherstellen und für unsere Kunden erreichbar sein“, verspricht Schröder.

Die Häuser setzen auch auf kleinere Maßnahmen. So sind in Scheeßel zum Beispiel auf den Beratertischen provisorisch Plexiglasscheiben als „Spuckschutz“ aufgestellt worden. Lange spricht von einer „Vielzahl“ an Veränderungen gegenüber dem Regelbetrieb. Dazu setzt man in der Rotenburger Hauptfiliale am Pferdemarkt, die wie gewohnt geöffnet hat, auch auf die Einsicht der Kunden. Mit Schildern wird zum Beispiel auf größere Distanzen in Warteschlagen hingewiesen. Man halte Abstand zu Kunden, verglaste Beraterkabinen wird es aber auch hier nicht geben.

Finanzhilfen: Ruf nach weniger Bürokratie

Viele Milliarden Euro hat die Bundesregierung an Soforthilfen für kleine Unternehmen und Selbstständige in Zeiten der Coronakrise versprochen. Aber wie kommt das beim Zeitschriftenhändler aus Scheeßel oder beim Reisebüro-Inhaber in Sottrum an? Scheeßels Sparkassenchef Jürgen Lange sagt, dass die Arbeit seines Kreditinstituts derzeit klar auf die Firmenkunden fokussiert ist. „Uns erreichen viele Hilferufe“, berichtet er auf Nachfrage. Hotels, Gastronomen, Kleinunternehmer und Selbstständige: Fast alle hätten geschlossen, und nur die wenigstens wüssten derzeit, wie sie diese Zeit überbrücken können. Langes Appell richtet sich deswegen an die Politik: Diese müsse umgehend die bürokratischen Hürden gerade für die lokalen Kreditunternehmen lockern, damit die Hilfe auch zeitnah gewährt werden kann. Die in den vergangenen Jahren aufgebaute Regulatorik mache dies ansonsten unmöglich.

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