Feldrundfahrt: Auf dem Trecker geht’s von Hof zu Hof

Bald „Bio“ aus Borchel

Auf Anhängern haben die Teilnehmer der Feldrundfahrt die Wege zwischen den einzelnen Höfen und Feldern zurückgelegt. - Foto: Diercks

Mulmshorn/Borchel - Wie ein Ausflug in eine „grüne Lunge“ war die Feldrundfahrt: Die Tour blieb nämlich rechtsseitig der Bundesstraße 71, Richtung Zeven gesehen, da sie von „Haus der Zukunft“ in Mulsmhorn nach Borchel führte.

Einmal lang hinschlagen, und schon befindet man sich vom Startpunkt aus im 235 Hektar großen Naturschutzgebiet Glindbusch. Das wiederum grenzt an das Naturschutzgebiet „Westliches Borchelsmoor“ (125 Hektar). Damit ist nicht verwunderlich, dass vor allem viel Grün und wenig Ackerbau mit verschiedenen Feldfrüchten zu sehen waren.

Das Bruchwaldgebiet Glindbusch mit Buschweiden, Birken und Erlenbruchwald wurde zur Gemarkung Borchel hin von Feuchtwiesen abgelöst. Sie werden nur noch teilweise als Grünland genutzt, ließen die Borcheler und Mulmshorner Landwirte ihre Zuhörer auf den Treckergespannen wissen. Bei der extensiven Gründlandbewirtschaftung im Naturschutzgebiet darf erst ab dem 15. oder 30. Juni gemäht werden, und teilweise dürfen die Flächen nicht gedüngt werden, hieß es.

„Nur die Eigentümer dürfen die Flächen betreten“, erfuhren sie außerdem. Die Landwirte berichteten, dass es aber auch auf den anderen Flächen oft schwer wäre sie zu bewirtschaften, da sie oft zu nass seien. Ein Teil der Ackerflächen, die in Mulmshorn unter den Pflug kommen, gehören zudem zum Landschaftsschutzgebiet. Mulsmhorn hat eine Gesamtfläche von 926 Hektar, ließen die Landwirte wissen. Landwirtschaftliche Nutzflächen davon sind 470 Hektar, davon 220 Ackerland. 400 Hektar stehen in dem Ort unter Naturschutz.

„Kartoffel des Jahres“ 2010 aus Borchel

Der Borcheler Milchbauer zeigte eine Fläche auf der früher einmal Kartoffeln wuchsen, für Borchel und umzu vormals eine Hauptfeldfrucht der Landwirte, die jetzt zugewachsen war. Junck kann sich noch gut an die begehrte Kartoffel Moorsieglinde erinnern, die übrigens 2010 „Kartoffel des Jahres“ war. „Die war wie gewaschen, wenn sie aus dem Boden geholt wurde“, erzählte Junck. Auf seinem Anhänger erfuhren die Gäste, dass es früher einmal in Borchel 43 Vollerwerbslandwirte gegeben hat. „Heute sind es noch zwei, dazu gehöre ich, und sieben Zuerwerbsbetriebe.“

Die Bauern erklärten, wie es sich mit Eigentums- und Bewirtschaftungsverhältnissen in ihren Gemarkungen verhält. Mal standen irgendwo auf der Strecke Mutter- aber auch Milchkühe, Rinder, mal Schafe, darunter niederländische Zwartbles und sogar Damwild im Gehege.

Zum ehemaligen Torfwerk (1905 bis 1950) wurde erzählt, dass dort fünf Baracken standen. Erst für polnische Arbeitskräfte, dann für Kriegsgefangene und später als Auffanglager für Flüchtlinge. Einige von ihnen blieben. Für sie wurden nach gleichem Bauplan Häuser gebaut, die hinten alle einen Schweinekoben und einen Hühnerstall hatten.

Nur am Rande wurde über den „SüdLink“ und das Landesraumordnungsprogramm gesprochen, was wohl auch den Rahmen gesprengt hätte.

Interessant und lecker war in Borchel der Abstecher zum Betrieb von Lucia und Ottmar Böhling. Sie melken im Vollerwerb 70 Kühe und produzieren aus einem Teil der Milch in ihrer Hofmolkerei selbst Käsespezialitäten, die es in verschiedenen Hofläden und bei den privaten Edeka-Geschäften in der Region zu kaufen gibt.

Eine kleine Kostprobe an Frisch- und Weichkäse wurde auf allen Anhängern verteilt. Ottmar Böhling berichtete derweil, dass er auf ökologischen Landbau umstellt und in einem Jahr damit durch ist. Dann dürfen sie ihre Milch also „bio“ deklarieren. Die Rinder und Kühe kommen alle auf die Weide. Ein ausgeklügeltes Beweidungssystem liefert den vierbeinigen Milchproduzenten ständig frisches Gras.

Veranstalter der Feldrundfahrt war der Landwirtschaftliche Verein Sottrum-Rotenburg. Die Tour findet jährlich in einer andere Gemarkung des Vereins statt, an der jeder teilnehmen kann, den es interessiert. Wie im Vorjahr in Ahausen nahmen 150 Wissbegierige teil. - bd

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