Rotenburger Stadtschule plant den Aufbau einer Baumbibliothek

Bäume in der Schule

Mit und in den Baumbüchern gibt es viel zu entdecken. Schulleiterin Susanne Enders (l.) und Petra Vargiu haben das erste Buch aus Birke unter die Lupe genommen. Foto: Beims

Rotenburg - Von Ann-christin Beims. Bücher gibt es in allen möglichen Farben und Größen – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie bieten Zeitvertreib, entführen in andere Welten oder geben die Möglichkeit, dazuzulernen. Letzteres sollen die Bücher künftig tun, die die Stadtschule Rotenburg derzeit für ihre „Baumbibliothek“ anschafft.

„Die einzelnen Exponate sind gestaltet wie Bücher. Das Ganze ist wie eine Bibliothek aufgebaut, daher der Name“, erklärt Petra Vargiu, sozialpädagogische Mitarbeiterin und die „Mutter dieser Idee“, wie Schulleiterin Susanne Enders im Gespräch mit der Kreiszeitung ergänzt. Bereits am Buchrücken sei zu erkennen, um welches Werk es sich im jeweiligen Fall handelt: Dieser besteht aus der entsprechenden Baumrinde. Insgesamt sollen es für die Stadtschule sechs Bücher werden, allesamt von heimischen Bäumen, das war den Pädagogen wichtig: Buche, Kastanie, Kiefer, Linde, Fichte und Eiche werden es sein.

Die Bibliothek soll im Eingangsbereich ihren Platz finden, dort, wo jetzt der Lagerraum für die Wasserbehälter der Regenwasserauffanganlage ist. Der Raum ist bisher ungenutzt, da die Tanks nicht durchsichtig sind, ergo für die Schüler uninteressant. Er verfügt aber über eine lange Fensterfront, in der man die Exponate „dekorativ ausstellen kann“, sagt Enders. Da die Anlage ohnehin nicht mehr genutzt werde und zurückgebaut werden soll, wird dort dann genügend Platz sein. Der Rückbau ist bereits in den Haushalt 2020 eingeplant. Wann dieser stattfindet, weiß die Schulleiterin aber noch nicht.

In dem Buch selber, das ausgehöhlt ist und von vorne mit einer Scheibe einsehbar, sind dann beispielsweise die Früchte zu sehen, die der Baum trägt, Baumpilze, welche Tiere und Schädlinge sich in und auf ihm aufhalten oder auch der Baum im Querschnitt, welche Maserung er hat. „Die Maßstäbe darin sind natürlich nicht immer naturgetreu“, merkt Enders an. Im Birkenbuch steht ein kleiner Flechtkorb. Solche Feinheiten sind Peter Nydegger, Leiter der Wildnisschule Bärentatze und Hersteller der Bücher, wichtig: „Ich möchte das Interesse wecken, dass früher nicht alles aus Kunststoff und Plastik bestand, sondern viel Handarbeit nötig war und es sich, wie im Fall von Holz, mit den Jahren auch verändert.“

Dabei erinnert er sich an seine Kindheit in der Schweiz zurück. „Kinder lernen dabei auch die Geschichte kennen, das reicht weit zurück. Heute sitzt der Opa nicht mehr unbedingt auf dem Hof auf der Bank und schnitzt etwas. Das habe ich selber als Kind noch erlebt und das war etwas Besonderes“, sagt er.

„Alles hinterlässt Spuren.“ Und die, so hofft er, hinterlässt auch die Beschäftigung beispielsweise mit den Büchern. Denn die Kinder können sie anfassen, die Textur fühlen, daran riechen. „So ein Duft prägt sich ein“, meint Nydegger. Der Wildnis-Pädagoge aus Sottrum gibt der Stadtschule außerdem zu jedem Buch einen Zettel mit Informationen an die Hand. „Ich bin überzeugt von der Idee und es macht mir viel Spaß. Und es gibt Lehrern die Möglichkeit, damit zu arbeiten, ohne selber erst draußen sammeln zu müssen.“ Sammeln ist aber trotzdem ein Part, ein gemeinsamer: Denn die Schüler werden aktiv beteiligt, sie gehen raus. Zum einen können sie ihr Wissen an den etwa 90 Schulbäumen testen, geplant sind aber auch Spaziergänge in den nahegelegenen Wald hinter dem Friedhof an der Freudenthalstraße. Klassen oder die AGs im Ganztag machen sich auf den Weg und entdecken Baum für Baum. Naturnahes Erleben soll es werden.

Viel zu lernen also für die Grundschüler, und das ist das Ziel der im Aufbau befindlichen Baumbibliothek: Sie soll die Faszination für das Thema Wald wecken. Gleichzeitig ist die Aufklärung über die Bedeutung von Bäumen ein wesentlicher Faktor, ebenso das Vertiefen des Wissens über Baumbewohner. Dazu werden die Themen im Sachunterricht etabliert. Zugleich weckt die Arbeit mit den Baumbüchern, so die Hoffnung der Pädagogen, die Umsichtigkeit im Umgang mit der Natur und beugt Vandalismus vor. „Was um mich herum lebt, verfestigt sich, je mehr ich mich damit beschäftige“, weiß Nydegger aus Erfahrung. Seit 30 Jahren ist er mit Kindern im Wald unterwegs. Am Anfang sei das Empfinden, gerade bei Kindern ohne Naturerfahrung, anders. „Nach zwei oder drei Stunden wächst der Respekt vor den Pflanzen, sie sind sensibilisierter.“ Und er sagt auch, dass das Wissen darum da ist, ein Urinstinkt. „Das verlernen wir nicht, es wird nur überdeckt.“

Für Enders ist es zudem ein Herzensprojekt, das sie noch fertigstellen möchte, bevor sie in den Ruhestand geht. „Neue Ideen ergänzen dann Jahr für Jahr die Sammlung“, sagt sie. Für die Realisierung des Projekts gab es eine Förderung in Höhe von 1 350 Euro von der Bingo-Umweltstiftung. Und dass das Beispiel im wahrsten Sinne Schule macht, würde sich Nydegger wünschen: „Es ist ein Aufruf, sich wieder mehr mit der Materie Wald zu beschäftigen.“ Besonders aktuell sieht er darin einen großen Sprung und hofft, dass es anhält. Denn seit der Corona-Krise würden mehr Menschen im Wald unterwegs sein, was ihn „sehr freut“: „Corona ist nicht toll. Aber ich sehe Mütter und Kinder mit Picknickdecken im Wald, das habe ich vorher so nicht. Und das ist toll.“

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