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Gegen den Antragsstau: Gül Önder leitet das Bauamt des Landkreises

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Von: Andreas Schultz

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Ayse Gül Önder, Leiterin des Bauamts im Landkreis Rotenburg
Sie soll die Digitalisierung im Bauamt des Landkreises vorantreiben und den Antragsstau vergangener Jahre bewältigen: die neue Leiterin Ayse Gül Önder. © Schultz

Knapp ein Jahr lang musste das Bauamt des Landkreises Rotenburg ohne offizielle Leitung auskommen. Nun übernimmt Ayse Gül Önder den Posten – und hat gleich zum Start einiges zu tun, was Umstrukturierung und den Abschied vom Antragsstau in ihrer Abteilung angeht.

Rotenburg – Mehr Dienstleistung für den Bürger: Das ist ein Stichwort, das an diesem Nachmittag mehrfach fällt. Beim Pressegespräch stellt der Landkreis seine neue Bauamtsleiterin vor. Nach knapp einem Jahr Vakanz tritt Ayse Gül Önder in die Fußstapfen von Alfons Schulte. Und es sind große: Die 36-Jährige übernimmt das Amt von jemandem, der es 34 Jahre lang geleitet hat – fast so lang wie sie alt ist. Sicher ist schon jetzt: Es gibt viel zu tun, und mit dem Bürgerservice ist auch die Zielrichtung klar.

Zur Person

Ayse Gül Önder ist geborene Bremerin und Mutter dreier Kinder, zwei davon Zwillinge. Sie studierte Geografie sowie Stadt- und Regionalentwicklung in Bremen. Im Anschluss arbeitete sie als Projekt- und Genehmigungsplanerin bei MT-Energie in Zeven, zweieinhalb Jahre später wechselte sie zur Gemeinde Stuhr, wo sie im Verlauf von zehn Jahren Berufstätigkeit Erfahrung als Stadtplanerin und stellvertretende Fachdienstleiterin sammelt. Den Landkreis habe fasziniert, dass Gül Önder bei ihrer Bewerbung eben diese zwei Blickwinkel mitbringt: Sowohl Erfahrung aus der Verwaltung als auch den aus der Wirtschaft als Antragssteller. „Sie kann sich ein Stück in alle Sichtweisen hineinversetzen“, ist sich ihr Chef, Landrat Marco Prietz, sicher. Damit ist sie die erste Bewerberin, die den Landkreis nach mehreren Ausschreibungsrunden für die Stelle überzeugt.

Seit 1. April ist „die Neue“ dabei. Die beiden größten Baustellen, die Ayse Gül Önder seither für das von ihr hochgelobte „tolle Team“ ihres Amtes ausgemacht hat, sind einerseits die Digitalisierung, andererseits die Abarbeitung des Antragsstaus. Der habe sich in den vergangenen Jahren gebildet, heißt es vonseiten des Landkreises. Und mit dem Stau soll alsbald Schluss sein: „Wir haben die Situation im Bauamt, dass es nicht die benötigte Schnelligkeit hat“, sagt die neue Leiterin. Dass die Digitalisierung zu den Baustellen gehört, kommt daher nicht von ungefähr. Gül Önder sieht sie nicht zuletzt als Werkzeug dafür, Prozesse innerhalb der Struktur des Amtes zu beschleunigen. Weg vom Papier in vier- bis achtfacher Ausfertigung, hin zu flüssigeren Arbeitsabläufen: Das ist die Losung, die Landrat Marco Prietz ausgibt. Dezernent Torsten Lühring bestätigt das. Die Rahmenbedingungen für die Arbeit im Amt hätten sich einfach geändert. „Am Papier ist nicht alles schlecht“, sagt er. „Jetzt ist aber die Zeit reif für die Digitalisierung“. Damit diese auch glückt, begleitet ein externes Fachbüro den andauernden Prozess. Andere Umstrukturierungen hat es bereits gegeben, zum Beispiel die geänderten Öffnungszeiten. Die sollen es den Sachbearbeitern ermöglichen, Anfragen zu laufenden Anträgen in diesen Zeitfenstern zu beantworten, außerhalb dieser Zeiten ist konzentriertes, ungestörtes Arbeiten an den Anträgen möglich.

Dass es schneller gehen muss, ist keine neue Ansage. Auch Prietz hat vor seinem Amtsantritt im November 2021 damit Wahlkampf gemacht. Als Neuer im Chefsessel des Kreishauses bekräftigte er das Vorhaben, die langen Bearbeitungszeiten des Bauamts in Angriff nehmen zu wollen: „Die Mitarbeiter sind am Limit. Wenn das Personal dort nicht gegen das Arbeitsaufkommen ankommt und es deshalb zu Bearbeitungszeiten kommt, die inakzeptabel sind, dann müssen wir reagieren und zusätzliche Stellen schaffen.“

Arbeitskraft kann eine Stellschraube für die Geschwindigkeit einer Abteilung sein. Dass eine Ruhestandswelle durch das Amt schwappt, macht das Vorhaben, an dieser zu drehen, aber nicht einfacher – im Gegenteil: Genau das sorgte für den Antragsstau. Erfahrene Kräfte gehen, neue kommen und müssen eingearbeitet werden. Diese Zeit des „personellen Umbruchs“, wie Gül Önder sie nennt, ist nun abgeschlossen.

Als Alfons Schulte im März 2021 geht, hat das Bauamt an seinen zwei Standorten in Rotenburg und Bremervörde 40 Mitarbeiter. Nach Ab- und Neuzugängen sind es aktuell 41. Die Besetzung weiterer zusätzlicher Stellen ist noch in diesem Jahr vorgesehen, sagt Prietz – und um künftig Rückstau verursachende Vakanzen zu vermeiden, will der Landkreis künftig früher ausschreiben und gegebenenfalls „überlappend besetzen. Da bezahlen wir dann auch lieber mal zwei Monate lang zwei Gehälter“, so Prietz.

Dann dürfte es auch leichter fallen, die eingangs erwähnte Dienstleistung zu liefern. Man will weg davon, erst nach zwei Monaten nach Einreichung des Antrags die Vollständigkeit der Unterlagen geprüft zu haben, um erst dann zusätzliche Unterlagen anzufordern, sagt der Landrat. Bauen sei ein wichtiges Thema, der ganze Landkreis profitiere vom Bauen. Entsprechend will sich das Bauamt in Richtung konstruktives Miteinander zwischen Genehmigungsbehörde und Antragssteller bewegen. Statt einen nicht genehmigungsfähigen Antrag einfach abzulehnen, könnte er stattdessen klar sagen: „Der Anbau wird auf diesem Teil des Grundstücks nicht gehen. Aber auf jenem Teil kann es etwas werden“, macht Prietz an einem Beispiel deutlich.

Dieses konstruktive Miteinander dürfte Gül Önder leicht fallen, denn durch ihre vorherige Tätigkeit als Projekt- und Genehmigungsplanerin bei MT-Energie in Zeven kennt sie die Rolle des Antragsstellers, der beim Landkreis Rotenburg vorspricht. „Das hat immer mehr oder weniger geklappt“, sagt sie rückblickend.

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