Eine große Anerkennung für die Arbeit in der Rotenburger Cohn-Scheune

Auszeichnung für den Förderverein

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Inge Hansen-Schaberg, Vorsitzende des Fördervereins Cohn-Scheune, mit dem Geschichtspreis-Zertifikat. Im Hintergrund die Cohn-Scheune.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Der Förderverein der Rotenburger Cohn-Scheune am Kirchhof – Kulturwerkstatt und Jüdisches Museum – wurde für seine fast zehnjährige Arbeit vom Obermayer German Jewish History Awards ausgezeichnet. Das teilte die Vorsitzende des Fördervereins, Inge Hansen-Schaberg, mit.

In der von Präsidentin Karen S. Franklin unterzeichneten Belobigungsurkunde heißt es zur Nominierung: „Für das Engagement zur Erinnerungsarbeit der jüdischen Geschichte, des jüdischen Erbes, der jüdischen Ahnenforschung oder der jüdischen Kultur in Gemeinden und Regionen in Deutschland. Sie wird verliehen als Wertschätzung von jüdischen Menschen auf der ganzen Welt für die Verknüpfung der Vergangenheit mit der Gegenwart, für die Kommunikation mit jüdischen Menschen und dem Einsatz dafür, die Welt zu heilen.”

Die Chanukka – ein Leuchter, der zum jüdischen Lichterfest entzündet wird, ist Teil der Ausstellung in der Rotenburg Cohn-Scheune.

Edith Meinhard, die Enkelin von Gertrud und Hermann Cohn und Tochter von Hildegard Jacobsohn, hatte den Förderverein Cohn-Scheune für die Nominierung vorgeschlagen. Der jüdische Tuchhändler Hermann Cohn, seine Ehefrau Gertrud und zwei Mitarbeiter der Schneiderei an der Großen Straße in Rotenburg waren von den Nazis deportiert und in Konzentrationslagern ermordet worden. Die beiden Cohn-Töchter konnten sich durch die Flucht nach England beziehungsweise Kolumbien in Sicherheit bringen.

Das Erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Cohn, die über lange Zeit das Leben in Rotenburg mitprägte, und die etwa 200-jährige Geschichte jüdischen Lebens in Rotenburg gehört zu den zentralen Aufgaben des Fördervereins. Regelmäßige Veranstaltungen, Referate und Ausstellungen haben die Cohn-Scheune, die vor fast einem Jahrzehnt durch ehrenamtliche Mitarbeit, Spenden und staatliche Zuschüsse gegenüber der Stadtkirche aus zum Teil historischen Bauteilen neu entstand, zunehmend zu einem Magneten werden lassen. 

Die Cohn-Scheune ist sonntags und mittwochs jeweils von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Zu dem seit dem Jahr 2000 verliehenen deutsch-jüdischen Geschichtspreis, den Edith Meinhard erneut nominieren will, heißt es in einer Information unter anderem: „Ins Leben gerufen wurde die Auszeichnung von Dr. Arthur S. Obermayer (1931-2016). Träger der Awards ist die Obermayer Foundation; die Preisverleihung in Berlin wird durch das Berliner Abgeordnetenhaus finanziell und organisatorisch unterstützt. Co-Sponsoren sind das Leo Baeck Institut (New York) und GerSIG (German Jewish Special Interest Group of JewishGen.org – führende weltweit aktive Internet-Organisation zur jüdischen Genealogie).”

In der Cohn-Scheune wird in den nächsten Monaten eine Ausstellung gezeigt, die die 100-jährige Geschichte der Juden in Zeven dokumentiert. Die Ausstellung – ein Nachbau des von den Nazis 1938 zerstörten Gebetssaals in Zeven – war vor fast zehn Jahren von Schülern der Berufsschule Zeven gestaltet worden. Die Schau jüngerer lokaler Geschichte wurde im Zevener Klostermuseum gezeigt und anschließend eingemottet. Jetzt sind die religiösen Ausstellungsstücke und die Informationstafeln im Obergeschoss der Cohn-Scheune wieder zu sehen.

Den Anstoß zum Aufbau der Ausstellung hatten die Bremervörderin Silke Schumann, eine Judaistik-Wissenschaftlerin, sowie der damalige Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Sandbostel, Klaus Volland, gegeben. Die Infotafeln sind das Ergebnis wissenschaftlicher Archivrecherche von Ronald Sperling, des Nachfolgers von Volland. Sie basieren auf Archivrecherchen von Dr. Elfriede Bachmann, der ehemaligen Leiterin des Bachmann-Museums in Bremervörde.

Die Ausstellung wurde unter Leitung des Arztes und Historikers Dr. Wolfgang Dörfler aus Hesedorf und Mitglied des Fördervereins Cohn-Scheune, aufgebaut.

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