Innovatives Trocknungssystem

Ausweg aus dem Deklarationsdschungel

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Michael Huckfeldt (v.l.), Arne Engelke-Denker, Gesa Weiss, Harm Schnakenberg und Bernadette Nadermann zeigen ein Modell des Trocknungssystems.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Gülle, Gärreste, Schlämme und Co. entstehen in großen Mengen in der Landwirtschaft und in der Industrie – die Entsorgung stellt für die Unternehmen eine Herausforderung dar. Manchmal fallen sie in so großen Mengen an, dass sie nicht mehr wirtschaftlich als Nährstoff eingesetzt werden können oder dürfen. Um die Abfälle aber doch sinnvoll zu nutzen, hat sich das Rotenburger Unternehmen „EnergyCO2mpany“ eine Lösung überlegt.

Die Idee: „Wir haben ein Konzept zur Energieversorgung mit Biomasse und der Volumenreduktion wasserhaltiger Suspensionen und Schlämme entwickelt“, erklärt Harm Schnakenberg, der Projektleiter bei „EnergyCO2mpany“ ist. Kurzum: Die Firma hat ein Trocknungssystem für landwirtschaftliche Abfälle und andere Schlämme entwickelt – das „EC BioHeat System“.

Schnakenberg erklärt: „Mit unserem System wandeln wir die Biomasse umweltgerecht in nutzbare Wärmeenergie um, zum Beispiel für Tierställe, Gewächshäuser, Heißwasser für die Industrie oder auch für Warmluftheizungen für Hallen.“ Positiver Nebeneffekt: Durch das Verfahren werde eine Art Biokohle erzeugt. Damit könnten Äcker und Gartenflächen verbessert werden, berichtet Geschäftsführer Michael Huckfeldt außerdem.

Dazu hat das Unternehmen zwei Module entwickelt, mit denen das Volumen von zum Beispiel Gärresten und Gülle gesenkt werden kann. Der Wasseranteil wird mit Hilfe von Abwärme verdampft und anschließend mit gereinigt. Um die Module vertreiben zu können, war eine CE-Deklaration erforderlich. Mit der Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass sein Produkt die Mindestsicherheits- und Gesundheitsanforderungen geltender EU-Richtlinien erfüllt – eine Art „Reisepass“ für den europäischen Wirtschaftsraum.

Die Anforderungen an eine CE-Dokumentation sind jedoch umfangreich. Es müssen beispielsweise sämtliche technische Daten, eine Übersichtszeichnung der Maschine, allgemeine Beschreibungen und Erläuterungen sowie eine Betriebsanleitung beigefügt werden. „Ein enormer Aufwand, der zusätzlich noch einige Fragen aufwarf“, so Schnakenberg. Deshalb suchte man sich Hilfe von außerhalb.

„Wir haben regelmäßig Kontakt zu Betrieben aus unserer Region, die aufgrund immer komplexer werdender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen vor ungeklärten Fragestellungen stehen,“ sagt auch Bernadette Nadermann, Erste Stadträtin der Stadt Rotenburg. Da lohne es sich, sich an die jeweilige Wirtschaftsförderung zu wenden. „Oftmals kommen die Unternehmer nach einem wahren Recherchemarathon zur Wirtschaftsförderung und sind dann positiv überrascht, dass sie hier konkrete Hilfe für ihr Anliegen erhalten.“ Zum Angebot zählt die Unterstützung durch das Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW). Bei einem Gespräch analysieren die TZEW-Mitarbeiter die konkrete Fragestellung und vermitteln einen passenden Experten – so auch bei „EnergyCO2mpany“.

Zusammenarbeit besteht schon länger

„Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren mit dem TZEW erfolgreich zusammen“, erzählt Schnakenberg. So habe das Zentrum dem Unternehmen bereits zur Seite gestanden, als die Entwicklung zu dem jetzigen Trocknungssystem noch in den Kinderschuhen steckte. Das TZEW unterstützte das kleine Unternehmen, das nur drei Mitarbeiter hat, mit neutralen Einschätzungen zur technischen Machbarkeit und bei der Beantragung von Fördermitteln, um die Entwicklung auch finanziell auf sichere Füße zu stellen.

„Ohne das Technologie-Transferzentrum würde es uns so nicht geben“, sagt Huckfeldt rückblickend. Als kleines Unternehmen wisse keiner, worauf es beispielsweise bei so einer Dokumentation ankomme. „Der entscheidende Faktor, warum wir uns das Angebot angehört haben, war: keine Gebühr, aber volle Beratung“, erinnert sich Huckfeldt. Der Kontakt sei damals zustande gekommen, weil sich das TZEW selbst bei dem Unternehmen vorgestellt habe. „Wir verfolgen einen aktiven Ansatz, fahren zu den Unternehmen und präsentieren unser Angebot“, berichtet Arne Engelke-Denker vom TZEW.

Auch bei der aktuellen Fragestellung im Hinblick auf die CE-Dokumentation nutzte das Unternehmen den Kontakt. „Wie es der Zufall wollte, lud das TZEW gemeinsam mit der IHK Stade im Elbe-Weser-Raum zu einer Informationsveranstaltung speziell zu diesem Thema ein“, so Schnakenberg. Er habe daraus wichtige Informationen mitnehmen können. Außerdem habe das TZEW eine Einzelberatung mit einem der Referenten angeboten, die das Unternehmen wahrgenommen habe.

Dass „EnergyCO2mpany“ erneut beim TZEW um Rat fragt, ist so gut wie sicher: „Die Zusammenarbeit ist noch immer nicht beendet, sie ist extrem wichtig für uns“, sagt Geschäftsführer Huckfeldt. Dem stimmt auch Schnakenberg zu: „Kein Unternehmen kann es sich heutzutage leisten, stundenlang nach den richtigen Experten für spezifische Fragestellungen zu recherchieren.“

Neue Serie

Seit 1999 gehört der Landkreis Rotenburg als Gründungsmitglied zu den Kooperationspartnern der „ARTIE“, dem Regionalen Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung – ebenso die Stadt Rotenburg und die Samtgemeinde Zeven. Die Arbeitsgemeinschaft, die inzwischen in zehn Landkreisen des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg tätig ist, will die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in der Region stärken. Der Wissenstransfer, also die Verzahnung zwischen den Unternehmen sowie geeigneten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, übernimmt das TZEW in enger Kooperation mit den Einrichtungen der kommunalen Wirtschaftsförderung. Das Angebot des TZEW wird im hiesigen Landkreis aus Mitteln der Kooperationspartner sowie EU-Mitteln finanziert und ist als Serviceleistung der Wirtschaftsförderung vor Ort für die Unternehmen kostenfrei. Firmen können sich an die jeweilige Wirtschaftsförderung der Kommunen wenden oder direkt einen Termin mit dem TZEW vereinbaren – Telefonnummer: 04141 / 787080 oder E-Mail: info@tzew.de. In diesen Wochen stellen wir in loser Reihenfolge einige Unternehmen vor, die die Hilfe des TZEW bereits in Anspruch genommen haben.

iq

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