Australier Matt Charles spielt im Rotenburger Schmidts

Unerfüllte Liebe im Wohnzimmer

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Matt Charles

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Mehr als zwei Stunden feinstes Singing-Songwriting von einem, der sonst nur in Kiez-Clubs zu erleben ist, unterstützt von einem Mitglied der „Hamburg Blues Band“, und das Ganze für lau – wieder einmal machte das Schmidts am Freitagabend seinem Insider-Ruf als kleine Kultur-Oase alle Ehre. Immer wieder lässt Ralf Schirdewahn in unregelmäßiger Reihenfolge nicht nur Poetry Slammer hier zu Wort kommen, sondern bietet auch Live-Musik eine Plattform.

An diesem Abend gehörte die Bühne dem Wahl-Hamburger Matthew Charles. Eigentlich im tasmanischen Hobart beheimatet, war der Australier vor mehr als zehn Jahren nach einem Besuch in der Hansestadt hängengeblieben: „Er hatte mich 2006 zu einem Gig eingeladen. Als es so weit war – es ging um einen Beatles-Abend in einem Hamburger Museum vor geladenen Gästen – kam mein Freund ins Krankenhaus. Also musste ich allein ran – dabei hatte ich bisher nur die Musik für Videos gemacht, aber noch nie live gespielt!“ Zu Hilfe kam der Zufall, in Person des legendären Musikers Spencer Davis. „Wir haben zusammen gejammt und irgendwann war es seine Show“, erinnert sich Charles. Vom damaligen Bammel ist nichts geblieben: Routiniert singt er seine zumeist melancholischen Songs, vom Verlassenwerden, von Liebeskummer wie im Walzer „You don‘t deserve her“, zu dem auf dem Kiez nachts um drei schon mal die Pärchen schwofen. Die gut gelaunte Interaktion mit dem Publikum hat der Mittvierziger wohl auch dort gelernt, und er schätzt sie genauso wie die Kontakte mit der internationalen Musikszene, die ihn irgendwann in Hamburg gehalten hat.

Von der Rotenburger Kneipe ist Charles mehr als angetan: „Familiärer geht es kaum, höchstens bei den Leuten im Wohnzimmer“, schmunzelt er. Genau wie in Hamburg fasziniert ihn neben dem persönlichen Kontakt eins immer wieder: „Die Zuhörer lassen sich auf Livemusik ein, die sie gar nicht kennen und hören wirklich zu!“ Das gilt für den gesungenen Trinkspruch für die Kumpels in Tasmanien ebenso wie für druckvollere Songs wie „I will not break you“, in dem er Drogenkonsum thematisiert oder seine bereits 1989 entstandene Hommage an Michelle Pfeiffer: „Damals habe ich eine Klassenarbeit geschwänzt, um mir das Video von ‚Gefährliche Liebschaften‘ anzusehen und dazu dieses Lied zu schreiben.“

Auch dank der einfühlsamen Leadgitarre von Bernd Kühl, der mit seinen zuweilen an Pink Floyd erinnernden Soli die Melodien instrumental weiterspinnt, und seiner Backing Vocals, überträgt sich die Leidenschaft des Duos für die eigene Musik aufs Publikum, darunter einige lokale Musiker. Jörg Meyer, Schlagzeug-Dozent unter anderem einiger Jazz-Workshops, ist voll des Lobes: „Ich hatte mir vorab einige Videos angesehen. Aber live sind die beiden, auch im Sound, einfach noch besser!“ Mal bluesig, mal dynamisch wie im Protestsong „This is my march“: Seinen Weg hat Charles längst gefunden – nicht nur musikalisch, sondern gottlob an diesem Abend auch nach Rotenburg.

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