Australier Kaurna Cronin bringt ernsthafte Klänge in der Michaelskirche

Abseits des Klischees

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Der intime Rahmen der Michaelskirche bot Platz für Nachdenkliches; Interaktion mit dem Publikum war eher mühsam.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Müssen erst die Glocken läuten, damit die Menschen gemeinsam in der Kirche Musik hören? Es geht auch anders. Das zeigte der Gig des Australiers Kaurna Cronin am Mittwochabend in der Michaelskirche.

Das erste Konzert der „Songs & Whispers“-Reihe an dieser Stelle war für alle Beteiligten ein Testballon in Sachen Kultur. Nach dem Erfolg des Stiftungskonzerts mit Thorsten Finner und dem Theater Metronom zum 50-jährigen Bestehen war dem Kirchenvorstand klar: „Wir wollen neue Wege gehen. Kirche soll auch jenseits von Beerdigungen und Gottesdiensten ein Ort der Begegnung sein“, so Frank Lumplesch vom Kirchenvorstand. So kam die Suche der Organisatoren von „Songs & Whispers“ nach neuen Spielstätten in der Umgebung – die langjährige Zusammenarbeit mit dem „StrandHouse“ am Weichelsee war vor rund einem halben Jahr vorerst zum Erliegen gekommen – ein willkommener Anlass für einen Pilotversuch.

Trotz recht kurzfristiger Ankündigung und der Tatsache, dass die Veranstalter der Reihe für vielversprechende Singer-Songwriter aus dem Ausland sich mit dem Konzert am Sonnabend im Aromatico quasi selbst Konkurrenz machten, fanden mehr als 100 Anhänger intelligent gemachter Live-Musik den Weg in das Gotteshaus. Sie erlebten einen ernsthaften jungen Mann an Gitarre, Mundharmonika und den Stimmbändern, der nur auf den ersten Blick ins Klischee des „australischen Beachbums“ passen wollte. Denn Cronin, der sich auch einige Monate lang in Berlin als Straßenmusiker versucht hatte, brachte erstaunlich nachdenkliche Töne aufs Tapet und ins Mikro. Das war, gab er später zu, wohl auch der Location geschuldet. Die verarbeiteten Themen – Krebstod der mütterlichen Freundin, die ihre Beerdigung zu einem Fest für das Leben macht, der Wegzug der ersten Bandmitglieder, die ihr Glück statt im Heimatdorf in der Großstadt suchen, oder das Dilemma, dass man als Kontrollfreak nicht wirklich frei sein kann – das alles schlug sich nicht nur in den Texten, sondern auch musikalisch nieder.

Die Kirche ist auch für den Australier, der zum vierten Mal in Deutschland tourt, ein besonderer Spielort. Vor wenigen Tagen noch mit kompletter Band eher rockig im Zelt der Breminale, gibt er sich nun zurückgenommener. „Man spielt automatisch langsamere Songs“, erklärt er in der Pause, und zum Soloauftritt: „Allein musst du die Lücken füllen, musst von der Energie der Zuschauer zehren anstatt sich als Band gegenseitig zu befruchten.“ Das gelang im Dunkel der nur spärlich ausgeleuchteten Kirche nicht immer. Die eingeforderten Zuschauerchöre wollten weder bei den eigenen Songs noch bei Covern wie Paul Simons „Slip Sliding away“ zünden.

Nichtsdestotrotz: Nicht nur die Organisatoren von Kirche und Veranstalter werteten die beiden intensiven Stunden mit einem hörenswerten Solisten als Erfolg. Auch Veranstalter Marcus Henke gab sich zufrieden: „Momentan schicken wir jährlich von 2500 Bewerbern 24 Künstler auf Tour; in Zukunft werden wir wohl auf 36 erhöhen, so sehr ist der Bedarf in den letzten sechs Monaten gestiegen.“ Lob für Cronin gab’s auch von Lokalmatador Thorsten Finner, der dort vor wenigen Monaten das Stiftungskonzert bestritten hatte: „Ein super Typ – und ich hätte nicht gedacht, dass so viele Rotenburger mitten in der Woche spontan kommen.“

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