Eröffnung im Rathaus

Ausstellung zu NSU-Verbrechen setzt ein Zeichen

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Bürgermeister Andreas Weber (SPD, v.l.) sowie die beiden BBS-Lehrer Matthias Wiemann und Joachim Hickisch haben am Dienstag in kleinem Rahmen die Ausstellung eröffnet, hoffen aber auf großes Interesse im Rathaus.

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sind immer noch unfassbar. Zehn Menschen sollen der rechtsradikalen Terrorzelle in den Jahren von 2000 bis 2007 in einer bis dahin beispiellosen Mordserie an Migranten und einer Polizistin zum Opfer gefallen sein.

Auf das Konto des NSU sollen darüber hinaus Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle gehen. Im Rathaus der Stadt Rotenburg ist jetzt eine Ausstellung mit dem Titel „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ zu sehen. Im Anschluss wandert sie für weitere zwei Wochen in die Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg.

Eigentlich hatten die beiden BBS-Lehrer Matthias Wiemann sowie Joachim Hickisch die Ausstellung ausschließlich für die BBS nach Rotenburg geholt. Aber: Dort ist gerade erst eine weitere Ausstellung gestartet – mit Blick auf den Aktionstag am Freitag im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Diese Ausstellung trägt den Titel „geflohen, vertrieben, angekommen!?“. Da fehlt zurzeit also der Platz. „Ich bin dankbar, dass wir helfen dürfen“, sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Und somit ist die NSU-Ausstellung erst einmal im Rathaus zu sehen. Es handelt sich um eine Wanderausstellung des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB).

In zahlreichen Texten und durch Fotos bietet sie eine Reihe von Blickwinkeln auf die Geschichte und die Verbrechen des NSU. Mal geht es um die polizeilichen Ermittlungen, dann um die Frage, wie Rassismus und Vorurteile diese prägten, um die gesellschaftliche Aufarbeitung, sehr ausführlich um die Angehörigen der Mordopfer unter der Überschrift „Elf Jahre durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein“ sowie um neonazistische Terrorkonzepte und die Finanzierung des rassistischen Terrors. Auch das Netzwerk des NSU findet in dieser Ausstellung seinen Platz. Und die Opfer selbst kommen ebenfalls nicht zu kurz. Die Ausstellung ist von Birgit Mair erstellt und bis jetzt in mehr als 120 Orten in Deutschland gezeigt worden.

Ausstellung als eine Art Mahnmal begreifen

Als von 2011 an das Ausmaß der Taten nach und nach ans Tageslicht kam, war Andreas Weber noch nicht Bürgermeister in Rotenburg, sondern Leiter des Landeskriminalamtes in Bremen. „Das alles hat mich sehr stark bewegt“, sagt er bei der Eröffnung der Ausstellung. Es sei ganz wichtig, so etwas in dieser Form darzustellen. Er sieht in der Ausstellung eine Art Mahnmal. Es gelte, die Augen offen zu halten, denn Terror dieser Art sei von links und von rechts möglich. Weber: „Mit dieser Ausstellung wird ein Zeichen gesetzt.“

Genau das wollen auch die Schüler und Lehrer der BBS, der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, deren Pate Andreas Weber ist. In dieser Woche besuchen mehrere Klassen das jüdische Museum in der Cohn-Scheune, sie besuchen Lesungen in der Schule und bereiten sich auf den Aktionstag am Freitag vor. Die Rotenburgerin Rigbe Grube, vor mehr als 30 Jahren aus Eritrea geflüchtet, wird dann im großen Plenum über ihre Erfahrungen als Flüchtling und auch darüber berichten, wie sie in Rotenburg „angekommen“ ist.

„Rote Karte“ für den Rassismus

Darüber hinaus wollen alle Beteiligten dem Rassismus im wahrsten Sinne des Wortes die „Rote Karte“ zeigen und außerdem auch auf 75 zur Verfügung gestellten Platten mit klaren Worten Stellung gegen Rassismus beziehen. Diese Platten sollen, so Wiemann und Hickisch, im Außenbereich der Schule dauerhaft ihren Platz finden. Der Projekttag ist Abschluss einer ganzen Woche, in der das Thema die Schüler und Lehrer begleitet – und zwar auf vielen Ebenen. 

So gebe es beispielsweise einen Workshop mit Blick auf die im vergangenen Jahr geänderte Schulordnung der BBS. Diese verbietet das Tragen von Nazi-Symbolen. Doch es geht eben nicht nur um die offensichtlichen, sondern vor allem auch um die versteckten Zeichen. Die Änderung der Schulordnung war vom Schulvorstand sowie von der Gesamtkonferenz einstimmig beschlossen worden, betonen Wiemann und Hickisch.

In zwei Wochen geht dann die Ausstellung des VdK mit dem Titel „geflohen, vertrieben, angekommen!?“ zu Ende. Gleich im Anschluss daran geht es dann mit der Ausstellung zum NSU weiter. Ganz so, wie es ursprünglich vorgesehen war.

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