Ausnahmejahr 2018 

Landwirt spricht über die Trockenheit und die Folgen für den Ackerbau

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Passend zum Thema regnete es beim Fototermin mit Mark Schunert. Jetzt ist aber bereits das nächste Hoch angebrochen, die Landwirte müssen hohe Ertragsverluste auf ihrem Ackerland hinnehmen.

Rotenburg/Visselhövede - Von Joris Ujen. Endlich Regen. Aber reichten die zwei Tage aus, um die Landwirte im Landkreis Rotenburg eine halbwegs ertragreiche Getreideernte zu bescheren? Mitnichten, berichtet Mark Schunert aus Visselhövede.

Der Landwirt, der neben einer Schweinemast auch 200 Hektar Ackerland mit Getreide, Mais und Raps bewirtschaftet, rechnet mit Einbußen von „30 bis 50 Prozent“. „Es ist ein regionales Problem“, so der 37-Jährige. Für ihn ist die akute Trockenheit, die seit drei Monaten anhält aber kein Grund zum Jammern: „Wir leben mit der Natur. Das Wetter können wir nicht beeinflussen. Dieses Jahr gab es einfach viel zu wenig Regen.“

Dennoch hat Schunert so eine Dürreperiode noch nie erlebt. „Es ist ein Ausnahmejahr.“ Den Klimawandel dafür als Erklärung zu nehmen, ist für ihn die falsche Antwort. Vielmehr ist diese Periode einfach von der Natur gegeben, 2003 beschäftigte eine ähnliche Trockenheitsphase die Landwirte, sagt Schunert. 

Die Gerste auf seinem Acker wurde bereits im Juni gedroschen, „so früh habe ich das noch nie erlebt“. Tatsächlich brachte sie 50 Prozent weniger Ertrag ein als im Durchschnitt, bilanziert der Landwirt. „Das ist hier in der Region auch übergreifend so gewesen.“ Starkregen ist auch keine Lösung, da der Boden größere Mengen irgendwann nicht mehr aufnehmen kann und das Wasser in die tieferen Schichten bis zum Grundwasser gelangt.

„Es gibt schon Totalverluste“, sagt Schunert

Die anderen Kulturen werden seiner Fachkenntnis nach ähnlich schlechte Erträge liefern. Der kurzzeitige Niederschlag helfe nur noch der Kartoffel, der Zuckerrübe und dem Mais. Letzterem aber auch nur, wenn er nicht schon vertrocknet und gerade mal einen Meter hoch ist. Schunert: „Da gibt es auch schon Totalverluste zu verzeichnen.“ Im Gegensatz zur Kartoffelernte. Die wird laut dem Visselhöveder aber auch überwiegend bewässert, was allerdings kostspielig ist. 

Deswegen verzichtet Mark Schunert auf eine „Beregnung“ seiner Ackerflächen, „es rentiert sich einfach nicht“. Ein Millimeter der Bewässerung kostet ungefähr drei Euro pro Hektar. Rund 80 Millimeter sind für Getreide vonnöten. „Da die Beregnung nur bei Sonnenschein gemacht wird, muss man zudem mit einer Verdunstung von 30 bis 50 Prozent rechnen“, sagt Schunert, der seit sechs Jahren den Familienbetrieb in Visselhövede leitet. 

Für ihn sind die Ertragsverluste ärgerlich, viel gravierender sei die Trockenheit allerdings für die Futterbaubetriebe, sprich die Milchviehbetriebe. „Weil die haben ja in diesem Jahr fast noch gar nicht ihr Grundfutter (Gras und Silomais, Anm. d. Red.) geerntet. Als Schweinemäster muss Mark Schunert Futter zukaufen.

Auch in anderen EU-Ländern wird die Ernte schlecht ausfallen

Die kurze Regenphase ist nun vorbei und das Hoch werde laut Wetterprognosen in Deutschland lange anhalten. Anders in Südeuropa: In Spanien und Italien zum Beispiel gab es bisher mehr Niederschlag als in den vorangegangenen Jahren, erzählt Schunert. „Neueste Zahlen belegen, dass die Gesamterträge aller 28 EU-Länder aber dennoch niedriger ausfallen, wie im letzten Jahr.“ Laut Schunert muss aber keiner Angst haben, dass er keine Brötchen mehr kriegt. „Das wird nicht passieren. Es gibt genügend Vorräte.“

Jetzt beginnt für die meisten Landwirte die Raps- und Getreideernte, die bis zu drei Wochen andauern kann. Der Mais ist Anfang September an der Reihe – zwei Wochen früher als sonst üblich, schätzt Schunert. Festzuhalten ist: „Ein kontinuierlicher Niederschlag hat einfach gefehlt. Hätten wir im Mai und Juni mehr Regen gehabt, wäre der Ertrag ein normaler.“

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