Diakonieklinikum erhält niedersächsischen Gesundheitspreis für Kidstime-Workshops

Ausgezeichnete Familienhilfe

Heinrich Hahn, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums (l.) und Psychologe Henner Spierling arbeiten daran, den Umgang in Familien mit psychischen Erkrankungen zu erleichtern. Dafür sind sie vom Land nun ausgezeichnet worden. - Archivfoto: Quebe

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wie Familien mit psychischen Erkrankungen umgehen können, wird am Rotenburger Diakonieklinikum in vorbildlicher Weise vermittelt. Dieser Meinung sind die Landesregierung sowie die AOK, die Apothekerkammer und die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen. Sie haben am Montag gemeinsam in Hannover zum sechsten Mal den Gesundheitspreis des Landes vergeben. Das Diako ist für seine Kidstime-Workshops zum ersten Mal unter den Preisträgern.

Vater-Kind-Kuren, Telemedizin für Schwerhörige und Familientherapie für psychisch Kranke – diese kreativen Ideen in der Gesundheitsförderung hat Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) am Nachmittag ausgezeichnet. Der Preis ist mit jeweils 5 000 Euro dotiert. Neben dem Diakonieklinikum sind die Fachklinik Thomas Morus auf Norderney und die Medizinische Hochschule Hannover prämiert worden.

In Rotenburg gibt es das Kidstime-Projekt unter der Leitung des Psychologen Henner Spierling im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) seit Anfang 2015. Kindern psychisch erkrankter Eltern, von denen es im Landkreis rund 5 000 geben soll, wird eine Plattform angeboten, die kindgerechte Erklärungen und Entlastung durch gemeinsame Aktivitäten und Orientierung anbietet, heißt es in einer Eigendarstellung des Diako. An jedem letzten Freitag im Monat treffen sich die Familien um 16 Uhr im Tine-Albers-Haus. Zunächst geht es in großer Runde los, bevor die Kinder ab zwei Jahren und ihre Eltern in getrennten Gruppen weitermachen. Das Projekt bringt eine Kooperation von verschiedenen Fachleuten mit sich, zum Beispiel Psychologen, Ergotherapeuten, Kunsttherapeuten und Physiotherapeuten. „Sie treten aber nicht als Fachleute in Erscheinung, sondern als stabile Ansprechpartner“, erklärt Spierling das Prinzip. Sie sollen besser über Probleme sprechen können. Mit den Eltern werde vor allem über Gespräche gearbeitet, zu unterschiedlichen Themen, immer stünden die Kinder im Fokus. Beim Nachwuchs gehen die Therapeuten spielerisch an die Sache. „Wir arbeiten häufig mit Sketchen oder produzieren kurze Filme“, so Spierling. Das jeweilige Thema werde in einer Vorübung erarbeitet.

Das Diako hat gute Erfahrungen gemacht: 95 Prozent der Befragten aus den Workshops finden diese sinnvoll und kommen gerne wieder, heißt es. Heinrich Hahn, Ärztlicher Leiter des SPZ, freut sich über die Auszeichnung mit dem Gesundheitspreis: „Uns ist es wichtig, dass die betroffenen Familien an Kidstime-Workshops als niedrigschwelligem Angebot ohne große Hürden und Anträge teilnehmen können. Das Projekt wird sehr gut angenommen. Kidstime-Workshops schaffen Entlastung für die Familien. Sie geben Kindern ein Forum, in dem sie sich austauschen können und Belastungen besprechen und abbauen können. Da das Ganze auch noch Spaß macht, sind Kidstime-Workshops so erfolgreich.“

Psychologe Henner Spierling spielt den Ball weiter: „Vor allem haben die teilnehmenden Familien diesen Preis verdient – für ihre Ideen, ihre vielfältigen Stärken und die Offenheit, mit der sie die Kidstime-Workshops mit Leben füllen. Auch deren zumeist positives Feedback ist uns eine wichtige Auszeichnung.“

Diako-Geschäftsführer Rainer W. Werther zählt mit der gestrigen Preisvergabe in Hannover auf einen Schub, um das Angebot ausbauen zu können: „Mit Blick auf die steigende Zahl an psychischen Erkrankungen hoffen wir, dass dieses Therapieangebot für Betroffene und deren Kinder in Niedersachsen zukünftig eine stärkere Verbreitung finden wird.“

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