Auktionstag: Auf der Spur der „jungen Gebrauchten“

300 Autos in drei Stunden

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Was passiert mit aufgekauften Gebrauchtwagen? Viele landen im Auktionszentrum.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Manch ein Autointeressent mag sich schon gewundert haben, warum bei etlichen Vertragshändlern nur noch Jahreswagen oder „junge Gebrauchte“ stehen – auch im Landkreis Rotenburg. Nur hin und wieder noch die für kleines Geld mit vielen Kilometern. Wo sind sie hin? Wir haben eine Spur verfolgt. Sie endet im Hamburger Hafen.

Die Insel Kattwyk liegt mitten im Hamburger Hafengebiet. Sie ist inzwischen nahezu ein reiner Umschlagplatz für Autos. 12000 bis 15000 sind dort in der Regel geparkt. Neuwagen aller Fabrikate, überwiegend nagelneu und noch folienverpackt. Manche Autovermieter lassen ihre Leihfahrzeuge gleich für den Gebrauch vorbereiten. Einmal in der Woche aber ist auch Auktionstag. Dann werden 300 bis 500 Gebrauchtwagen im Sekundentakt an den Käufer gebracht. Angeliefert und aufgekauft von Händlern. Private Interessenten haben dort keinen Zugriff. Dabei sind auch Ver- und Aufkäufer aus dem Landkreis Rotenburg.

Los geht es um 10 Uhr. Eine ansehnliche Auktionsbühne ist in einer Halle aufgebaut, die Auktionatoren und ihre Helfer nehmen Platz. Ihnen gegenüber die Käufer, fast ausschließlich Gebrauchtwagenhändler. Jeder Wagen wird direkt vor die Bühne gefahren und aufgerufen. Es gibt ein Mindestgebot, das an zwei Bildschirmen angezeigt wird. Und dann wird gesteigert. Ein Angebot bleibt maximal 15 Sekunden stehen, dann kommt entweder ein neues oder der Zuschlag fällt.

Das Besondere: Es bieten nicht nur die Anwesenden mit, sondern zeitgleich wird im Internet mitgesteigert. Auch diese Zahlen erscheinen auf dem Bildschirm. Zack, zack geht das; derweil sich die Auktionatoren den Mund fusselig reden, um ihre Ware möglichst gut an den Mann. Nach jeweils 45 Minuten zu zweit übernehmen zwei andere Versteigerer.

Es bieten auch schon mal Autohändler aus Deutschlands Süden, aus Polen, Nordafrika oder dem Vorderen Orient mit. Die Preise der Autos liegen zwischen 1000 und 65000 Euro. Die billigen gehen genauso weg wie die teuren Schlitten. Manche Händler schicken ihre „alten Gebrauchten“ gleich hierhin, da der Verkaufsaufwand zuhause zu groß wäre. Andere schicken alles, was länger als 90 Tage auf dem Hof steht. Und praktischer Weise legt hier auch direkt das Schiff an, das Gebrauchtwagen für Afrika lädt.

Es gibt nahezu jedes Fabrikat. Und wenn’s mal hakt, fordert der Auktionator: „Leute, das ist zu wenig! Da muss noch mehr kommen!“ Meistens mit Erfolg. Die anwesenden Händler aus dem heimatlichen Landkreis, die ihre Wagen hier zur Versteigerung haben bringen lassen, zittern mit und freuen sich, wenn ihre Mindesterwartung übertroffen wird. Nach gut drei Stunden ist alles vorbei. Die meisten der 287 Autos sind verkauft. Innerhalb der nächsten Woche müssen sie vom Hof sein, denn dann geht‘s wieder von vorne los.

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