Verhandlungen über Fundtiere

Rotenburger Tierschutzverein legt Zahlen vor: Aufgeräumt in allen Bereichen

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Silke Wingen und ihr Team haben viel in die Renovierung der Tierheim-Anlagen investiert.

Mulmshorn - Von Michael Krüger. Sie habe nichts zu verbergen, betont Silke Wingen immer wieder. Nach den Querelen um ehemalige Vorstandsmitglieder und die Vereinsversammlung am Wochenende, zu der die Öffentlichkeit nicht zugelassen war, legt die Vorsitzende des Rotenburger Tierschutzvereins am Dienstagnachmittag die Karten auf den Tisch.

Vereinsvermögen, die umfangreichen Sanierungsarbeiten auf dem zum großen Teil verwahrlosten Tierheimgelände in Mulmshorn, das umstrittene Mietverhältnis mit ihrem Mann im Tierheimgebäude – Wingen gibt auf alle Fragen Antworten. Aber wie lange der Verein finanziell noch durchhalten kann, kann sie nicht sagen. Vielleicht nur noch ein paar Monate.

Die Zusammenstellung der Vereinsfinanzen mit Stand vom 2. November fällt für die rund 250 zahlenden Mitglieder des Vereins und die vielen Freunde und Unterstützer noch einmal dramatischer aus als sowieso schon befürchtet: 38.058,64 Euro sind in der Kasse. 

Bei monatlichen Kosten in Höhe von 8 .000 bis 9 .000 Euro allein für den Betrieb des Tierheims ist man dringend auf neue Einnahmen angewiesen. Doch die sind über Mitgliedsbeiträge und Spenden derzeit nicht in Sicht. 

Die „einzige Option“, wie Wingen sagt, ist, dass der Tierschutzverein wieder den Zuschlag für die Versorgung von Fundtieren bekommt. Die Vereinbarung mit den Kommunen im Altkreis war unter der ehemaligen Vorsitzenden Regina Buchhop 2017 gekündigt worden. Die Gründe sieht der heutige Vorstand, der seit dem Wochenende mit Imke Toll, Ramona Hartmeister, Meike Körting und Schatzmeister Martin Patzwald wieder komplett ist, als „vielschichtig“ an.

Der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt, wie viel die Helfer beim Aufräumen des Geländes geleistet haben.

Ausschlaggebend sei das fehlende Finanzmanagement und die Unordnung auf dem Gelände gewesen. Buchhop sei unbestritten eine Tierfreundin, aber der Betrieb des Tierheims sei ihr „über den Kopf gewachsen“, deutet der Vorstand an. Die Gebäude seien heruntergekommen gewesen, das Außengelände in schlechtem Zustand, in den Futtercontainern habe es eine „Rattenplage“ gegeben. Nicht einmal die Toilette im Bad sei richtig angeschlossen gewesen. Die meisten Wände des immer wieder erweiterten Gebäudes aus den 60er-Jahren nass und schimmelig.

Wingen und ihr Team hatten sich zu den Zuständen und den Strukturen im Tierheim und im Verein monatelang nicht geäußert. „Wir wollten keine Schlammschlacht“, beteuert die gebürtige Nordrhein-Westfälin. Stattdessen habe man nicht nur sprichwörtlich im Müll und Dreck gewühlt und mit vielen Helfern aufgeräumt. 

Ein Wochenende im Juni, eins im Oktober, mehrere Container Schutt und Müll, Baumfäll- und Baggerarbeiten, die Renovierung des Gebäudes: Wer sich heute vor Ort umschaut, entdeckt nicht mehr viel von den Zuständen, die Wingen fotografisch dokumentiert hat. Mehr als 800 Arbeitsstunden haben die Unterstützer geleistet, rechnet sie vor: „Wäre das alles offiziell gelaufen, hätten wir es in zehn Jahren nicht zahlen können.“ 

So aber seien nur Kosten von 4. 828 Euro für das Außengelände und 763 Euro für die Wohnung entstanden. Für diese, einst ohne Genehmigung auch für die Unterbringung von Kleintieren und Hunden genutzt, zahle Wingen mit ihrem Mann nun 350 Euro Kaltmiete. „Eine wichtige Einnahmequelle für den Verein“, betont sie. Ihr Mann ist zudem beim Verein angestellt, erhalte den Mindestlohn. Sie selbst arbeite ehrenamtlich, sowohl als Tierheimleiterin als auch als Vereinsvorsitzende.

Wingen ist optimistisch

Zum Vereinsvermögen zählt zudem der „Gnadenhof“ in Minstedt und ein geerbtes Ferienhaus im Eurostrand Fintel. Beides wird verkauft. Für die Tieroase gibt es einen Käufer, dem Verein bleiben vom Verkaufswert von 95 .000 Euro jedoch nur 7.190 Euro, weil auf dem Gebäude noch ein Nießbrauch liegt. 

Und für das Ferienhaus ist ein Makler eingeschaltet, vielmehr als „Grundstück minus Abrisskosten“ seien dafür aber auch nicht zu erwarten. Immerhin, so die Vorsitzende, würden beide dann nicht mehr durch hohe Fixkosten das Vereinsvermögen weiter schrumpfen lassen.

Nachdem nun Tierheim und Buchhaltung aufgeräumt wurden, ist Wingen optimistisch, wieder in die Aufnahme von Fundtieren eingebunden zu werden. Mit Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Ordnungsamtsleiter Frank Rütter seien bereits zwei Gespräche geführt worden. 

Eine neue Betriebserlaubnis für vier Hunde und bis zu 50 Katzen zur Unterbringung liege vor, im kommenden Jahr könne man in einem neuen Gehege auch wieder Kaninchen und Meerschweinchen unterbringen. Politische Unterstützung habe Frank Westermann (CDU) als Ortsrats- und Stadtratsmitglied und Freund des Vereins signalisiert. Doch allzu viel Zeit bleibt nicht – die finanzielle Decke ist nicht hoch. Der Verein hat mittlerweile ganz offiziell beantragt, zum 1. Januar wieder Rotenburger Fundtiere aufnehmen zu dürfen.

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