320 000 Euro für Verbesserung der Aufenthaltsqualität

Aufbauhilfe für die Rotenburger Innenstadt

Der Rotenburger Stadtstreek
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Der Stadtstreek gehört zu den Bereichen, die im Zuge der Förderung eine Aufwertung erfahren könnten.

Die Wümmestadt hat die Möglichkeit, 320 000 Euro aus dem „Sofortprogramm Perspektive Innenstadt“ des Landes für die Innenstadtverbesserung zu erhalten. Jetzt muss schnell ein Konzept erstellt werden.

Rotenburg – Rotenburgs Innenstadt soll schöner werden. Das ist kein neues Motto, dies hat sich die Stadtverwaltung gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus der Innenstadt bereits seit Monaten auf die Fahnen geschrieben. Viele Ideen wurden im Rahmen Runder Tische gesammelt und erörtert, einzelne schon umgesetzt – zum Beispiel die Bepflanzung der neuen Blumenkästen. Jetzt erhält das Projekt frischen Wind: Die Wümmestadt kann 320 000 Euro aus dem „Sofortprogramm Perspektive Innenstadt“ des Landes Niedersachsen erhalten.

Dazu braucht es keinen Ratsbeschluss und lange Diskussionen, denn Stichtag für den Antrag auf das zunächst virtuelle Budget ist bereits am 15. Juli. Bis September gehen dann die Bescheide raus, in deren Rahmen ab Oktober Einzelprojekte bei der NBank beantragt werden können. Das Land möchte Städten sowie Samt- und Einheitsgemeinden ab 10 000 Einwohnern mit einer Finanzspritze helfen, die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern.

Es stellt 117 Millionen Euro aus der EU-Aufbauhilfe „Reacht EU“ (Recovery Assistance for Cohesion and the Territories of Europe) zur Verfügung, mit nach Einwohnerzahl gestaffelten Budgets. Das Land gibt weitere gut 70 Millionen Euro dazu, sodass insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit sollen Innenstädte zukunftssicher gemacht werden. Die Städte und Gemeinden können kurzfristig Projekte anschieben. Voraussetzung: Alle müssen bis März 2023 umgesetzt sein.

Mehr Bewusstsein für den lokalen Handel

Es sei aber kein „Windhundrennen“, so Erste Stadträtin Bernadette Nadermann. Wer dabei sein möchte, kann sich erst mal mit seinen Ideen die Gelder sichern und „dann die Projekte entwickeln und auf den Weg bringen“. Um ein Konzept zu erstellen, haben sich Nadermann und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) mit weiteren Rathaus-Mitarbeitern sowie Politikern fast aller im Stadtrat vertretenen Parteien sowie Vertretern vom RWF, der IG City-Marketing, der AGG Goethestraße, dem Nabu sowie dem ADFC Kreisverband im Heimathaus zusammengesetzt, um Ideen zu bündeln. Dabei konnten sie auf einiges aus zurückliegenden Treffen zurückgreifen, neue Ideen sind entstanden.

Projekte, die bisher aus finanziellen Gründen geschoben wurden, können nun schneller anlaufen. Sie sollen die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöhen – so halten sich die Menschen dort länger auf, nutzen Gastronomieangebote und bummeln durch die Geschäfte. Und auch für die Jugend sei dieser Treffpunkt wichtig, erklärt Weber: Das hatte eine Umfrage ergeben.

Es geht auch darum, das Bewusstsein für den lokalen Handel zu schärfen. „Es ist für jeden vorteilhaft, vor Ort einzukaufen – wenn nicht, kauft man hier irgendwann gar nicht mehr ein“, verdeutlicht Weber. Schwund bedeutet auch geringere Steuereinnahmen, weniger Geld für Infrastruktur, eine erforderliche Erhöhung der Grundsteuer – um nur einige Auswirkungen zu nennen.

Insgesamt gibt es sechs Handlungsfelder, in denen die Stadt aktiv werden kann:

  • Konzepte und Strategien : Es könnte beispielsweise eine Zeitreise durch Rotenburg realisiert werden, ähnlich der Blaudrucktour in Scheeßel. Touristen und Einheimische können an markanten Punkten mit ihrem Smartphone Informationen abrufen. Auch ist ein Konzept für den Neuen Markt sowie den Stadtstreek denkbar – Bereiche, die weiter aufgewertet werden könnten. Auch die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft stehe im Raum, „schon lange eine Forderung des Rotenburger Wirtschaftsforums“, sagt Weber.
  • Maßnahmen gegen Leerstand und „Problemimmobilien“: Darunter fallen Ideen wie Pop-up-Stores (kurzfristige, provisorische Geschäfte), Start-ups (Unternehmensgründungen) und Coworking-Spaces (verschiedene Arbeitnehmer, die sich ein Großraumbüro teilen). Alles unter dem Motto „Rotenburg, die unkomplizierte Gründerstadt“, so Weber.
  • Handel und Dienstleistungen: Viele Ideen sind für diesen Bereich zusammengekommen. Gastroscheine analog zum Rotenburger Zehner oder ein digitales Kaufhaus, also von Zuhause aus gucken, was es in Rotenburg gibt. Hol- und Bringdienste per Lastenrad sowie eine Beschilderung zu örtlichen Sehenswürdigkeiten waren im Gespräch. Auch wichtig: größere Mülleimer, vielleicht mit einem Presssystem im Inneren, betrieben über eine Fotovoltaikanlage auf dem Deckel.
  • Kultur, Freizeit und Tourismus: Hochbeete „aus denen man sich mal ein Radieschen ziehen kann“, so Weber, vielleicht mit Patenschaften. Weitere Vorschläge sind Wasserspiele insbesondere für Kinder oder Wasserspender. Das Veranstaltungsmanagement könnte personell verstärkt und die Strom- und Wasserinfrastruktur für Veranstaltungen verbessert werden. Auch war eine Idee, den Bewegungspark hinter dem Stadtspeicher auf den Kirchhof zu verlegen, auf dem derzeit bei schönem Wetter oft Boule gespielt wird. Hinter den Stadtspeicher könnte dann ein Spielplatz kommen, da sich dort oft Familien aufhalten.
  • Natur und Klimaschutz: Das fünfte Handlungsfeld ist besonders wichtig: 25 Prozent des zur Verfügung gestellten Budgets müssen für Natur und Klimaschutz verwendet werden. Im Gespräch sind Baumpatenschaften, mehr Begrünungen, neue Fahrradabstellplätze, überdacht mit Solaranlagen zum Laden von E-Bikes. Auch der Burgberg könnte aufgewertet werden oder ein Rundweg um den Ententeich an der Nödenstraße angelegt.
  • Verkehr und Logistik: Eine Idee ist die Kooperation mit dem neu eröffneten Fahrradladen der Rotenburger Werke am Pferdemarkt: Gemeinsam könnte man Leihräder zur Verfügung stellen, zum Beispiel für Touristen, die die Umgebung erkunden möchten. Auch hier ist der Fahrrad-Lieferdienst wieder aufgeführt – es gibt also zwischen den einzelnen Handlungsfeldern auch viele Verbindungen.

Die Palette der Ideen ist lang. Der Stadtverwaltung erstellt nun anhand der gesammelten Ideen eine Prioritätenliste nebst Kostenschätzungen, um fristgerecht den Antrag einzureichen. Beratende Unterstützung bietet das Amt für regionale Landesentwicklung (ARL). Die Stadt wolle im Zuge der Förderung lieber mehrere Projekte realisieren, die schnell umgesetzt werden können. „Die Förderung ist jetzt ein toller Anreiz.“

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