Stadtradeln beginnt

ADFC-Chef sieht viele Fortschritte für Radfahrer in Rotenburg

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Für ADFC-Chef Manfred Petersen gibt es noch manche Baustelle beim Thema Rad fahren in der Kreisstadt. Insgesamt sieht er Rotenburg aber gut aufgestellt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Er ist kein Star mehr. Nach zwei Jahren macht Manfred Petersen den Weg frei für andere. Der 66-Jährige, Chef des Kreisverbandes des Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Clubs (ADFC) und Vorsitzender des Arbeitskreises Fahrrad in Rotenburg, fährt zwar immer noch vorne weg, wird beim am Sonntag beginnenden dritten „Stadtradeln“ aber nicht wieder als „Star“ der Aktion seinen Autoschlüssel abgeben.

Zwei Nachfolgerinnen springen ein. Eindringlich werben fürs Umsteigen aufs Zweirad möchte er trotzdem weiterhin. Und damit stößt er in der Rotenburger Politik und bei den Bürgern beileibe nicht auf taube Ohren. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, was die Investitionen der Stadt betrifft“, lobt der pensionierte Technische Aufsichtsbeamte, der einst auf den landwirtschaftlichen Höfen der Region nach dem Rechten schaute. 

60 000 Kilometer musste er dafür jährlich mit dem Auto quer durch Norddeutschland fahren, erst 2013 erkannte er bei einer morgendlichen Tour mit dem Rotenburger ADFC seine Passion fürs Fahrrad. Seitdem steigt er nur noch ungern ab, 6 000 Kilometer, schätzt er, sind es mittlerweile jährlich. 

Einen großen Teil davon, wenn die Familie nicht gerade mit dem Wohnmobil unterwegs ist, legt Petersen in und um Rotenburg zurück. Dass das mittlerweile sehr gut möglich ist, sei auf die konsequente Umsetzung des Radverkehrskonzepts der Stadt von 2013 zurückzuführen. 138 Einzelmaßnahmen auf etwa 60 Kilometern im insgesamt 130 Kilometer langen Rotenburger Radwegenetz waren in dem Gutachten vorgeschlagen worden. „Wir sind gut vorangekommen“, lobt Petersen.

Zweite Fahrradstraße wird eingeweiht

Zum Auftakt des dritten „Stadtradelns“ in Rotenburg wird am Sonntag um 14 Uhr die zweite Fahrradstraße der Kreisstadt und damit des Landkreises eingeweiht. Auf der Gerberstraße entlang der Schulen haben Radler künftig Vorrang. „Die Anwohner und Schüler werden davon profitieren“, ist Petersen überzeugt. Allerdings brauche die Umsetzung seine Zeit. Insbesondere Busfahrer müssten umdenken. 

„Auf Teufel komm raus“ lasse sich eben keine Fahrradstraße einrichten, sie müsse von allen Verkehrsteilnehmern akzeptiert werden, sagt Rotenburgs Vorzeigeradfahrer. Gerade deswegen sei es auch nicht so einfach, die „Dauerbaustelle“ Goethestraße umzuwandeln.

Zum Auftakt des Stadtradelns sollen aber zunächst die positiven Veränderungen für den Zweiradverkehr in Rotenburg in Erinnerung gerufen werden: ausgebaute Radwege wie Ebbers Kamp, Vorfahrtsregelungen bei Straßenquerungen, neue Bedarfsampeln wie vom Glumm kommend an der Verdener Straße, die zahlreichen Fahrradbügel im Kernbereich oder der geplante Umbau der Harburger Straße mit deutlich verbreiterten Rad- und Fußwegen.

Ausbau des Radwegenetzes zulasten der Autofahrer?

Andere Knackpunkte wie fehlende Anschlussmöglichkeiten am Bahnhof oder die gemeinsamen Fahrstreifen entlang der Verdener Straße würden dabei nicht ausgeklammert, so Petersen. Dass der Ausbau des innerstädtischen Radwegenetzes zulasten der Autofahrer gehe, wiegelt Petersen ab. „Es muss ein geregeltes Miteinander geben“, sagt er. Und auch die Fußgänger bräuchten ihre Bereiche. Eine Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer, wie oft gefordert, lehnt er vehement ab. „Im Kernbereich sind auch so alle Bereiche gut erreichbar.“

Stadtradeln: Zum dritten Mal beteiligt sich die Stadt von Sonntag an für drei Wochen am bundesweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses. 456 Teilnehmer waren bei der Premiere 2015 dabei, 699 waren es im vergangenen Jahr. Und die erradelten 2016 gemeinsam beachtliche 160 178 Kilometer – Rotenburg landete bundesweit bei 496 teilnehmenden Kommunen auf Platz 17 der Fahrradaktivsten, also der Kommunen mit den meisten Kilometern pro Einwohner. 

Die Organisatoren hoffen in diesem Jahr auf wenigstens 700 Teilnehmer. Rund 300 Radfahrer in 38 Teams hatten sich bis Dienstagabend registrieren lassen. Das geht vorab oder auch noch während der Aktion bis zum 16. September online oder im Rathaus im Info-Büro. Infos unter der Nummer 04261 / 71104.

www.stadtradeln.de

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