„OsteMed“-Geschäftsführer rechtfertigt Schließung

Notaufnahme und Intensivstation am MLK: Auch Landkreis zeigt sich überrascht

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„Ja zum MLK“ – das Faltblatt liegt noch im leeren Wartezimmer. Weil es an Fachärzten fehlt, um Notfallpatienten durch Internisten oder Chirurgen untersuchen und versorgen zu lassen, ist die Notaufnahme des Zevener Martin-Luther-Krankenhauses bis auf weiteres geschlossen worden.

Zeven - Von Guido Menker und Rainer Klöfkorn. Die von der Geschäftsführung der „OsteMed Kliniken und Pflege GmbH“ getroffenen „Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Patientensicherheit“ haben den Landkreis ebenso wie die Öffentlichkeit überrascht. Das teilt der Landkreis Rotenburg in einem Schreiben an die Presse mit. Inzwischen hat die Ankündigung des Geschäftsführers Sven Freytag vom vergangenen Freitag, bis auf Weiteres die Notaufnahme und die Intensivstation am Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) Zeven zu schließen, recht hohe Wellen geschlagen.

Wie die Sprecherin des Landkreises, Christine Huchzermeier, auf Nachfrage sagt, habe die Landkreisverwaltung die Nachricht erst kurz vor der Veröffentlichung erreicht. „Eine dauerhafte Schließung der Intensiv-Betreuung und / oder von Fachabteilungen sei mit den Maßnahmen nicht verbunden und so aufgrund der vertraglichen Regelungen zwischen dem Landkreis Rotenburg und den Elbe-Kliniken Stade-Buxtehude auch nur nach einstimmigen Beschlüssen der Gremien möglich“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Landrat Hermann Luttmann hat die Nachricht während seines Urlaubes in den Alpen erreicht: „Ich gehe davon aus, dass unsere Vertragspartner die Elbe-Kliniken und damit auch die Geschäftsführung ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen werden. Die Situation ist äußerst misslich, die Patientensicherheit hat aber allerhöchste Priorität.“ Das unterstreicht auch Kreisrat Sven Höhl: „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir früher informiert gewesen wären.“ Aber die Sicherheit der Patienten habe Vorrang. Höhl: „Ich gehe davon aus, dass es ein Notfall war.“ Nur so könne er sich diese kurzfristige Entscheidung erklären. Die Suche nach Personal sei das Kernproblem kleiner Krankenhäuser. In der Kreisausschusssitzung am 10. August werde die Geschäftsführung der „OsteMed“ ausführlich über die aktuelle Entwicklung berichten, lässt der Landrat mitteilen. Wie lange die Einschränkungen gelten werden, sei derzeit noch offen. Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, um den Engpass zu beheben, schreibt der Landkreis abschließend.

Keine Absprache wegen Zeitmangels

„OsteMed“-Geschäftsführer Sven Freytag habe die Entscheidung vom Freitag aus zeitlichen Gründen zuvor nicht mit dem Aufsichtsrat und der Gesellschaftversammlung der „OsteMed“ absprechen können, sagte er am Montag gegenüber der Bremervörder Zeitung. Erst am späten Donnerstagnachmittag sei es zu der für ihn „überraschenden Situation“ (Freytag) gekommen. Es habe sich ein Engpass in der ärztlichen Versorgung ergeben. Daraufhin habe sich die „OsteMed“ bemüht, einen Honorararzt anzufordern. Die angebotenen Mediziner „hätten uns in diesem Fall allerdings nicht weiter geholfen“, sie seien „nicht erfolgversprechend“ gewesen, so Freytag. Daraufhin habe die Geschäftsführung beschlossen, die Notaufnahme und Intensivstation zu schließen. Er hoffe, so Freytag, dass sich die personelle Situation bis Ende der Woche verbessert habe und die Abteilung wieder geöffnet werde könne. Die Maßnahme vertrete er „mit gutem Gewissen“. Freytag gibt zu bedenken: Was wäre gewesen, wenn die „OsteMed“-Leitung trotz ihrer Vorbehalte einen Mediziner engagiert hätte und es wäre dann zu einem folgenschweren Vorfall gekommen? Das sei nicht zu verantworten gewesen. Die Patienten auf der Zevener Intensivstation seien übers Wochenende vom vorhandenen Personal medizinisch betreut worden. Alle neuen Notfallpatienten seien in benachbarte Kliniken gebracht worden. „Es ist nichts angebrannt“, so Freytag. „OsteMed“-Geschäftsführer Siegfried Ristau bezeichnet die Schließung als nicht geplante Notmaßnahme. „Es war ein Schritt, der uns allen nicht passt, der aber zur Sicherheit der Patienten erfolgen musste.“

Kein Verständnis für Unterstellungen

Ihn habe schon betroffen gemacht, dass hinter der Maßnahme, die ausschließlich zum Wohl der Patienten erfolgt sei, taktisches Kalkül vermutet worden sei, entgegnet Freytag auf Aussagen von Kreispolitikern. Dafür könne er kein Verständnis aufbringen, zumal die OsteMed seit drei Jahren mit der schwierigen Situation des Zevener Krankenhauses – aber auch der Bremervörder Klinik – zu tun habe. „Unter diesen Bedingungen die Sicherstellung der Versorgung zu gewährleisten, ist nicht einfach“, so der Geschäftsführer. „Wir mussten in dieser Zeit schon viele Handstände machen.“

Inzwischen meldeten sich auch die Grünen zu Wort, nachdem es bereits am Wochenende erste politische Reaktionen gegeben hat: „Wir und mit uns ganz Zeven sind entsetzt über diese Entwicklungen.“ So Ragnar Kaesche, Sprecher der Grünen in der Stadt Zeven, und Reinhard Bussenius, Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag. In der jetzigen Situation stellten sich einige Fragen, die die Geschäftsführung der „OsteMed“ und der Landkreis beantworten sollten, so Kaesche. Eine acht Punkte umfassende Anfrage hat derweil Bernd Wölbern, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, an Landrat Hermann Luttmann geschickt.

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