Attest bescheinigt Verhandlungsunfähigkeit wegen Sozialphobie/Revision angekündigt

21-Jähriger erscheint nicht vor Gericht

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rotenburg/Verden - Außergewöhnlich war die Entschuldigung, mit der ein 21 Jahre alter Angeklagter aus Rotenburg am Mittwoch sein Fehlen bei einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden erklärte. Sein Verteidiger legte ein Attest eines Facharztes aus Soltau vor. Darin wird dem jungen Mann eine Verhandlungsunfähigkeit wegen Sozialphobie bescheinigt. Es bestehe ansonsten Gefahr für Leib und Leben des Angeklagten. Seltsam nur, dass ein Sachverständiger dies ganz anders beurteilte.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, staunte der erfahrene Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer, Joachim Grebe, zu Beginn der Sitzung. Dass der Angeklagte der Justiz schon eine Menge Arbeit beschert hat, ließ der große Aktenstapel erkennen, den der Vorsitzende in den Saal schleppte. In dieser Berufungsverhandlung ging es dann auch gleich um zwei Urteile des Amtsgerichts Rotenburg.

Des gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall soll sich der 21-Jährige in Visselhövede schuldig gemacht haben. Mit einem Komplizen soll er dort im Jahr 2013 gleich zweimal in dieselbe Halle eingestiegen sein und diverse Elektro- und Arbeitsgeräte gestohlen haben. Drei Wochen später wurde auf den Namen des Halleneigentümers im Internet ein Computer bestellt und später noch einmal Computerteile. Gesamtwert der Bestellungen: rund 3500 Euro. Der Schwindel flog auf, es blieb beim Versuch.

Im Dezember 2013 soll der Angeklagte in Visselhövede mit einer Schreckschusswaffe auf ein vorbeifahrendes Auto geschossen haben. Er wurde wegen Bedrohung und unerlaubtem Waffenbesitzes schuldig gesprochen. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer 22-monatigen Jugendstrafe – ohne Bewährung. Im Juli 2015 wurde der 21-Jährige wegen unerlaubtem Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer 15-monatigen Jugendstrafe verurteilt.

Die Steuerfahndung hatte nur zwei Monate nach der Verurteilung bei dem damals selbständig arbeitenden Angeklagten eine Hausdurchsuchung veranlasst und dabei 63 Gramm Marihuana und 1,89 Gramm Haschisch sichergestellt.

Der Angeklagte hätte mit der Berufung sicher Erfolg gehabt, denn das Amtsgericht hatte versehentlich ein früheres Urteil (neun Monate) in beide Urteile einbezogen. Der Vorsitzende war fair und bat den Verteidiger seinen Mandanten anzurufen. Dieser habe 45 Minuten, um nach Verden zu kommen. Doch der Verteidiger ließ nur ausrichten, dass sein Mandant „weder die Möglichkeit noch den Willen habe, nach Verden zu kommen“. Er wolle eine amtsärztliche Untersuchung.

Wegen der schon früher behaupteten Sozialphobie hatte das Gericht den Angeklagten im Mai 2015 begutachten lassen. Der erfahrene Sachverständige stellte davon aber nichts fest. „Mir bot sich das Bild eines dissozialen Jugendlichen, der allen auf der Nase rumtanzt“, fasste Johannes Pallenberg sein Ergebnis zusammen.

Die Berufung wurde verworfen. Der Verteidiger kündigte aber an, dass sein Mandant Revision einlegen wolle.

wb

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