Neues Dauerthema der Kreispolitik

Atommüll im Erdgas-Landkreis Rotenburg?

Protest-Plakat in Wohlsdorf. Ein klares „Nein“ zum Endlager.
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Protest-Plakat in Wohlsdorf. Ein klares „Nein“ zum Endlager.

Noch ist nichts entschieden, wo Deutschland sein Endlager für hochradioaktiven Abfall errichten wird. Aber der Landkreis will schleunigst raus aus dem Sucherverfahren - aus mehreren Gründen.

Rotenburg – Von einem „Trümmerhaufen“ will Erster Kreisrat Torsten Lühring nicht sprechen, sagt das aber doch, und betont dann: „Die gewachsenen Strukturen sind zerstört.“ An mehr als 100 Stellen seien die Bodenformationen im südlichen Landkreis in den vergangenen Jahrzehnten durchbohrt, „große Mengen Erdgas“ entnommen worden. Und diese Gegend, in der als Folge immer wieder Erdbeben durch die erzeugten Druckunterschiede stattfinden, ziehe man als einen möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager in Betracht?

Die Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg feiert zwei Premieren und einen Abschied an diesem Mittwochvormittag. Zum ersten Mal nach der fast zweijährigen Coronapause tagt sie im Heidejäger in Mulmshorn, erstmals beschäftigt sie sich mit dem Thema der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle, und es die letzte, die Hartmut Leefers (CDU) als Vorsitzender leitet. „Bleiben Sie aufmerksam und kritisch!“, gibt er den Mitgliedern der AG – Politiker, Wirtschaftsvertreter, Behördenmitarbeiter und Bürgerinitiativen – mit auf den Weg. Tatsächlich ist ja vieles von dem, was in den vergangenen Jahren in dieser Gruppe besprochen wurde, auf der Tagesordnung höherer Stellen gelandet. Debatten über Fracking, erhöhte Krebszahlen oder die Gefahren vergessener Bohrschlammgruben sind auch von hier aus, zumeist angestoßen durch Vertreter der Bürgerinitiativen, hinausgetragen worden. Nun hat der scheidende Kreistag das Thema der Endlagersuche auch in der AG angedockt, zudem ein Gutachten zur Bewertung der sieben im Landkreis verorteten möglichen Teilgebiete in Auftrag gegeben.

Pflicht zur Entsorgung des eigenen Atommülls

„Wir stecken alle in dem Dilemma, unseren Atommüll entsorgen zu müssen“, sagt in der Sitzung Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Irgendwo muss er hin, das betont auch Steffen Kanitz als Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung in seinem Fachvortrag, der über den Stand der Dinge im Suchverfahren informieren soll. Der ist, soweit war man schon bei der Vorstellung der Teilgebiete im September, noch sehr vage. 90 Gebiete sind im Zwischenbericht nach geologischen Kriterien als grundsätzlich geeignet gekennzeichnet – insgesamt 54 Prozent des Bundesgebiets. In Niedersachsen ist jeder Landkreis betroffen. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein. Der Bundestag entscheidet dann darüber. Nach 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Die stehen bislang in Zwischenlagern direkt an den alten Atomkraftwerk-Standorten – oder bekanntermaßen in Gorleben.

BI will neue Stelle im Kreishaus

Rolf Wedemeyer war von Beginn an einer, der gewarnt hat. Als die ersten Infos durchsickerten, gründete er die Bürgerinitiative „Kein Endlager im Landkreis Rotenburg/Wümme“. Nun sitzt er auch in der AG Erdgas und hofft auf Antworten sowie Verständnis dafür, dass der Landkreis schon zu viel belastet für das alles sei. Das betonen alle Anwesenden im Grunde, sie fordern mehr Transparenz beim Verfahren und die Darlegung der wissenschaftlichen wie gesellschaftlichen Kriterien, die den Prozess leiten. Kanitz als sagt das immer wieder zu, nur mussten Info-Veranstaltungen zuletzt coronabedingt online stattfinden. Zugeschaltet habe sich jenseits des Fachpublikums kaum jemand. „Ich sage aber zu, dass ich hier regelmäßig berichte“, verspricht er.

In welchem Gremium das stattfindet, wird noch zu entscheiden sein. Leefers und Lühring verweisen mehrfach auf die Kommunalwahlen, der neue Landrat und der neue Kreistag müssten dann entscheiden, wo das Thema angedockt wird. Die von Wedemeyer geforderte neue Stelle im Kreishaus für einen Ansprechpartner in der Kreisverwaltung gibt es erst einmal nicht: vielleicht dann. Lühring lässt aber schon jetzt die von Leefers geforderte kritische Sicht auf die Entwicklung, speziell auch zur Endlagerfrage im Landkreis ahnen: „Wir werden fachlich dagegenhalten.“

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