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Argentinier beendet sein FSJ in der Rotenburger Lebenshilfe

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Von: Ann-Christin Beims

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Federico Enriquez Blanco sitzt auf einer Schaukel im Garten einer Kindertagesstätte.
Zehn Monate arbeitete der Argentinier Federico Enriquez Blanco im „Haus für Kinder“. © Beims

In den vergangenen zehn Monaten absolvierte der Argentinier Federico Enriquez Blanco ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Rotenburger Lebenshilfe. Jetzt steht die Heimreise nach Buenos Aires bevor.

Rotenburg – Stürmisches Wetter mit viel Regen, ein kurzer Moment mit Schnee: Das Winterwetter in Deutschland wird der junge Argentinier Federico Enriquez Blanco auf jeden Fall nicht vermissen, wenn es für ihn Mitte Februar zurück nach Buenos Aires geht, merkt er während seines Abschiedsgesprächs im „Haus für Kinder“ der Lebenshilfe Rotenburg-Verden ein wenig schmunzelnd an.„Die Sonne fehlt mir!“

Seit Mai vergangenen Jahres ist der 19-Jährige im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) jetzt in Rotenburg. Leicht verspätet ist er damals in seinen Aufenthalt gestartet, weil er aufgrund der pandemischen Lage in seinem Land nicht ausreisen durfte – die Fallzahlen waren zu dem Zeitpunkt viel zu hoch. Das FSJ verlängert sich dadurch aber nicht, sodass für den jungen Mann nun Mitte Februar der Abschied ansteht.

Enriquez Blanco verbringt jetzt die letzten Tage bei der Arbeit, wo er zum Großteil in der Elefantengruppe eingesetzt ist. Er betreut also die Krippenkinder im Alter von einem bis drei Jahren gemeinsam mit den Erziehern. „Ich habe dabei immer mehr Aufgaben bekommen“, erzählt er. Hilfestellungen im Alltag mit den Kindern, dazu spielen und basteln. „Es gab immer mehr Verantwortung für ihn, ergänzt Leiter Christopher Rihm, der sich zufrieden mit der Entwicklung des Argentiniers zeigt. Er habe sich gut ins Team eingefunden und sei sehr verlässlich. „Natürlich ist die Sprache eine Hürde, er hat seine Sache aber gut gemacht“, lobt er.

Ein Jahr der Selbstfindung

Und tatsächlich spricht der Argentinier mittlerweile sehr viel flüssiger als am Anfang. „Manchmal muss ich mir mit Englisch weiterhelfen“, meint er. Zwar hat der 19-Jährige schon in seiner Heimat ein wenig Deutsch gelernt, die richtige Praxis gab es erst in der Wümmestadt. Das war notwendig, damit ihn die kleinen Kinder verstehen können, die ja gerade selber erst die Sprache lernen. „Gerade mit den Jüngsten war das schon schwierig“, sagt er. Viel Deutsch gelernt hat er auch durch das Leben in seiner Gastfamilie in Waffensen. Mit vier „Geschwisterkindern“ hatte Enriquez Blanco genug Zeit zum Üben.

Zwar läuft durch die Corona-Pandemie aktuell vieles anders, dennoch hatte er die Möglichkeit, Teile Deutschlands kennenzulernen. „Meine Gastfamilie und ich sind im Sommer campen gewesen“, erzählt der 19-Jährige. Außerdem war er unter anderem in Hamburg, Berlin, Köln, Eisenach und Wuppertal, hat sich Schloss Marienburg in Pattensen angesehen und war im Serengeti sowie im Heide Park. Mal mit Freunden, mal mit seiner Gastfamilie. Aber natürlich kam auch die direkte Umgebung nicht zu kurz.

Für Enriquez Blanco war das Jahr auch zur Selbstfindung gedacht: Wie soll es nach der Schulzeit weitergehen? Wo liegen die eigenen Stärken? Schon vor dem FSJ konnte er sich gut vorstellen, mit Kindern zu arbeiten. Seine Zeit hier hat ihn nun darin bestärkt. „Ich würde gerne in den Bereich Psychologie mit Kindern gehen“, erzählt er. Wie es aber in Argentinien genau weitergeht, weiß er noch nicht. „Das muss ich mir jetzt überlegen.“

Der 19-Jährige ist froh über die Erfahrungen, die er sammeln konnte. Zur Auswahl standen für ihn im vergangenen Jahr auch die näher an seiner Heimat gelegenen Länder Paraguay und Uruguay. Letztlich war die Entscheidung aber gut, erzählt er. So hatte er die Möglichkeit, eine ganz andere Kultur kennenzulernen. Dabei sind ihm in den Monaten auch Unterschiede aufgefallen: So sind Argentinier beispielsweise überschwänglicher, schließen schneller Freundschaften. Das hat hier länger gedauert, meint er: Deutsche sind sehr nett, aber viel zurückhaltender.

Ein Erfolg für beide Seiten

Er würde ein FSJ jedem empfehlen – egal ob im Ausland oder im eigenen Land. „Es ist ein Jahr zum Lernen und um neue Leute kennenzulernen.“ Auch für die Lebenshilfe, die erstmals in Rotenburg ein FSJ ermöglicht hat, war der Austausch ein Erfolg, der weitergeführt werden soll. Geschäftsführer Marc Brockmann sieht Enriquez Blancos Aufenthalt „als Bereicherung und Gewinn für alle Seiten“. Daher soll künftigen ausländischen Freiwilligendienstleistenden nicht nur das Haus für Kinder als Einsatzort angeboten werden, sondern es könnten auch weitere Möglichkeiten in den Bereichen „Wohnen & Leben“ sowie „Arbeit & Bildung“ geschaffen werden. Darüber soll jetzt intern gesprochen werden.

Doch jetzt steht erstmal der Abschied an, der vielleicht auch ein „Auf Wiedersehen“ ist. Dass es ihm schwer fallen wird, gibt Blanco gerne zu. Zum einen der Abschied von den Kindern, die er ins Herz geschlossen hat, sagt er. Aber auch von Kollegen und seiner Gastfamilie. „Ich habe hier Freunde gefunden“, erzählt er – und kann sich vorstellen, mal wieder zu Besuch nach Deutschland zu kommen.

Jetzt aber freut er sich erstmal auf das Wiedersehen mit seinen Freunden und seiner Familie. Obwohl das Auswärtige Amt Argentinien derzeit als Hochrisikogebiet aufgrund vieler Covid-19-Erkrankungen einstuft, muss Enriquez Blanco dort nicht in Quarantäne. So freut er sich auch auf ganz viel Sonnenschein. An dem sollte es bei derzeit um die 25 bis 30 Grad in Buenos Aires auch nicht mangeln.

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