Rotenburger Kartoffelmarkt in alter Form ist wohl Geschichte

Arbeitstitel: „Heimatgenuss“

Ein Bild vom Kartoffelmarkt vergangener Tage. Viele Menschen stehen und sitzen vor der Bühne.
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Mitunter war der Kartoffelmarkt gut besucht, das Programm am Ende aber nicht mehr zeitgemäß.

Rotenburg – Vom kommenden Jahr an soll die Stadt Rotenburg als Veranstalterin den bisherigen Kartoffelmarkt übernehmen. Dafür plädiert der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr. Das Votum dafür ist nicht nur einstimmig, sondern zugleich ein deutliches Signal in Richtung Stadtrat, der am Ende entscheidet. Der Verwaltungsausschuss immerhin hat sich der Empfehlung des Fachausschusses angeschlossen.

Diese Empfehlung geht zurück auf einen Antrag der FDP im Stadtrat. Diese hatte gefordert, dass die Stadt den Kartoffelmarkt 2022 übernimmt, nachdem der bisherige Veranstalter, der Verein für Touristik und Stadtwerbung (VTS), sich von dieser Veranstaltung zurückgezogen hat. Die Stadt will über diesen Wunsch hinaus gehen – und damit den Kartoffelmarkt dauerhaft in eine neue Zukunft führen. Ganz so, wie es der Beschlussvorschlag der Verwaltung zum Ausdruck bringt. Alexander Künzle (FDP): „Wir haben uns da zunächst vorsichtig ausgedrückt.“ Die Entscheidung des VTS könne er sehr gut nachvollziehen. Es sei zwar schön, wenn auch private Veranstalter in Erscheinung treten, im Falle des Kartoffelmarktes sei aber festzustellen, dass alles nicht nur komplizierter, sondern auch riskanter werde. Das gelte auch für den Hökermarkt. Um den soll sich die Stadt künftig ebenfalls kümmern, empfiehlt der Fachausschuss.

Grundlage für die Empfehlung des Bürgermeisters Andreas Weber (SPD) ist ein Konzept, das Benjamin Roolfs als Leiter der Tourist-Information mit seinem Team erarbeitet hat. Arbeitstitel für den Kartoffelmarkt: „Heimatgenuss“. Ob es am Ende bei diesem Namen bleiben wird, ist noch offen. Und auch im Hinblick auf einen Termin für den Kartoffelmarkt in neuer Form ist noch nichts entschieden. Der Plan des Tourist-Info-Teams sieht zwei Tage Ende Mai nächsten Jahres vor.

Zukünftig sei es aufgrund von strukturellen Veränderungen in der Vereinslandschaft nötig, „stärker die Rolle als Veranstalter zu übernehmen. Dieses verdeutlicht das aktuelle Beispiel des VTS, der zukünftig nicht mehr den Höker- und Kartoffelmarkt organisieren wird“, heißt es im Entwurf eines Konzeptes von Benjamin Roolfs. Eine zielorientierte Planung von Veranstaltungen für bestimmte Zielgruppen beeinflusse das Image einer Stadt positiv. „Für Rotenburg sehen wir insbesondere bei den Themen Familie, Natur, Regionalität & Nachhaltigkeit ein großes Potenzial“, schreibt Roolfs. Bestehende Veranstaltungen sollten möglichst weiterhin unterstützt werden. Bei einigen Formaten „sehen wir nötige Anpassungen, um diese nachhaltig zukunftsfähig zu machen“.

Die Idee für den Markt in neuer Form bringt das Tourist-Info-Team sehr prägnant auf den Punkt: Ziel sei die Schaffung eines regionalen Genussmarktes am Heimathaus mit Leckereien, Musik und Aktivitäten für die ganze Familie. Die Rede ist von einem Markt mit regionstypischen Angeboten – auch Kartoffeln –, dazu Aktivitäten – vom Familien-Yoga und Lesungen über Kinderbasteln, Zirkusschule, Klönschnack Wanderung, Kräuterführung und Pflanzenwanderung bis hin zu Imkern und Honigtreff sowie Lehmofen-Backaktionen. Da sei viel möglich, auch mit Musik von regionale Künstlern als Abrundung.

Um für Rotenburg auch weiterhin eine attraktive und vor allem zeitgemäße Veranstaltungslandschaft zu schaffen und diese zu optimieren, habe das Team der Tourist-Information eine Veranstaltungsplanung für die Jahre 2021 bis 2023 ausgearbeitet, die auch darüber hinaus ihre Gültigkeit haben soll. Diese Planung betrachte sämtliche Veranstaltungen, bei denen die Stadt bereits heute Veranstalterin, Unterstützerin und Kooperationspartnerin ist, heißt es in der Sitzungsvorlage des Fachausschusses.

„Der Hökermarkt sollte unbedingt ab 2022 durch die Stadt Rotenburg fortgeführt werden, da dieser ein etabliertes Format ist, das die Gäste in die Innenstadt zieht sowie den Einzelhandel stärkt“, heißt es weiter. In der Vergangenheit sei bereits beobachtet worden, dass das Konzept für den Rotenburger Kartoffelmarkt nicht mehr zeitgemäß ist. Dies zeigten rückläufige Besucherzahlen und die Kritik am vorhandenen beziehungsweise fehlenden Angebot. Nicht wenige Rotenburger finden, der Kartoffelmarkt in der bisherigen Form sei „altbacken“.

Nun soll also der „Heimatgenuss“ den Kartoffelmarkt ablösen. „Eine Modernisierung tut dem Markt und der Stadt gut“, sagt dazu Alexander Künzle. Was von seiner Partei zunächst als Überbrückung in Richtung Zukunft gedacht war, soll zeitnah eine neue Form annehmen.

Wenn von einer Übersicht der Veranstaltungen die Rede ist, tauchen darin auch die geplante, neue Version des bisherigen „La Strada Straßenzirkus“ mit dem Titel „On The ROWd Again“, aber auch der „Rotenburger Heimatsommer“ in Form eines Picknicks im Obstgarten am Heimathaus auf sowie alle zwei Jahre „Laut & draußen“ auf.

„Es geht nicht gegen den Kartoffelmarkt, sondern für ein neues Format, das Zukunft hat“, sagt Roolfs. Regionalität, Nachhaltigkeit und das alles unter Einbeziehung der Natur – das seien die Leitplanken. Die Kartoffel passe da rein, und sie werde es dort auch weiterhin geben. Was allerdings aus der Kartoffelkönigin wird, weiß Roolfs noch nicht: „Da sind wir ganz offen.“

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