Der Arbeitsauftrag

Nach Rösel-Niederlage stellt sich CDU für die Landtagswahl auf

+
Am Tag nach der Niederlage seiner bisherigen Chefin forciert Eike Holsten den Wahlkampf in eigener Sache: Er will am 15. Oktober in den Landtag.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Es ist grau, es nieselt leicht, Herbst eben, und Eike Holsten befestigt auf einer wackligen Holzleiter stehend Kabelbinder an einer Pappe. Der 34-jährige Gemeindeverbandsvorsitzende der CDU will am 15. Oktober in den Landtag gewählt werden, am ungemütlichen Morgen nach der Bundestagswahl darf er endlich seine Plakate aufhängen in Rotenburg, 300 an der Zahl. Aber dafür muss er Platz schaffen, die alten von Kathrin Rösel müssen runter.

Kärrnerarbeit für die Basis, und doch ist es an diesem Montagmorgen irgendwie noch mehr. Ein paar Stunden ist es erst her, da erreichte die CDU in Rotenburg mitten in der Nacht das seit dem Wahlabend befürchtete, dann aber doch noch einmal erschreckende Ergebnis: Rösel wird nach der Niederlage im Duell um die Erststimme gegen Lars Klingbeil (SPD) auch nicht über die CDU-Landesliste in den neuen Bundestag einziehen. 

Vermeintlich gute Absicherung zu wenig für Rösel

Die CDU ist landesweit zu schlecht, nur 21 Abgeordnete gibt es in den kommenden vier Jahren aus Niedersachsen, 16 Direktmandate und fünf Abgeordnete über die Landesliste. Rösel, auf Platz 18 vermeintlich gut abgesichert, geht leer aus. Als sich die 46-Jährige am Sonntagabend bei der CDU-Wahlparty, die keine Feier war, bei den Mitstreitern bedankte, war das „emotional bewegend“, sagt Holsten.

Der zweifache Familienvater weiß, wie es ist, in der Politik ohne doppelten Boden zu arbeiten. Seit Jahren leitetet der Politikwissenschaftler das Rotenburger Wahlkreisbüro für die CDU-Bundestagsabgeordneten. Als sich Reinhard Grindel im vergangenen Jahr Richtung DFB verabschiedete, war die Zukunft im Job ungewiss. Als Rösel als Nachrückerin aus dem Landkreis Gifhorn kam, übernahm sie schließlich Grindels Mitarbeiter. Es ist ein Leben und Arbeiten in Vier-Jahres-Abschnitten, in Legislaturperioden, wenn überhaupt. 

6433 Stimmen lag Klingbeil am Ende vorne

Als Rösel im Juni vergangenen Jahres das schwere Wahlkreis-Erbe angesichts der bereits terminierten Bundestagswahl 2017 und der Konkurrenz zu Klingbeil antrat, hatte sie auch keinen „Plan B“. Das betonte sie immer wieder. Die Stelle als Erste Samtgemeinderätin in der Samtgemeinde Wesendorf, die sie als Wahlbeamtin aufgegeben hatte, ist wieder vergeben. „Ich muss mich neu orientieren“, sagt sie am Tag, als die Niederlage gewahr wird. „Der Plan fehlt noch.“ Ihr tue es aber insbesondere für den Wahlkreis leid, der nun keinen Abgeordneten mehr in Regierungsverantwortung in Berlin habe. Ob sie selbst in der Region bleibt, könne sie noch nicht sagen. Der Trost, dass sie zumindest im Altkreis Rotenburg mehr Stimmen als Klingbeil geholt hat, ist für sie nur ein äußerst schwacher. Insgesamt gesehen landet Rösel im Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis 6433 Stimmen hinter dem SPD-Kandidaten. Rösel gratuliert Klingbeil per SMS.

„Auf der Zielgeraden soll man nicht nach Ausfahrten schauen“, philosophiert Rösels bisheriger Mitarbeiter Holsten neben der Laterne, an dem jetzt sein Plakat ordnungsgemäß gesichert hängt. Seit fünf Wochen ist er im unbezahlten Urlaub für die Werbung in eigener Sache. Auch er setzt alles aufs Mandat: „Wer einen Plan B hat, ist nicht zu 100 Prozent dabei.“ Drei Teams mit Parteifreunden sind an diesem Morgen unterwegs, um Plakate umzuhängen. Rösel runter, Holsten hoch, Präsenz zeigen – Wahlkampf im Eiltempo für die vorgezogene Landtagswahl. „Das Ergebnis schreckt schon auf“, sagt Holsten mit dem Blick auf den vergangenen Sonntag. Auch wenn die CDU im Altkreis, in seinem Wahlkreis, weiter stark sei: „Der Kandidat kann den Unterschied machen“, sagt er, ohne Klingbeil allzu sehr zu loben oder gar seinen vermutlich stärksten Konkurrenten, Tobias Koch von der SPD, anzusprechen.

CDU will „Denkzettel“ vom Wähler ernst nehmen

Der Frage, ob Rösel eventuell die falsche Kandidatin war, entgegnet CDU-Kreisverbandschef Marco Mohrmann vehement: „Auf keinen Fall!“ Und: „Sie hat nichts falsch gemacht.“ Es habe nur am starken Gegner gelegen. Aber trotzdem weiß auch er: Den „Denkzettel“ der Wähler nehme man ernst. „Das ist ein Arbeitsauftrag für uns.“ Es sei der CDU auf weiten Strecken nicht gelungen, die Menschen abzuholen. Das müsse umgehend anders werden, sagt Mohrmann – auch er will in drei Wochen in den Landtag gewählt werden.

Der Rotenburger Kandidat hört jetzt viel zu. Er spricht mit den Menschen. Eine gute Handvoll Veranstaltungen hat Holsten organisiert, Thema Wolf, Thema Sicherheit, Thema Bildung. Dazu Hausbesuche mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber in Unterstedt, Wahlstände und Basisarbeit. Die Fehler, die seine Ex-Chefin nicht gemacht hat, will er nicht wiederholen. Oder, um es mit Nordkreis-Kandidat Mohrmann zu sagen: „Ärmel aufkrempeln und ran an den Speck.“

Das könnte Sie auch interessieren

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Artistisches Abschlusstraining

Artistisches Abschlusstraining

Krause-Sause in der Halle 7

Krause-Sause in der Halle 7

Meistgelesene Artikel

Richtfest des Feuerwehrhauses in Westerwalsede

Richtfest des Feuerwehrhauses in Westerwalsede

Generationsübergreifende Wohngemeinschaft in barrierefreiem Haus

Generationsübergreifende Wohngemeinschaft in barrierefreiem Haus

A1: Vollsperrung in Richtung Hamburg am 25. Oktober

A1: Vollsperrung in Richtung Hamburg am 25. Oktober

Visselhöveder findet Riesenboviste

Visselhöveder findet Riesenboviste

Kommentare