Arbeitsagentur und Jobcenter rechnen wegen Flüchtlingen mit mehr Erwerbslosen

„Wir machen uns viele Gedanken“

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Der Blick in die Zeitung und eine Anfrage bei der Agentur für Arbeit lohnen sich, wenn jemand einen neuen Job sucht. Im Landkreis waren im Dezember 1216 Stellen unbesetzt.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Im Jahr 2015 war die Arbeitslosigkeit auf einem niedrigen Stand, im Jahr 2016 kommen dagegen große Herausforderungen auf Arbeitsagentur und Jobcenter zu. Vor allem im zweiten Quartal rechnen die Verantwortlichen mit einer steigenden Zahl bei den Erwerbslosen im Landkreis Rotenburg.

Im Großen und Ganzen sehen die Zahlen gut aus: Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2015 bei 4,3 Prozent, und damit nur um 0,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahresmonat. In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: Im Dezember 2014 waren 3681 Menschen ohne Job, ein Jahr später waren es 3747.

Auch im November 2015 lag die Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent (3712 Erwerbslose). Traditionell steige die Zahl der Menschen ohne Job im Dezember an. Für Oliver Lemke, Geschäftsstellenleiter der Arbeitsagentur Rotenburg, Zeven und Bremervörde, ist der leichte Anstieg kein Grund zur Sorge: „Das sind Spitzenwerte.“

Ähnlich sehe es beim Jobcenter des Landkreises Rotenburg aus, „aber etwas komplizierter“, sagt Amtsleiter Harald Glüsing. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im SGB-II-Bereich – also diejenigen, die Hartz IV beziehen – um sechs Personen auf 2400 gesunken. Das entspricht einer Arbeitslosenquote 2,8 Prozent der unter 65-Jährigen im Landkreis Rotenburg. Im Vorjahresmonat lag diese noch bei 2,4 Prozent (November 2015: 2,8 Prozent).

In Maßnahmen hätten sich im Dezember 161 Personen befunden, dass sind 14 mehr als im Vormonat. Aber: „Wir haben seit einigen Jahren nicht mehr die Mittel, um Arbeitslose so zu fördern, wie es nötig wäre“, sagt Glüsing. Im Dezember 2014 hatte das Jobcenter noch 389 Teilnehmer in Maßnahmen verzeichnet. Noch vor etwa fünf Jahren waren es 800.

Von Seiten der Arbeitsagentur meldet Oliver Lemke ein positives Fazit für das gesamte Jahr 2015: „Der Arbeitsmarkt ist weiter auf Erfolgskurs.“ Die Zahl der Erwerbslosen ist anhaltend niedrig, es gibt einen Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigen – auch wenn der Anstieg nicht mehr so deutlich ausfällt, wie noch in den Jahren nach der Wirtschaftskrise, so Lemke.

Außerdem gibt es mehr Stellen: Im Dezember 2015 wurden noch 1216 offene Arbeitsplätze gemeldet, im Vorjahresmonat waren es 852. Spürbar sei auch der Fachkräftemangel. Es dauere deutlich länger, bis Stellen neu besetzt würden. Die Kunden der Arbeitsagentur hätten häufig nicht die passenden Qualifikationen, berichtet der Geschäftsstellenleiter weiter. Die Einführung des Mindestlohnes hatte dagegen keine nennenswerten Auswirkungen.

Lemkes Prognose für 2016: „Wir werden weiterhin einen guten Arbeitsmarkt haben.“ Allerdings sei ab dem Frühjahr mit einem Anstieg der Arbeitlosigkeit zu rechnen. Dann würden vermehrt Flüchtlinge, deren Asylanträge bewilligt wurden, zu Kunden von Arbeitsagentur und Jobcenter. Derzeit absolvierten diese noch Sprach- oder Integrationskurse. „Der Arbeitsmarkt ist aber noch aufnahmefähig“, versichert Lemke. Schon im vergangenen Jahr habe es Anfragen der Arbeitgeber gegeben, auch die ersten Versuche zur Integration von Flüchtlingen seien gemacht.

„Im Jobcenter und in der Arbeitsagentur machen wir uns viele Gedanken“, berichtet Lemke. Mit der derzeitigen Personalsituation sei das Ganze aber nicht zu machen, deshalb greife man auf Fremdhilfe zum Beispiel von Bildungsträgern zurück. Es gebe verschiedene Maßnahmen, um beispielsweise die herauszufinden, welche Kompetenzen die Menschen mitbringen und wie sie damit auf dem Arbeitsmarkt integriert werden können. Lemke betont aber auch: „Diese Angebote steht nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch Deutschen offen.“

Glüsing rechnet damit, dass das Flüchtlingsthema noch stärker das Jobcenter ankommen werde: „Wer gute Chancen hat, der wird schon von der Arbeitsagentur vermittelt.“ Wer hingegen beim Jobcenter landet, werde nur schwer zu vermitteln sein. Er geht davon aus, dass es lange dauert, um Flüchtlinge mit einem niedrigen Bildungsniveau auf den hiesigen Stand zu bringen. Diese seien sogar schwer in Arbeit für ungelernte Kräfte zu bringen. Schon im vergangenen Jahr habe die Zunahme der Leistungsbezieher mit ausländischem Pass bei 30 Prozent gelegen. Glüsing: „Es ist viel die Rede davon, dass Geld in die Hand genommen wird. Beim Jobcenter kommt nicht viel davon an.“

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