Erinnerungen an den Ex-Juso-Chef

Vor dem nächsten Besuch von Gerhard Schröder in Rotenburg

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Gerhard Schröder beim Parteitag der Jungsozialisten 1979 in Aschaffenburg.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Gleich zu Beginn des Bundestagswahlkampfes ein Höhepunkt in Rotenburg: Altkanzler Gerhard Schröder (73) kommt auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten und Direktkandidaten Lars Klingbeil an die Wümme.

Schröder, von 1990 bis 1998 niedersächsischer Ministerpräsident und von 1998 bis 2005 Bundeskanzler, spricht am Mittwoch ab 19 Uhr, im Buhrfeindsaal des Diakonieklinikums – nur einer von zwei öffentlichen Großauftritten im Wahlkampf. Eine Gelegenheit, um sich 39 Jahre zurückzuerinnern.

Damals, im April 1978, hielt sich Gerhard Schröder, frischgebackener Juso-Bundesvorsitzender aus Hannover, ebenfalls im Kreis Rotenburg auf und traf sich mit seinen sechs Stellvertretern im Restaurant „Rieper Eichen“ in Riepe bei Lauenbrück zu einer Klausurtagung. Dabei war auch Juso-Bezirksvorsitzender Rainer Smit aus Visselhövede.

Gerhard Schröder gab damals der Rotenburger Kreiszeitung ein längeres Interview, in dem es unter anderem um den SPD-Spitzenkandidaten für die niedersächsischen Landtagswahl, Karl Ravens (heute 90 Jahre und inzwischen in Hannover lebend), ging.

Kreiszeitung fühlte Schröder auf den Zahn

Die Kreiszeitung wollte von Gerhard Schröder etwas zu dem problematischen Verhältnis der Jusos zu dem ehemaligen Bundesbauminister Ravens aus Achim (damals Bundestagsabgeordneter, Wahlkreis Verden/Osterholz/Rotenburg), der sich um den Stuhl des Ministerpräsidenten bewarb, wissen und fragte: „Die Haltung der Jungsozialisten zum SPD-Spitzenkandidaten bei den anstehenden niedersächsischen Landtagswahlen, Karl Ravens, ist distanziert, warum?“ 

Juso-Bundesvorsitzender Schröder: „Distanziert ist sicher richtig. Es gibt sehr viele Meinungsverschiedenheiten mit Karl Ravens. Aber eines will ich ganz deutlich machen: Die Jungsozialisten werden im Wahlkampf in Niedersachsen mit voller Kraft die SPD unterstützen, und sie werden auch mit voller Kraft im Wahlkampf in Niedersachsen dann den von der Partei gewählten Spitzenkandidaten unterstützen.“

Gerhard Schröder ergänzte: „Die Jungsozialisten werden versuchen, ihre Zielgruppe mit einem zielgruppenorientierten Wahlkampfbeitrag anzusprechen. Es hat überhaupt keinen Sinn, wenn die Jungsozialisten versuchen würden, Hochglanzbroschüren zu verteilen oder so etwas ähnliches. Sie müssen den Versuch machen, deutlich zu sagen, auch im Wahlkampf, wo ihnen die Politik auch nicht passt, zum Beispiel wenn die SPD sich nicht genug gegen Veränderungen im rechtspolitischen Bereich stemmt oder sogar mitmacht, wenn die SPD sich an dem, was man Berufsverbote nennt, beteiligt, dass sie das nicht hinnehmen.“

Jugendliche sollen in die Politik eingebunden werden

Der Altkanzler beim Parteitag der SPD im Juni in Dortmund.

Und weiter: „Sie werden ihren Zielgruppen sagen, dass sie für die Rechte der arbeitenden Jugend eintreten, etwa indem in Hannover als zentrale große Veranstaltung eine Arbeiterjugendkonferenz durchgeführt wird, auf der die Probleme, die anstehen, gegenwärtig Jugendarbeitslosigkeit, Probleme bei der Einführung des Berufsgrundbildungsjahres, diskutiert werden sollen. Es soll sich aber nicht mit der Wahl und der Aufforderung der Wahl erschöpfen, sondern wir haben eigentlich vor, Wahlkämpfe zu benutzen, um langfristig Jugendliche für eine Organisierung innerhalb der Jungsozialisten und damit der SPD zu gewinnen.“

Das war Gerhard Schröder vor fast 40 Jahren. Das Problem „Terroristen“ hatte damals andere Dimensionen und wurde von dem Juso-Chef unter anderem so beantwortet: „Ich glaube, wir müssen uns aber über das, was notwendig ist, dass man den Fahndungsapparat verbessert, um dieser Leute habhaft zu werden, vor allen Dingen mit den Ursachen dieses Problems beschäftigen. Ich will ein Beispiel nennen: Wenn das mit der Jugendarbeitslosigkeit so weit. 

Fast alle Plätze vergeben

Die rund 300 Sitzplätze im Rotenburger Buhrfeindsaal für den Besuch von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder sind bereits fast komplett vergeben. Es ist einer von nur zwei Auftritten des derzeit wegen seines künftigen Rosneft-Jobs in Russland in der Kritik stehenden SPD-Politikers. 

Entsprechend groß dürfte auch das Medieninteresse werden. Der Bundestagsabgeordnete und SPD-Kandidat für die Wahl am 24. September, Lars Klingbeil, hat Schröder nach Rotenburg eingeladen und wird sich mit ihm die Bühne teilen. Los geht es um 19 Uhr. Ein paar Restkarten können unter 030 / 22771515 oder lars.klingbeil@bundestag.de noch reserviert werden.

mk

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