Holzwerkstatt auf dem Campus bietet Flüchtlingen sinnvolle Beschäftigung

Arabischer Kaffee zum Feierabend

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Abdulkedir Kurdi ist stolz auf seinen Vogelkäfig.

Rotenburg – Sie hämmern, sie sägen, und sie bohren. Es ist laut in der kleinen Holzwerkstatt auf dem Campus in Unterstedt. Zwei verhältnismäßig kleine Räume stehen zur Verfügung. Fünf Männer sind an diesem Nachmittag dabei. Und ganz offensichtlich haben sie große Freude daran, mit ihren Händen etwas entstehen zu lassen. „Es ist ein Angebot vor allem für die Männer“, sagt Martina Hoffstedt, Ehrenamtskoordinatorin am Rotenburger Diakonissen-Mutterhaus. Die Männer hätten oftmals Langeweile. Und so sei die Idee entstanden, ihnen mit einer Holzwerkstatt ein sinnvolles Angebot zu machen.

Abdulkedir Kurdi kommt aus Syrien. Stolz zeigt er den kleinen Vogelkäfig, den er gebaut hat und der unterstreicht, mit wie viel Fantasie die Männer zu Werke gehen. „Und dabei lassen sie sich auch nicht beirren“, berichtet Werner Ruhe. Der 70-jährige Rotenburger – bis 2015 Geschäftsführer der Lebenshilfe Rotenburg-Verden und selbst schon immer handwerklich interessiert – hat sich ehrenamtlich der Holzwerkstatt angenommen. Er koordiniert den Ablauf, steht mit Rat und Tat zur Seite, gibt Tipps und packt auch mal mit an. Der Vogelkäfig hat es auch ihm angetan. „Es ist wirklich erstaunlich, welche Ideen Abdulkedir entwickelt hat. Mikadostäbe und alte Fahrradspeichen dienen für das Gitter. Darauf muss man erst einmal kommen.“

Blumenkästen, Schlüsselbretter, kleine Möbelreparaturen und auch Schneidebretter für die Küche – viele Dinge, die hier in der Werkstatt Woche für Woche entstehen, sind sehr alltagsorientiert. Man hilft sich selbst. Und die Männer helfen sich gegenseitig: Einer hält fest, der andere schraubt, leimt oder bohrt. „Da spielen die unterschiedlichen Nationalitäten keine Rolle“, sagt Martina Hoffstedt. „Das gemeinsame Basteln hilft, Hürden zu überwinden.“ Da gehe es um gegenseitige Unterstützung sowie Kameradschaft. „Das funktioniert“, weiß sie zu berichten.

Dieser junge Mann setzt zum Feinschliff an.

Viele der Männer haben auch in ihrer Heimat handwerklich gearbeitet. Johannes Stephens, der Referent des Mutterhaus-Vorstandes, spricht von einer Bereicherung des Campus’. Zugleich könne diese Arbeit hilfreich sein bei der Orientierung in der beruflichen Ausrichtung.

Werner Ruhe (r.) gibt Bahzad Hassan Tipps.

Auch für Werner Ruhe ist dieser Termin am Dienstag von 14 bis 18 Uhr wichtig geworden in den vergangenen Monaten. „Zu Anfang war es schwer, einen Zugang zu finden“, meint er, aber nach und nach habe sich etwas Gutes entwickelt. Im vergangenen Jahr hatte er eigentlich nur Mail-Kontakt mit dem Mutterhaus. Daraus ergaben sich ein Treffen und schließlich die Bereitschaft, sich der Holzwerkstatt anzunehmen. Er sagte sich: „Ich mach’s einfach mal.“ Im September ging es los. Inzwischen waren auch Kinder dabei. Gemeinsame Bau-Projekte haben die Männer ebenfalls schon auf die Beine gestellt. 

So sind mittlerweile zwei Hochbeete entstanden und bepflanzt worden, die nur wenige Meter von der Werkstatt entfernt ihren Dienst tun. „Das alles hatte ich so gar nicht geplant, aber mittlerweile mache ich das wirklich sehr gerne“, versichert Ruhe. Hoffstedt und Stephens bescheinigen ihm, dass er seinem Nachnamen dabei alle Ehre macht. Was den 70-Jährigen besonders freut: „Die Männer möchten erzählen – von sich, von ihrer Heimat und von dem Leben vor der Flucht.“ Das alles sei für ihn interessant. „Ich erfahre viel – auch, wie schwer sie es hier bei uns immer noch haben.“ Martina Hoffstedt freut diese Entwicklung: „Das alles hat sehr viel Persönliches.“

Die Männer helfen sich gegenseitig. 

Das Diakonische Werk hat die Einrichtung der Holzwerkstatt mit 10 000 Euro unterstützt. Werkzeuge und Maschinen stehen somit zur Verfügung. Material gibt es zwischendurch kostenlos von der Lebenshilfe. Dabei helfen die guten Kontakte Werner Ruhes zu seinem früheren Arbeitgeber. Während er davon erzählt, entsteht im Raum nebenan etwas Großes. Einer der Männer baut sich eine Hantelbank. Noch so ein Projekt, das in der Holzwerkstatt für Aufsehen sorgt. Noch so ein Projekt, auf das der Handwerker am Ende stolz sein wird. Zum Feierabend trinken sie dann gerne arabischen Kaffee.

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