Apotheker zögern mit Impfangebot und sehen Probleme

Aus Mangel an Bedarf

Eine neue Verordnung erlaubt es auch Apothekern, gegen das Coronavirus zu impfen – doch die sehen noch einige Hürden und haben Bedenken.
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Eine neue Verordnung erlaubt es auch Apothekern, gegen das Coronavirus zu impfen – doch die sehen noch einige Hürden und haben Bedenken.

Eine neue Verordnung erlaubt es auch Apothekern, gegen das Coronavirus zu impfen. Doch die Apotheker im Landkreis Rotenburg sehen noch einige Hürden und bemängeln, dass das Personal knapp ist. Außerdem zweifeln sie daran, dass der Bedarf da ist. Denn die Impfzentren haben viele freie Termine.

Rotenburg – Nur mit einer möglichst hohen Impfquote und der daraus folgenden Herdenimmunität können die Menschen die Pandemie besiegen. Darin sind sich die meisten Experten einig. Um diese schnellstmöglich zu erreichen, dürfen nach neuer Verordnung seit Dienstag auch Apotheken gegen Covid-19 impfen. Können sich Interessierte also schon bald beim Kauf von Schnupfenspray und Hustenpastillen nebenbei immunisieren lassen?

Und können beziehungsweise wollen die Apotheken, die häufig bereits zusätzlich ein Testcenter betreiben, das überhaupt leisten? Wir haben uns dazu mal umgehört.

Der Rotenburger Landrat Marco Prietz (CDU) begrüßt zwar grundsätzlich die Entscheidung, glaubt aber nicht, dass der Bedarf da ist: „Impfungen in Apotheken sind eine gute Sache, weil dort eine adäquate Aufklärung und Beratung erfolgen kann“, sagt Prietz zwar. Die Lage sei zurzeit aber so, dass es im Landkreis genügend freie Impfkapazitäten gebe.

Erst Anfang der Woche hatte der Landkreis drei neue Impfzentren eröffnet – in Rotenburg, Zeven und Bremervörde. Doch die Nachfrage ist bislang enttäuschend. Das bestätigt der Leiter der mobilen Impfteams, Alexander Oestmann. Auf mindestens 480 Impfungen pro Tag sei beispielsweise das Angebot in der Lagerhalle von Holz Behrens in Rotenburg ausgelegt – tatsächlich kämen aber nur 200 bis 250. „Das ist besser als befürchtet, aber weit weniger, als wir uns erhofft hatten“, so Oestmann. Noch schlechter sehe es weiterhin in Zeven und Bremervörde aus, wo pro Tag nur zwischen 100 und 150 Menschen das Angebot nutzten.

Prietz hält deshalb ein zusätzliches Impfangebot in Apotheken für diese Region momentan für nicht nötig, schränkt jedoch ein: „Das mag sich mit Blick auf eine mögliche Impfpflicht aber in den nächsten Monaten noch ändern.“

Auch bei den Apothekern im Landkreis stößt die Entscheidung nicht auf ungeteilte Begeisterung. Die Apotheke Große in Rotenburg wird beispielsweise vorerst kein zusätzliches Impfangebot schaffen. Apotheker René Große sieht auf dem Weg dorthin auch noch einige Hürden: „Das scheitert an drei Dingen: Zum Einen ist das Portal zur Meldung der geimpften Personen an das RKI noch gar nicht fertig programmiert, außerdem müssten Mitarbeiter dafür geschult werden. Dies kann aber frühestens in der kommenden Woche beginnen. Viel wichtiger ist aber: Uns fehlt auch das Personal dafür.“

Anfang des Jahres hatte die Apotheke Große gemeinsam mit dem Rotenburger Arzt Peter Detje eine Booster-Aktion in der ehemaligen Sparkassen-Filiale am Mühlenende durchgeführt, bei der sich mehr als 2 000 Menschen impfen ließen. „Und dabei werden wir es voraussichtlich auch bewenden lassen“, so Große weiter. Sein Eindruck sei, dass es bereits große Impfkapazitäten gebe, diese aber leider zu wenig wahrgenommen würden.

Wir werden von der Pandemie auch so schon genug gefordert und werden daher kein eigenes Angebot schaffen.

Apotheker Hans-Erik Meyer

Auch der Apotheken-Verbund in Scheeßel, zu denen die Beeke-Apotheke, Meyerhof-Apotheke und Sonnen-Apotheke gehören, werden in den eigenen Räumen kein Impfangebot schaffen. „Wir sehen uns vielmehr als Unterstützer bei großen Impfaktionen, in mobilen Impfzentren und helfen gerne bei unseren Ärzten vor Ort, wenn das nötig ist“, sagt Apotheker Hans-Erik Meyer. Auch er nennt als Grund mangelndes Personal: „Wir werden von der Pandemie auch so schon genug gefordert und werden daher kein eigenes Angebot schaffen.“

Um künftig bei Impfaktionen helfen zu können, werden vier Apotheker an der dafür notwendigen Fortbildung teilnehmen. Meyer kritisiert in diesem Zusammenhang, dass bislang keine Assistenzberufe für das Impfen vorgesehen seien: „Es wird auf große menschliche Ressourcen verzichtet, wenn nicht auch unsere PTA impfen dürfen. Artzhelferinnen übernehmen das schließlich auch, und die machen das toll.“

Annette Katenkamp, Inhaberin der St. Georg-Apotheke und Pinguin Apotheke in Sottrum, möchte zunächst im Gespräch mit den niedergelassenen Ärzten klären, ob sich diese überhaupt eine Unterstützung durch Apotheken wünschen. „Das läuft hier sehr kollegial ab. Wenn sich dabei herausstellt, dass sie beispielsweise ohnehin nicht ausreichend Impfstoff bekommen, werde ich ihnen sicher nichts wegnehmen.“

In enger Absprache habe sie entschieden, ob sie in der St. Georg-Apotheke eine Testmöglichkeit schaffen soll: „Erst nach Absprache mit den Ärzten habe ich den Plan dann umgesetzt“, so Katenkamp. Grundsätzlich halte sie es für möglich, in der Apotheke zu impfen: „Wir haben in den vergangenen Monaten schon so viel gewuppt – auch das würden wir gemeinsam schaffen.“

Unentschlossen zeigt sich noch Matthias Grube von der Neuen Apotheke in Visselhövede: „Wir beschäftigen uns damit, selbst zu impfen, haben aber noch keine Entscheidung getroffen.“ Apotheken hätten in der Vergangenheit zahlreiche zusätzliche Aufgaben übernommen, zuletzt das Testen, und seien so immer mehr zu einem Gesundheitsdienstleister geworden. Dazu würde auch das Impfen als nächster Schritt passen, „und wir könnten grundsätzlich auch sofort loslegen“. Auch Grube betont jedoch, er habe kein Verständnis dafür, dass das Impfen den Apothekern vorbehalten bleiben soll: „Ich habe seit fünf Jahren eine examinierte Krankenschwester im Team, die das sehr gut kann.“

Pro Fläschchen ergeben sich sechs bis sieben Impfdosen – die müssten dann innerhalb einer kurzen Zeit verimpft sein. Bei Grippeimpfungen ist das einfacher – dort gibt es Einzeldosen.

Apotheker Matthias Grube

Auch er zweifelt daran, dass genügend Menschen das zusätzliche Impfangebot nutzen würden und deshalb womöglich ein Teil des Vakzins verfallen könnte. „Pro Fläschchen ergeben sich sechs bis sieben Impfdosen – die müssten dann innerhalb einer kurzen Zeit verimpft sein. Bei Grippeimpfungen ist das einfacher – dort gibt es Einzeldosen.“

Ob Apotheken künftig von der Möglichkeit Gebrauch machen werden, selbst zu impfen, hängt also vor allem davon ab, ob die Impfbereitschaft der Menschen steigt, und sich damit der Bedarf nach zusätzlichen Angeboten erhöht. Es gebe jedoch nicht den einen guten Weg, um die Menschen von einer Impfung zu überzeugen, glaubt Landrat Marco Prietz: „Letztendlich helfen wohl nur viele motivierende Gespräche im persönlichen Umfeld, in letzter Instanz möglicherweise auch nur eine allgemeine Impfpflicht.“

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