400 Unterschriften

Anwohner am Rotenburger Therkornsberg fordern „Chancen zu ergreifen“

Die übergangsweise eingerichtete Baustraße könnte eine feste Zufahrtsstraße werden, finden Ada Stolte (l.) und Doris Klawitter – das würde aus ihrer Sicht viele Probleme lösen.
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Die übergangsweise eingerichtete Baustraße könnte eine feste Zufahrtsstraße werden, finden Ada Stolte (l.) und Doris Klawitter – das würde aus ihrer Sicht viele Probleme lösen.

Die Anwohner des Rotenburger Therkornsbergs fordern Nachbesserungen bei zwei größeren Bauprojekten in der Nachbarschaft. Eine Unterschriftenliste wurde übergeben.

Rotenburg – Mehr Parkplätze schaffen, die Zufahrt zum neuen Wohnheim und Hospiz am Therkornsberg nicht über das Wohngebiet regeln: Ada Stolte, Doris Klawitter und ihre Mitstreiter wissen, was sie wollen. Die Frauen sprechen für alle direkten Nachbarn sowie Anwohner der umliegenden Straßen. Diese haben gut 400 Unterschriften der Stadtverwaltung vorgelegt, um ihre Forderungen zu untermauern. Die signalisiert zwar Gesprächsbereitschaft, viel ändern wird sich an den Planungen voraussichtlich nicht – nach Ansicht der Stadt und des Bauträgers ist das nicht notwendig.

400 Unterstützer in weniger als sechs Tagen: Das, sagt Klawitter, die mit einer weiteren Anwohnerin Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Stadtplaner Clemens Bumann vor der jüngsten Planungsausschusssitzung die Liste ausgehändigt hatte, schien selbige etwas zu überraschen. „So gut wie alle, die wir gefragt haben, waren bereit, ihre Unterschrift zu geben“, so Klawitter. „Aber die Stadt sieht das Problem nicht so wie wir.“

Die Anlieger ahnen Probleme an mehreren Stellen. Zum einen werde das Parkplatzproblem, das schon jetzt bestehe, verschärft. Oft parken Patienten des Krankenhauses im Wohngebiet – in engen Straßen, die teils ohnehin in schlechtem Zustand sind. In letztgenanntem Punkt soll zumindest Abhilfe geschaffen werden. Die Stadt hat vor Beginn der Bauphase den Zustand dokumentiert, um, wenn nötig, Reparaturmaßnahmen den Bauträgern zuordnen und die betroffenen Stellen ausbessern lassen zu können. „Bisher sind keine auffälligen Schäden erkennbar“, so Weber.

Die geplante Anzahl an Parkplätzen für das Wohnheim sehen die Anwohner als nicht ausreichend an. Dahingehend versucht Mutterhaus-Chef Matthias Richter zu beruhigen: Es wird 45 Stellplätze direkt am Wohnheim geben. „Das sind doppelt so viele, wie baurechtlich nötig“, erklärt er. Auch am Hospiz gebe es reichlich Parkplätze für die maximal neun Gäste und das Team. „100 Parkplätze zu fordern, ist rechtlich nicht möglich und auf keinen Fall städtebaulich wünschenswert“, ergänzt Weber.

Für das Wohnheim ordnet Richter die Anzahl als realistisch ein, wolle man doch auch viele junge Menschen für eine Pflege- oder Erzieherausbildung begeistern. Diese haben oftmals kein Auto, legen den täglichen Arbeitsweg zu Fuß oder per Fahrrad zurück. „Abschließbare Unterstellmöglichkeiten werden ausreichend vorhanden sein. Um größere Mobilität zu ermöglichen, prüfen wir ein E-Carsharing für die Schüler“, so Richter. Weber führt die Verkehrswende an und appelliert, dass mehr Fahrrad- als Auto-Abstellplätze geschaffen werden.

Über zu wenig Parkplätze für den eigenen Bedarf bräuchte sich ebenfalls niemand sorgen. So schafft das Mutterhaus weitere Parkplätze an der Straße vor dem Wohnheim. „Diese Fläche liegt zwar größtenteils auf unserem Privat-Grundstück. Wir werden sie aber der Stadt überlassen“, erläutert Richter. „Dort haben wir angeregt, feste Anliegerparkplätze einzurichten, damit die Parkbuchten auch für die alteingesessenen Anwohner reserviert sind.“

Bleibt der Verkehr: Der wird zunehmen, darin sind sich alle Parteien einig. Über den Umfang allerdings nicht. Während Richter und Weber der Meinung sind, dass sich die Verkehrsbelastung nicht drastisch erhöhen wird, befürchten die Anlieger das Gegenteil. Sie hegen die Befürchtung, dass der Verkehr die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet. Viele Familien mit kleinen Kindern leben dort. Und sie nutzen den Spielplatz am künftigen Wohnheim.

Ihr Vorschlag: Die temporäre Baustellenzufahrt über den Königskamphof könnte eine dauerhafte Zufahrt von der B 71 werden. Damit wird gleichzeitig Verkehr aus der Stadt herausgehalten. Direkten Zugang über das Wohngebiet hätten nur Radfahrer oder Fußgänger. „Diese Chance sollte man ergreifen“, sagt Stolte. „Das schafft auch Akzeptanz.“

Dazu wird es aber aller Voraussicht nach nicht kommen, auch wenn die Verwaltung „Verständnis für den Unmut“ habe: Sowohl von städtischer Seite als auch von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sei eine Anbindung nicht erwünscht. Auch Richter sieht keine Notwendigkeit. „Ein Anfahrverbot über die bestehenden Straßen und die Erschließung über einen Abzweig von der Bundesstraße halte ich schon allein aufgrund des rechtlichen Rahmens für nicht umsetzbar.“

Den Anliegern ist eines wichtig: Sie sind nicht gegen das Hospiz. Auch nicht gegen ein Wohnheim, „auch wenn wir uns nicht über die Verdichtung freuen“, gibt Klawitter zu. Die Anwohner stört, dass sie beim Wohnheim kaum mit ins Boot geholt worden sind, regelrecht „übergangen“ wurden. Es gab permanente Informationspolitik zum Hospiz, für das Wohnheim nicht. „Wird da mit zweierlei Maß gemessen?“, fragt Stolte.

Doch über die Informationsweitergabe herrscht Uneinigkeit – vor allem von Seiten der Stadt hätte es Gespräche gegeben, zudem sei sowohl im Planungsausschuss als auch dem Stadtrat im Verwaltungsausschuss über die Pläne berichtet worden – auch für das Wohnheim. Es sei es kein „alternativloses Szenario“, finden die Anwohner: Man könne eine Win-win-Situation schaffen, statt die jetzige Lage zu verschärfen. Die Stadt plant nun ein Antwortschreiben, das im nächsten Planungsausschuss bekannt gegeben und dann an die Anlieger versendet wird.

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