Ausverkauftes Konzert von „Christine Tassan et Les Imposteures“

Ansteckende Spielfreude

„Christine Tassan et Les Imposteures“ verstehen es, ihr Publikum im Heimathaus zu begeistern. Foto: Pröhl

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Dichtes Gedränge im Rotenburger Heimathaus am vergangenen Freitag. Erstaunlich, wo doch so viele Leute anderweitig unterwegs sind. Schließlich locken an diesen Tag auch Dämmer-Shoppen und Kabarett in die Kreisstadt. Michael Behr, eifriger Vorsitzender von Just Jazz: „Das ist schon geil“, ist er ob des großen Andrangs bei „Swing meets Gypsy“ begeistert. „Das sind 150 Leute, das ist die Grenze.“ Er fährt fort: „Die sind ziemlich gut, wir man gleich merken.“

Gemeint ist die kanadische Band „Christine Tassan et Les Imposteures“. Die vier Musiker geben ihr erstes und vorerst einziges Deutschland-Konzert auf Einladung des Rotenburger Jazz-Clubs und bringen vor ausverkauftem Heimathaus eine Mischung aus Gypsy-Jazz und bekannten Swing-Songs. Nach einer launigen Begrüßung des Vorsitzenden geht’s los, heizt die Band ein, was in Anbetracht des Heimathauses, das schon so häufig gebrannt hat, nicht ohne Risiko ist.

Die Spielfreude der vier springt sofort ins Publikum über. Wie ein roter Faden ziehen sich Arrangements von Félix Leclerck und Django Reinhardt durchs Programm. Das ist Musik, die gutlaunig, stimmungsvoll und mit vortrefflichem Gesang herüberkommt. Das Publikum ist sofort gepackt, hält von nun an die Füße nicht mehr still. Immer wieder gibt es Applaus, Pfiffe, jubelnde Rufe. Swing, Jazz, Gypsy – rhythmisch anpackend und mitreißend. Gershwin ist an der Reihe, sogar Tschaikowski wird hier „vergypst“, und das funktioniert. Die Zuhörer machen mit, was die Band fordert: „Hey, hey, ho“ ruft sie und es schallt aus den Reihen zurück. „Sing, sing everybody. Start to sing“, heißt es.

Zum Glück wird das nicht wörtlich genommen, aber das Heimathaus rockt ab. „Wunderbar, besser geht’s nicht“, äußert ein Gast. „Das ist doch genial“ sagt ein anderer, „einfach genial!“ Eine Dame um die 80: „Das macht Spaß!“ Es gibt großes Drängeln am deutsch-französischen Vereins-Buffet. „Where is Jeff?“, fragt Michael Behr besorgt. Der einzige Mann der Band wird doch nicht mit den Einnahmen getürmt sein? „Les Imposteures“ hatten nach Ausscheiden einer Musikerin zunächst lange nach einer Frau gesucht. Als sie nicht fündig wurden, war Jeff erste Wahl. „He is nice“, sagt Christine Tassan.

Nicht nur der Hahn im Korb, alle vier brillieren an ihrem Instrument und verschmelzen zu einem Rhythmus, wenn man sie erst von der Kette lässt. Sie steigern sich, werden rasend schnell. Kaum möglich, zwischen den Solopassagen noch Applaus unterzubringen, so schnell sind die Wechsel. Ruhiger und sehnsuchtsvoller wird „Smile“ von Charly Chaplin. Der „Gigolo“ erscheint in neuem Gewand, marschiert zunächst und kriegt als Gypsy plötzlich das Rennen. Die Spielfreude der Band ist an-steckend. Gypsy reißt alle mit, vor allem, weil der Klang dank Philipp Cornelius so gut ausgesteuert ist.

„This is the last song of the show“ löst geradezu Protest bei den Zuhörern aus. Die sind inzwischen süchtig nach dieser Musik geworden. Großer Dank geht jetzt in alle Richtungen für „good organisation“ und „thanks vor coming tonight“ geht ans Publikum. Weil das aber gar zu sehr bettelt, bekommt es zwei satte Zugaben, wird zum Mitklatschen animiert. Bleibt zu hoffen, dass sich so eine Stimmung auch im ganzen Stadtgebiet breitmachen konnte.

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