Die Anlaufstelle

Wirtschaftsförderung berät und informiert Gründungswillige

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Marleen Kruppa (l.) und Elisabeth Pape (r.) haben das Angebot zur Orientierungsberatung von Gesa Weiss angenommen und sind sehr zufrieden damit. Sie sehen darin eine wichtige Hilfe für den Start in die Selbstständigkeit.

Auch ein Nein kann ein Erfolg sein. Das sagt Gesa Weiss über ihre Arbeit. Seit 1998 arbeitet sie in der Wirtschaftsförderung des Landkreises Rotenburg und bietet unter anderem Beratungen für Menschen an, die sich selbstständig machen möchten. 2 300 solcher Gespräche hat sie inzwischen geführt, aber wie erfolgreiche diese am Ende waren, lasse sich nicht so einfach sagen.

Rotenburg - „Das ist eine Frage der Definition“, sagt sie. Und wenn nach einem solchen Beratungsgespräch, das als Entscheidungsgrundlage dienen soll, ein Nein heraus kommt, könne eben auch das ein Erfolg sein. Schließlich muss der Ratsuchende am Ende selbst abwägen, ob eine Existenzgründung für ihn der richtige Weg ist.

Marleen Kruppa und Elisabeth Pape indes haben „Ja“ gesagt – und ihre Entscheidung für die Gründung eines eigenen Unternehmens nicht bereut. Diese beiden Damen sitzen mit am Tisch im Kreishaus, wo Gesa Weiss an diesem Donnerstag den neuen Leitfaden für Existenzgründung vorstellt. Dieser ist vor 20 Jahren ins Leben gerufen worden und erscheint jetzt in der 40. Auflage. Dass dieser Leitfaden und in Verbindung damit die Beratungsgespräche als Erfolg zu werten sind, steht außer Frage. Der Leitfaden richtet sich an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Unternehmen selbstständig zu führen. Er bietet einen Überblick über Anlaufstellen mit den jeweiligen Ansprechpartnern – darunter sind die Kammern, die Wirtschaftssenioren, aber auch Internetseiten zum Thema Existenzgründungen aufgeführt. Dazu kommen ein Behördenwegweiser und Anbieter von speziellen Workshops, die beim Aufbau eines eigenes Geschäfts von Bedeutung sein können. „Viele wissen gar nicht, dass es diesen Leitfaden gibt“, sagt Gesa Weiss – obwohl sie immer wieder darüber informiert, wenn eine neue Auflage veröffentlicht worden ist.

Parallel zum Leitfaden selbst spielen auch die Beratungsgespräche eine große Rolle. Sie setzen allerdings eine Idee voraus, mit der sich die Ratsuchenden konkret beschäftigen. Dann erhalten sie eine branchenübergreifende Orientierungshilfe – umfassend, unabhängig und kostenlos, betont Weiss. Da geht es um eine Einschätzung der Geschäftsidee, um Genehmigungen und Zuständigkeiten, um Fördermitteldarlehen und Zuschussmöglichkeiten, Kostenkalkulation und Ertragsvorschau, den Business-Plan, Versicherungen, Steuern und Informationen zur Rechtsform.

Elisabeth Pape ist dankbar gewesen für eben dieses Beratungsgespräch. „Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Alles hat wunderbar geklappt, schnell, einfach, verständnisvoll und ohne Fach-Chinesisch.“ Die 30-Jährige war im April zur Beratung bei Gesa Weiss, im Mai hat sie ihren Eine-Frau-Betrieb gestartet – „Lissconomy“, eine Kommunikationsagentur. Die junge Frau aus Selsingen musste allerdings schon im Gespräch mit Gesa Weiss feststellen: „Da kommt einiges auf einen zu.“ Sie habe geglaubt, vorab schon viel zu wissen, doch „so viel Ahnung hatte ich dann doch nicht“. Es gebe viel zu bedenken beim Weg in die Selbstständigkeit. Gesa Weiss: „Grundlage ist erst einmal, dass die Idee zum Gründer passt.“ Bei Elisabeth Pape passte sie. Inzwischen laufe das Geschäft gut an, sie habe bereits drei feste und größere Kunden, die ersten Rechnungen seien verschickt. „Aber die ersten drei Monate waren wirklich schwer“, erklärt sie. Und sie unterstreicht: Es sei wichtig, sich von der gewohnten Sicherheit zu lösen. „Jetzt macht es einfach nur noch Spaß.“

Freude empfindet auch Marleen Kruppa. Die 27-jährige Rotenburgerin betreibt seit 2017 das „Café Marleen“ an der Großen Straße in der Fußgängerzone der Kreisstadt. Über einen der Wirtschaftssenioren war sie auf Gesa Weiss und die Möglichkeit eines Beratungsgespräches aufmerksam geworden. Die gelernte Restaurantfachfrau und Konditorin sei in den Jahren nach ihrer Ausbildung „durch die Gastro-Szene getingelt“. Zuletzt arbeitete sie im Wachtelhof, ehe sie sich für die Selbstständigkeit entschied. Auch der Wirtschaftssenior sei eine große Hilfe dabei gewesen – „er war Koch – da brannte das gleiche Feuer“, erinnert sich die junge Frau. Was alles auf sie zukommen würde, war ihr nicht klar, als sie „Ja“ zum Angebot, das Café im Haake-Meyer übernehmen zu können. Umbau, Versicherungen, Kredit – „ich bin schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen“, erinnert sich Kruppa an die Zeit nach dem Gespräch mit Gesa Weiss. Aber: „Ich habe es trotzdem gemacht.“ Heute hat sie vier Angestellte und weiß, dass sie mit einer 40-Stunden-Woche nicht auskommt. „Aber ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen.“ Auch wenn für Privates kaum noch Zeit bleibe. Ein Teil des Lohns sei am Ende die Zufriedenheit der Kunden. Das gilt ganz sicher auch für Gesa Weiss.

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