61. Angerburger Tage / Kurt Sadowski bleibt Vorsitzender der Kreisgemeinschaft

Flucht ist aktueller denn je

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Der alte und neue Vorstand der Angerburger Kreisgemeinschaft mit ihrem Vorsitzenden Werner Sadowski (4.v.l.).

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Im Mittelpunkt der 61. Angerburger Tage in der Kreisstadt Rotenburg am Wochenende stand die aktuelle Flucht hunderttausender Menschen in die EU-Staaten, besonders nach Deutschland, und eigenes Rückerinnern an die Schrecken vor 70 Jahren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 16 Millionen Deutsche ihre Heimat verlassen – zwei Massenfluchten verzweifelter Menschen zu unterschiedlichen Zeiten bei teilweise ähnlichen Begleitumständen.

Die Vertriebenen aus dem deutschen Osten haben unter schwierigen Bedingungen eine neue Heimat gefunden, sind jetzt integriert. Die Flüchtlinge aus den heutigen Krisengebieten bemühen sich um Asyl. Sie sind willkommen, bei einer Kette an Problemen – vieles ließe sich vergleichen.

Die Angerburger Tage wurden zum ersten Mal mit Vertretern der Landsmannschaft Stuhm, Patenschaftskreis von Bremervörde, begangen. Im nächsten Jahr, wenn die CDU/FDP-Kreistagsgruppe zum Besuch nach Angerburg fährt, sind die Stuhmer dabei. Daran erinnerte Kurt Sadowski, Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Angerburg, seit 1954 Rotenburger Patenschaftskreis.

Die Kreisgemeinschaft wird aber „schmaler“: Etwa 4500 Mitglieder zählte die Organisation vor 60 Jahren, jetzt sind es noch zirka 2500 Menschen. Nachwuchs gibt es nur sehr wenig. Mit ein Grund, weshalb die Kreisvertretung in ihrer Sitzung am Sonnabend im Rotenburger Kreishaus beschloss, künftig stehe nach der neuen Satzung jedem die Mitgliedschaft offen.

Sadowski, seit 15 Jahren Vorsitzender der Kreisgemeinschaft wurde wiedergewählt, bis auf Eberhard Steinke (Nachfolgerin Gudrun Lutze) wurden die anderen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt: Brigitte Junker und Susanne Hagen als Sadowskis Stellvertreterinnen, Heinz-Wolfgang Malessa, Günther Kuhn und Erich Kerwien als Mitglieder.

Gastrednerin der Feierstunde gestern Morgen in der Aula der Theodor-Heuss-Schule war Landesgruppenvorsitzende Dr. Barbara Loeffke aus Lüneburg: „Mit den Angerburger Tagen“, sagte sie unter anderem, „haben Sie ein Zeichen gesetzt.“ Sie erinnerte an die Schrecken der Flüchtlinge vor 70 Jahren, als Menschen im zerbrechenden Eis des Haffs ertranken, als Mütter ihre Kinder in Gräben zur letzten Ruhe betten mussten. Es sei der Kampf der Vertriebenen um Anerkennung gefolgt, der lange Prozess der Integration, die unterschiedlich ausgeprägte Bereitschaft der Einheimischen, die Landsleute aufzunehmen und „schließlich nach viel Fleiß und Beharrlichkeit in den allermeisten Fällen die geglückte Integration“.

Viele Menschen, so Barbara Loeffke, hätten sich damals nicht vorstellen können, die Heimat für immer verlassen zu müssen. Jetzt sind aus ehemaligen Kriegsgegnern Freunde in einem friedlichen und geeinten Europa geworden.

Bei einer von Geschichte und Geistesgrößen geprägten „Rundreise“ durch Ostpreußen und Westpreußen, durch Schlesien, Brandenburg, Pommern und dem Sudetenland forderte sie die Zuhörer auf: „Halten Sie Ostpreußen mit seiner 700-jährigen Geschichte die Treue, dass das Land nicht in Vergessenheit gerät.“

Für den Landkreis Rotenburg begrüßte die stellvertretende Landrätin Doris Brandt die Angerburger. Die Rednerin verglich ebenfalls die heutige Situation der Flüchtlinge mit dem Schicksal der Vertriebenen.

Hedda Braunsburger, stellvertretende Rotenburger Bürgermeisterin: „Wir suchen alle nach Frieden. Europa scheint ihn gefunden zu haben. Im 21. Jahrhundert sollten Krieg, Umsiedlung, Flucht und Vertreibung keine Wiederholung finden. Nicht bei uns und nicht in anderen Teilen der Welt.“

MdL Hans-Heinrich Ehlen: „Ich bin davon überzeugt, dass man wissen muss, wo sich die eigenen Wurzeln befinden.“

Heinz-Günter Bargfrede (CDU/FDP-Kreistagsgruppe), unterstrich die Verdienste der ehrenamtlichen Arbeit in der Landsmannschaft Angerburg: „Dies ist eine sehr lebendige Kreisgemeinschaft.“

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