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André Fuge über den Reiz des Amateurfunkens

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Von: Nina Baucke

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André Fuge funkt gerne mit einem handlichen Digitalfunkgerät. Er ist Vorsitzender der Rotenburger Amateurfunker.
André Fuge funkt gerne mit einem handlichen Digitalfunkgerät. Er ist Vorsitzender der Rotenburger Amateurfunker. © Baucke

André Fuge kommuniziert drahtlos: Der Zevener ist Amateurfunker und Vorsitzender des Rotenburger DARC-Ortsverbands. Wir haben mit ihm über das Funken, welche Rolle Computer spielen und den Verhaltenskodey der Amateurfunker gesprochen.

Zeven – Seit fast hundert Jahren sind weltweit nicht nur Berufsfunker im Äther unterwegs, sondern auch Amateure. Heutzutage gehören dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) nach eigenen Angaben rund 33 000 Mitglieder an. Einige von ihnen funken im Ortsverband Rotenburg. Wir haben zum Weltamateurfunktag am 18. April mit dessen Vorsitzendem André Fuge aus Zeven darüber gesprochen, welchen Reiz eine alte Technik in Zeiten von Smartphones und Messengerdiensten hat, welche Rolle Computer mittlerweile spielen und was es mit dem Verhaltenskodex der Amateurfunker auf sich hat.

Heutzutage gibt es Smartphones, Messengerdienste & Co. – warum sollte man heute noch funken?

Da spielt technisches und wissenschaftliches Interesse eine ganz große Rolle: Wie das Ganze funktioniert und warum, wieso das mit der Wellenausbreitung so ist, wie es ist. Zum Beispiel beim Kurzwellenfunk: Da ist unser Problem die Erdkrümmung. Wenn ich von hier nach da funken will, geht es irgendwann nicht mehr weiter, sondern ins unendliche. Aber es gibt in der Atmosphäre elektrisch aufgeladene sogenannte F-Schichten, die diese Wellen reflektieren und sie um die Erdkrümmung herum lenken. Es geht beim Amateurfunk daher zwar auch um die Nachrichtenübermittlung, aber mehr noch um die Frage, wie das grundsätzlich funktioniert.

Was tun Sie, um Amateurfunk für jüngere Generationen interessant zu machen?

Wir versuchen eben diesen technisch-wissenschaftlichen Aspekt hervorzuheben. Aber leider gibt es da nur wenige Jüngere, die sich dafür interessieren. Und wenn wir da mal jemanden haben, der sogar seine Funkamateurprüfung ablegt, kommt dann irgendwann der Beruf oder das Studium oder Familie – und dann sind sie wieder weg. Andersherum: Wenn die Leute dann 50 Jahre alt sind, erinnern sie sich, dass sie mal so etwas gemacht haben – und sind dann wieder dabei. Das haben wir öfter, dass sie im höheren Alter wieder zurückfinden.

Gibt es trotzdem Aktionen oder Projekte, auch vom DARC, wie sich junge Menschen für dieses Hobby gewinnen lassen?

Der DARC hat da einige Projekte, es wird viel versucht, aber leider kommt nur wenig dabei herum.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um das Funken zu lernen?

Begeisterung für Physik ist auf jeden Fall wichtig. Es gibt nämlich zwei Prüfungen auf dem Weg zum Amateurfunker. Zum einen ist da die E-Prüfung für die Einsteigerklasse. Die ist nicht sehr techniklastig, sondern behandelt vor allem die ganzen gesetzlichen Regelungen und Vorschriften sowie Betriebstechniken, zum Beispiel das Nato-Buchstabieralphabet. Viele absolvieren erst diese E-Prüfung, bevor sie sich an die A-Prüfung machen, und da wird es dann auch technischer: Dort ist dann auch Mathematik wichtig, unter anderem muss ich einen wissenschaftlichen Taschenrechner aus dem Effeff bedienen können. Es gibt zudem von der Bundesnetzagentur eine Formelsammlung, nach der ich die Aufgaben lösen muss. Aber alles Auswendiglernen nützt nichts, wenn ich den Zusammenhang nicht verstehe. Da steckt schon ein kleines Studium dahinter. Diese Prüfungen sind die rechtliche Voraussetzung, dass ich überhaupt funken darf. Daher werden sie auch von der Bundesnetzagentur abgenommen. Und erst nach dem Bestehen erhalte ich dann mein persönliches Rufzeichen.

Hat sich an der Technik etwas geändert?

Es hat sich sehr viel verändert: Es gibt mittlerweile tausend verschiedene Spielwiesen, angefangen mit dem Morsefunk, da laufen die Kurse mittlerweile über MP3-Dateien. Dann ist da der Sprechfunk mit UKW und Kurzwelle. Der UKW-Funk läuft inzwischen auch digital, das heißt, dass ich über einen normalen Empfänger nicht mehr mithören kann und stattdessen nur ein Rauschen und Piepen im Ohr habe. Oder WSPR, da wird versucht, auf digitalem Weg mit wenig Sendeleistung ein Signal zu verschicken – und auf einer Karte im Internet kann ich sehen, wo ich überall gehört wurde. Das gibt zum Beispiel Aufschluss darüber, wie gut meine Antenne ist. Manche machen jeweils nur eine Sache: Beispielsweise sind in unserem Ortsverband viele Ältere, die sich mit Morsefunk beschäftigen. Viele von ihnen waren früher bei der Bundespost, dem Vorgänger der Telekom, und haben dort das Morsen beruflich gelernt. Oder die bei der Bundeswehr stationiert waren – unter anderem in Visselhövede, die von dort den ostdeutschen und russischen Funkverkehr abgehört haben. Denn der lief natürlich über Morsetelegrafie.

Welche Rolle spielen mittlerweile Computer in der Funktechnik?

Es geht nicht mehr ohne. Selbst, wenn ich ein Funkgespräch oder Morsetelefonat habe: Jedes Gespräch wandert in ein Logbuch, und keiner führt das heute mehr handschriftlich, sondern das geht gleich in den PC. Von dort aus kann ich das weiterschicken, archivieren, weiter ausarbeiten. Auch die Programmierung der Funkgeräte läuft nur noch so.

Es gibt einen Verhaltenskodex für Funker – warum und um welche Verhaltensweisen geht es da?

Es geht darum, zueinander nett, freundlich und höflich zu sein. Das ist das Wichtigste. Aber eben auch die Ablehnung von Diskriminierung und generell politischen Gesprächen gehört dazu.

Wie ist denn der Umgang miteinander?

Es wird geduzt. Alle sind gleich, es geht uns um die Völkerverständigung. Das ist auch die Haltung des DARC.

Kollidieren die Amateure im Äther auch mal mit dem Berufsfunkbetrieb, beispielsweise Flugbetrieb, Militär oder ähnliches? Ließe sich beispielsweise Funkverkehr bezüglich der Ukraine abhören?

Es sind komplett andere Frequenzen, einige sind nur für uns Amateurfunker, wieder andere sind streng militärisch und nochmal andere für den Flugbetrieb. Und dann ist da noch der kommerzielle und der Behördenfunk. Das ist alles peinlichst genau geregelt – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wir haben in der aktuellen Situation zudem bei unserer DARC-Distriktsversammlung darüber gesprochen, ob wir künftig, wenn wir an einen russischen Funkamateur geraten, dann das Mikrofon wieder weglegen. Aber wir sind uns einig geworden: Das ist Quatsch, die Funkamateure können nichts für Putins Anwandlungen. Die Ukrainer wiederum haben zur Zeit ein Amateurfunkverbot. Ich habe auch in den letzten Tagen keinen mehr gehört. Das erkennen wir ja am Rufzeichen.

Könnten Amateurfunker noch Nachrichten übermitteln, wenn zum Beispiel im Kriegsfall das Mobilfunknetz zusammenbricht – oder bei einem Blackout, einem flächendeckenden, langandauernden Stromausfall?

Das könnten wir, aber es ist von den Behörden nicht gewünscht. Mittlerweile ist es so, dass der DARC den Auftrag hat, in solchen Fällen die Leute mit Wlan zu versorgen. Aktuell laufen dazu noch Beratungen. Was wir allerdings im Einzelfall machen könnten: Wir sind in der Lage, über Kurzwelle einen E-Mail-Dienst einzurichten.

Was macht für Sie den Reiz an diesem Hobby aus?

Es ist diese Mischung aus Völkerverständigung und wissenschaftliches-technisches Interesse. Und wir gehen ja auch mit der Zeit: Der DARC hat zudem einen Chatserver ins Leben gerufen. Über eine Handy-App können wir Funkamateure uns in verschiedenen Chaträumen vernetzen. Aber wie gesagt: Es ist vielfältig. Auch spannend ist, dass viele ihre Geräte selber entwickeln und bauen. Und dann gibt es auch noch Funksport, dann läuft einer mit einem Peilsender voran und die anderen müssen ihn anpeilen. Da gibt es richtige Meisterschaften – auch weltweit. Und nach wie vor faszinierend ist es, über Funk lange Distanzen zu überbrücken – wie neulich, als ich mal mit der Neumayer-Station in der Antarktis gefunkt habe.

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